Dorfidylle

Dorfidylle #10

Scheune.

David spülte die letzten Gläser und schob die Gedanken an Georg, der sich Sid nannte, endgültig zur Seite. Warum sollte er auch weiter über einen Typen nachdenken, der sich zwar an ihn herangeschmissen hatte, aber auf eigenartige Weise befremdlich wirkte? Nur weil er angeblich auf Jungs stand? Das war doch bescheuert! Statistisch gesehen traf das auf acht Prozent aller Männer zu. Und er konnte ja nicht allen Jungs geifernd nachglotzen, die einen Trigger bei ihm trafen. Damit machte er sich lächerlich.

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In der Gaststätte war auch nicht mehr viel los, sodass er Alina dort nicht helfen brauchte. Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten, David drückte dem völlig betrunkenen Konrad die Geldkassette in die Hände und beschloss dann, nach Hause zu gehen. Er war total erledigt und freute sich auf ein paar Stunden Entspannung und Ruhe.
»Hast du den Abend gut überstanden?«, fragte eine warme Stimme, als er durch den Torbogen am Ende der Zufahrt zum Hotel trat.
Alexander lehnte an der Hauswand neben dem Bogen und steckte sein Handy in die Hosentasche. Er wirkte angetrunken aber nicht ganz und gar hinüber, seine Haare waren leicht zerzaust und seine Augen glänzten im Licht der Straßenlaterne.
»Hast du auf mich gewartet?«, fragte David belustigt.
»Ich war auf dem Weg nach Hause und habe mir gedacht, ich schaue einfach noch mal bei euch rein. Aber dann habe ich gesehen, dass du tatsächlich schon Schluss gemacht hast. Und ich war mir nicht sicher, ob du dich einfach wieder klammheimlich vom Acker machst.«
Er lächelte süffisant.
»Warum sollte ich das tun?«, fragte David.
Alexander lachte. »Du hast neulich nicht mal auf meine Nachricht reagiert. Vielleicht brauchst du einen kleinen Anstoß, um dich an mich zu erinnern.«
David schwankte zwischen dem Wunsch, möglichst schnell ins Bett zu kommen, und dem Reiz, mit Alexander in die Scheune zu gehen, hin und her. Er war müde. Er hatte mit so vielen Menschen geredet. Er war den ganzen Abend über konzentriert und belagert gewesen. Doch je länger er den Winzersohn vor sich stehen sah, desto mehr sehnte er sich danach, in die Arme genommen zu werden. Also gab er sich einen Ruck.

»Zeigst du mir deine Arbeitsgeräte?«, fragte er schmunzelnd.

Alexander drückte sich von der Hauswand ab und schob David vor sich her. Er erzählte ihm von den besoffenen Jugendlichen, die an der Dorfkirche versucht hatten, Autos quer auf die Straße zu schieben. Was ihnen natürlich nicht gelungen war, weil sie sich kaum auf den Beinen halten konnten. David spürte Alexanders Hände auf seinem Rücken und bemerkte dessen angetrunkenen Gang. An der nächsten Kreuzung mussten sie abbiegen, um zum Winzerhof zu kommen, und Alexander hielt an und küsste ihn. Er drückte ihn gegen eine Hecke, in die sie beinahe hinein stürzten. Im letzten Moment bewahrte David sie davor. Er griff Alexanders Hand und zog ihn entschlossen hinter sich her.
Trotz des Frühlingsfestes trafen sie auf den Straßen keine Menschen mehr. Ländliche Sille hatte sich über allem ausgebreitet, der Himmel war klar und nur aus der Ortsmitte waren noch vage ein paar Stimmen zu hören.
Auch David hatte in der letzten halben Stunde seines Dienstes etwas mehr Bier getrunken, als er während er Arbeit hätte trinken sollen. Aber er hatte das gebraucht. Julian war immer wieder durch sein Hirn gegeistert und er wollte die Gedanken an ihn einfach nur noch loswerden. Während er jetzt Alexander hinter sich herzog und sie nur hin und wieder ein paar Worte wechselten, kamen die lästigen Erinnerungen wieder zurück. Was hatte er, David, sich bloß dabei gedacht, diesem Jungen aus dem Internat nachzuhängen? Veronika hatte vollkommen recht gehabt: Er hätte schon viel früher aufräumen sollen. Nicht erst jetzt. Er hätte sich einfach mit Julian treffen sollen, um mit ihm zu reden. Stattdessen hatte er sich in eine Fantasie reingesteigert, durch die er die Realitäten vollkommen aus den Augen verloren hatte.
»Was beschäftigt dich?«, fragte Alexander, der sich jetzt nicht mehr ziehen ließ, sondern neben ihm her ging. »Bist du einfach nur müde oder ist heute Abend irgendwas passiert?«
David hatte ihm nie von Julian erzählt und wollte jetzt auch nicht mehr damit anfangen. Das Thema war gegessen. Er wollte sich auf das Leben konzentrieren, statt sich wieder in seinen Gedankenspielen zu verirren.
»Kennst du Sid?«, fragte er also, um seine wahren Gedanken für sich zu behalten.
Alexander lachte laut auf. »Du meinst Georg Graf von Lehengrund zu Schallenberg? Den Knaben, der hier seit drei Wochen hechelnd durch die Gegend und mit jedem anzubändeln versucht, der unter fünfundzwanzig ist?«
David fühlte sich in seinem Urteil über Sid bestätigt. Auf unbestimmte Art hatte er das Gefühl gehabt, dass Sid gar nicht ihn speziell gemeint hatte, als er mit ihm geflirtet hatte, sondern dass er lediglich als Blitzableiter für unerfüllte Begehren herhalten musste.
»Eckt der damit nicht bei den Jungs hier an?«, fragte er. »Die haben bislang nicht den Eindruck auf mich gemacht, mit schwulen Männern besonders tolerant umzugehen.«
Alexander legte seinen Arm kumpelhaft um Davids Schultern und stützte sich ein wenig bei ihm ab.
»Offenbar gibt es Menschen, die sich das leisten können. Geld hat eine euphorisierende Wirkung.«
Erstaunt hielt David an. »Willst du mir erzählen, dass sich jemand darauf eingelassen hat?«
Taumelnd blieb Alexander vor ihm stehen. »Er sieht doch ganz sexy aus.«
»Hast du ihm das Versteck in deiner Scheune gezeigt?«
Bis gerade war David davon ausgegangen, dass er als einziger eine Ahnung von Alexanders Rückzugsraum und damit auch von seinen sexuellen Vorlieben habe.

»Bist du etwa eifersüchtig?«, lachte Alexander.

Er sah David im schwachen Licht der Straßenlaternen tief in die Augen. Dann trat er auf ihn zu und küsste ihn. Als er sich von ihm löste, sagte er: »Ich würde mich niemals auf diesen Jungen einlassen. Der ist viel zu jung für mich.«
Auch wenn David Alexanders Küsse mochte, wollte er dabei nicht an einen anderen denken und drückte ihn sanft von sich fort.
»Er wird in den nächsten Tagen einundzwanzig«, sagte er. »Damit ist er sogar älter als ich.«
»Dann hast du also mit ihm gesprochen und ihn ausgequetscht?«
David fasste wieder nach Alexanders Hand und sie gingen weiter.
»Er war vorhin am Bierausschank. Und wir haben kurz miteinander geredet. Aber dass er Geburtstag hat, weiß ich, weil er groß feiern wird. Konrad hat mir die Aufgabe zugeschoben, das Catering zu organisieren.«
Einen Moment trabte Alexander schweigsam neben ihm her. Ein Auto kam ihnen entgegen und sofort lösten sie ihre Hände voneinander.
»Einundzwanzig?«, fragte Alexander, als das Auto vorbeigefahren war. »Er wirkt deutlich jünger.«
»Vielleicht kommt das vom vielen Geld«, scherzte David.
»Die Leute erzählen ziemlich viele Geschichten über den Jungen. Er hat angeblich bis vor Kurzem bei seiner Tante, einer Schwester des Grafen, in London gelebt und soll da exzessiv durch die Klubs gezogen sein. Deshalb ist er hierhergeschickt worden. Aber er will sich offenbar nicht beugen und versucht, hier in der Provinz sein Londoner Leben weiterzuführen.«
»Irgendwie wirkte er ganz handzahm, als er vorhin bei mir an der Theke war.«
»Dann hat er dich also mit seinem Charme rumgekriegt?«
»Ich fand ihn ganz nett. Aber auch ein bisschen arrogant.«
Sie hatten den Hof erreicht und Alexander legte David einen Finger auf die Lippen. Ab hier mussten sie leise sein, weil Alexanders Mutter nie tief schlief und wenn sie ihr Geheimnis bewahren wollten, dann sollten sie verhindern, erwischt zu werden. Alexander blickte an der Fassade des Hauses hoch. Alle Fenster waren dunkel. Also zog er David hinter sich her über den Hof bis zur Scheune. Er drückte das Tor vorsichtig auf, um die Scharniere nicht zum Quietschen zu bringen, und David kicherte, als sie doch einen hellen Ton von sich gaben. Schnell zog Alexander ihn in die Dunkelheit und schloss das Tor wieder.

Wie beim ersten Mal standen sie zwischen den Treckern und Landmaschinen.

Die Wand mit den aufgestapelten Heuballen war links vage zu erahnen. Langsam gewöhnten sich Davids Augen an das fahle Licht. Alexander ging mit unsicheren Schritten auf das Heu zu, drehte sich um, als er sie erreichte und sah David herausfordernd an. Er zog sich das Hemd über den Kopf, stieg aus seinen Schuhen, schlüpfte aus Jeans und Boxershorts und stand nackt im schwachen Licht, das von einer der Lampen im Hof durch die Ritzen der Scheune zu ihnen hereinfiel.
Langsam trat David auf ihn zu. Er begutachtete den wohlgeformten Oberkörper, der registrierte die steil aufgerichtete Latte zwischen den muskulösen Beinen und mit einem Mal ärgerte er sich, diesen Mann in der letzten Zeit links liegengelassen zu haben.
Alexander lächelte verführerisch, als David bei ihm ankam. Er schob seine schwieligen Hände unter dessen Shirt, strich zart über Davids Haut und befreite ihn dann von dem überflüssigen Stoff. Davids Schwanz hatte sich in rekordverdächtiger Geschwindigkeit versteift und drückte von innen gegen die Hosen. Sanft legte Alexander eine Hand auf die Erektion. Er drückte seine Lippen auf die von David und forderte ungeduldig Einlass. Als David seinen Mund leicht öffnete, schmeckte er den Wein, er roch den Schweiß, gemischt mit dem Duft von Alexanders Shampoo, und griff mit seinen Händen nach dem knackigen Hintern. Sie drückten sich aneinander und bewegten die Hüften rhythmisch vor und zurück.
Schließlich entfernte sich Alexander ein paar Zentimeter von David, um sich an dessen Hosenknöpfen zu schaffen zu machen. Er knöpfte die Hose langsam auf, schob sie zusammen mit den Shorts runter und versenkte Davids Schwanz tief in seinem Mund. Ein Schauer des Wohlbefindens durchfuhr David. Er spürte die Lippen an seiner Eichel, stieß in den feuchten Rachen und fühlte die kräftigen Hände auf seinen Arschbacken. David stöhnte. Wieder und wieder bewegte sich Alexander an seiner Erektion auf und ab und trieb seine Lust konsequent auf den Höhepunkt zu.
David legte seine Hände auf Alexanders Kopf und drückte ihm sein Becken entgegen. Sie waren schon oft genug in dieser Scheune gewesen, um die gegenseitigen Vorlieben gut zu kennen. Und David wussten, wie sehr Alexander es liebte, seinen Schwanz im Mund zu haben. Er brauchte sich keine Gedanken darüber zu machen, dass einer von ihnen zu kurz kam. Nicht hier. Nicht wenn es um sie beide ging.
Aus den Augenwinkeln sah David, dass sich Alexander mit einer Hand an den eigenen Schwanz fasste und ihn rieb. Er spürte sein Herz pulsieren. Seine Hoden zogen sich langsam zusammen und er wusste, dass er das nicht mehr lange aushielt.
»Ich komme gleich«, murmelte er, ohne die Bewegungen seines Beckens zu unterbrechen.
Alexander fuhr noch ein paarmal mit dem Mund an seinem Schwanz auf und ab, dann löste er sich von David und nahm dessen Erektion in beide Hände. Er wichste ihn immer schneller und David spannte sich an. Tief in ihm staute sich die Energie, konzentrierte sich einzig auf seinen Körper und seine Lust. Er sah nach unten und blickte in Alexanders Augen, die auf ihn gerichtet waren. Er lächelte. Er wichste.

Und dann explodierte David.

Er schleuderte sein Sperma aus sich heraus und stöhnte laut. Sein Becken zuckte und in seinem Gehirn schienen alle Synapsen eine Party zu feiern. Alexander bewegte seine Hände weiter auf und ab. Wieder ergoss sich David. Heiß schoss der Samen durch seine Erektion und spritzte aus der Eichel heraus. Die Handbewegungen wurden ruhiger, ohne dass sich Davids Lust verringerte. Er streckte noch einmal das Rückgrat durch und kam bebend. Als er sein letztes Feuer verschoss, sah er an sich herab. Alexanders Gesicht war feucht von Davids Lust. Und er lächelte immer noch.
David sackte langsam im Stroh zusammen. Diesmal hatten sie es noch nicht einmal bis in die Tiefe der Höhle unter den Ballen geschafft, wo sie sich sonst liebten. Alexander legte sich mit dem Rücken auf einen der Heuballen und griff sich zwischen die Beine. David hockte sich auf Alexanders Oberschenkel und schob dessen Händen zu Seite. Jetzt war er dran. Er griff nach dem festen Schwanz und hielt ihn eine Weile einfach nur fest. Er spürte die Schwellkörper zwischen seinen Fingern pulsieren und strich sanft mit einem Daumen über die Öffnung am Ende der Eichel. Glitschiger Samen sickerte heraus und machte die Bewegungen schlüpfriger. Dann begann David, die Erektion zu bearbeiten.
Erstaunlicherweise wurde er selbst dabei sofort wieder hart und ging dazu über, mit je einer Hand eine der Erektionen zu bearbeiten. Er rückte noch ein wenig nach oben und umschloss schließlich beide Schwänze mit einer Hand. Alexander hob einmal kurz den Kopf. Ihm schien zu gefallen, was er sah und was David tat, denn er ließ den Kopf langsam wieder auf das Stroh sinken und schloss die Augen.
Die beiden Erektion fühlten sich in Davids Hand perfekt an. Er spuckte sich in die Hand, um die Bewegungen gleitender zu machen, und steigerte allmählich die Geschwindigkeit. Wieder spürte er die Lust im gesamten Körper und schneller, als er erwartet hatte, kündigte sich die nächste Eruption an. In seinem Rücken begann es zu kribbeln. In diesem Moment zuckte Alexander zusammen und spritzte seinen Saft in einer hohen Fontäne aus sich heraus. Und als er den zweiten Schub aus sich herausschleuderte, kam auch David erneut. Sie ejakulierten gemeinsam in zuckenden Bewegungen. David schloss die Augen und bestand für einen Augenblick nur noch aus Lust.
Als es vorbei war, ließ er sich neben Alexander auf den Heuballen sinken. Die Halme stachen ihn in die Seiten, doch das störte ihn nicht. Er strich über die behaarte Brust, verteilte ihrer beider Samen und schmiegte sich an die kräftigen Schultern neben sich. Alexander legte einen Arm um ihn und zog ihn nah zu sich heran. Eine Weile lagen sie so aneinandergeschmiegt und beinahe wäre David eingeschlafen.
»David?«, hörte er Alexander neben sich.
»Hmmm.«
»Sei vorsichtig mit diesem Typen.«
David brauchte einen Moment, um etwas mehr Klarheit in seinem Kopf zu versammeln und zu verstehen, von wem Alexander sprach.

»Sid?«
»Der ist nicht ganz richtig im Kopf.«

David stützte sich auf einen Ellenbogen auf und sah Alexander schmunzelnd an.
»Jetzt bist du eifersüchtig.«
Alexander lachte leise. »Ich weiß, dass du immer zu mir zurückkommst.« Dann wurde er wieder ernst. »Dieser Junge hat viel Scheiße mitgemacht. Du weißt, dass er seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat, als er klein war?« David nickte. »Das ist zwar zwanzig Jahre her, aber das prägt einen Menschen. Er ist danach im Grunde von einem zum andern weitergereicht worden. Und er hat sich nie mit seinem Schicksal abgefunden.«
»Woher weißt du das alles?«
»Ich habe mein ganzes Leben hier im Dorf verbracht. Und ich erinnere mich an die Zeit, bevor er nach London geschickt wurde. Er hat draußen beim Grafen auf dem Gutshof gewohnt. Ich habe manchmal mit ihm gespielt.«
»Dann weißt du also doch, wie alt er ist!«
»Ich hatte das einfach vergessen. Aber gerade sind mir Situationen von damals wieder eingefallen. Ständig hat er irgendjemanden gequält. Andere Kinder, seine Kindermädchen, seinen Onkel. Und wenn kein Mensch da war, dann hat er Tiere gequält.«
»Aber das ist doch alles ewig her.«
Alexander nickte. »Ich wollte dir das trotzdem sagen.«
David lächelte. »Mach dir keine Sorgen. Ich laufe dir nicht weg.«
Mit ernstem Blick sah Alexander ihm in die Augen. David sah, dass er mit irgendwas haderte. Und er kannte ihn. Also wartete er geduldig ab, bis Alexander den Mund aufmachte.
»Ich habe in den letzten Wochen manchmal darüber nachgedacht, wie es wäre, richtig mit dir zusammen zu sein.« Er strich David zärtlich über den Rücken. »Und ich weiß, wie sehr du dich nach einer festen Beziehung sehnst.« Er machte eine Pause. »Wenn du das möchtest, dann können wir das versuchen.«
David schossen die Gedanken chaotisch durchs Hirn. Wollte er das? Konnte er eine Beziehung mit einem Mann hier in der Provinz führen? Welche Konsequenzen würde das haben? Doch das führte alles schon viel zu weit. Er betrachtete Alexander. In gewisser Hinsicht liebte er ihn. Er liebte sein Gesicht und seinen Körper. Er liebte seinen Schwanz, den Sex und die Gespräche mit ihm. Aber er war nicht in ihn verliebt. Zumindest nicht so, dass er sein Leben mit ihm verbringen wollte. Und jetzt bot ihm Alexander genau das an.
»Willst du das denn?«, fragte David vorsichtig. »Willst du mit mir zusammen sein?« Er hob die Hände und malte Gänsefüßchen in die Luft. »Bis dass der Tod uns scheidet?«
»Ich wäre echt sehr traurig, wenn ich dich verlieren würde«, sagte Alexander. »Und ich möchte dir einfach eine Perspektive bieten. Vielleicht verändert sich unsere Gesellschaft ja und wir werden auch hier respektiert.«
David nickte verstehend. Aber das war nicht das, was er wissen wollte. Also musste er das anders angehen.
»Ich wäre auch traurig, wenn ich dich nicht mehr hätte. Es tut mir sehr leid, dass ich mich in der letzten Zeit so weit zurückgezogen habe. Ich musste ein paar Dinge für mich klären. Jetzt bin ich wieder da.« Er überlegte noch einmal, ob er das nächste wirklich sagen sollte. Doch dann wurde ihm klar, dass es nicht anders ging. »Ich mag es, mit dir im Stroh zu ficken, mit dir zu reden und dich in den Armen zu halten. Aber ich will keine Beziehung mit dir führen.«
Einen Moment lang war es still und sie sahen sich einfach nur an. Dann zeichnete sich ein breites Grinsen auf Alexanders Gesicht ab.
»Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, das zu hören«, sagte er. »Wenn es nach mir geht, brauchen wir nichts zu verändern. Alles ist gut so, wie es ist. Vorausgesetzt, du ziehst dich nicht wieder zurück.«
Sie lagen noch lange auf den Heuballen und verbrachten viel Zeit damit, die in den vergangenen Wochen verpasste körperliche Nähe nachzuholen. Sie rieben sich aneinander, sie brachten sich zur Ektase, sie lästerten über die Menschen aus dem Dorf. Erst als sich ein Sonnstrahl oben im Giebel der Scheune abzeichnete, zogen sie sich an. Unter seinem rechten Fuß knisterte etwas. Er wischte mit den Zehen im Stroh hin und her. Eine offene Kondomverpackung. Wie kam die denn hierhin? Er hatte mit Alexander nie Kondome gebraucht. Er schob den Gedanken zu Seite, als Alexander ihm einen letzten Kuss gab. Kurz darauf schlich David über einen zugewachsenen Pfad hinter der Scheune fort und fiel zehn Minuten später erschöpft in sein Bett.
Sowohl Julian als auch Sid hatten sich aus seinem Gehirn davongestohlen. Für immer, davon war David fest überzeugt. Er vergaß dabei jedoch, dass er am kommenden Wochenende die Feier für Sid organisieren würde.

© Stephan Meyer, Köln 2022 – Alle Rechte vorbehalten


Das war das zehnte Kapitel des Fortsetzungsromans Dorfidylle. Hast du Fehler gefunden? Ist irgendwas unlogisch? Schreib es mir unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Rückmeldungen.


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