Dorfidylle

Dorfidylle #12

Sid.

Zögernd folgte David Sids Aufforderung und trat wieder in die Eingangshalle des Schlosses. Und weil Sid ihm immer noch die Hand hinhielt, ergriff er sie unsicher. Die Handflächen schmiegten sich augenblicklich aneinander und David spürte das Kribbeln in seinem Arm so intensiv wie nie zuvor. Was tat er hier?

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Aber er kam nicht dazu, darüber nachzudenken, denn Sid zog ihn zu dem Gemälde, das David schon ein paar Stunden vorher bewundert hatte.
»Das Bild hat meine Mutter gekauft, als meine Oma noch lebte. Harald hat das Bild immer gehasst, weil es ihm zu modern ist. Er steht eher auf diese alten Schinken im Goldrahmen. Davon gibts hier im Haus massenweise.« Sie standen Hand in Hand eine Weile schweigend vor dem Bild. »Ich mag diese Leichtigkeit, die die Frauen ausstrahlen. Sie wirken wie Elfen.«
David räusperte sich, um sprechen zu können. »Wer hat das Bild gemalt?«
Sid lachte leise. »Ich habe keine Ahnung.« Er wandte David den Kopf zu. »Und ehrlich gesagt ist mir das auch völlig egal. Es erinnert mich an meine Mutter. Oder zumindest an all das, was ich mit ihr verbinde.« Traurigkeit mischte sich in seinen Blick. »Ich habe sie ja nie kennengelernt. Ich war damals ein Jahr alt. Alles, was ich von ihr weiß, stammt aus den Erzählungen meiner Verwandten. Und die sprechen nicht besonders positiv über sie.«
Hinter ihnen hüstelte jemand und David erschrak. Er rechnete schon damit, den Grafen wieder vor sich zu sehen. Als sie sich umdrehten, stand da jedoch nur Karl, der alte Hausdiener, und sah sie freundlich an.
»Soll ich die Tür schließen und die Lichter löschen?«, fragte er.
Sid nickte. »Vielen Dank! Ich hätte das sonst auch gleich selbst gemacht.«
»Brauchst du sonst noch irgendwas?«, fragte Karl weiter.
»Du kannst schlafen gehen. Wir kommen schon zurecht.«
Karl wandte sich mit einem »Gute Nacht« ab und ging auf die Tür zu. Er stockte aber auf dem Weg noch einmal und fragte über die Schulter zu ihnen hinüber: »Was machen wir mit Bella?«
»Wo ist sie?«, erkundigte sich Sid.
»Im kleinen Salon.«
»Ich lasse sie raus.«
Mit einem kurzen Nicken wandte sich Karl ab.
»Wer ist Bella?«, fragte David neugierig. »Hast du eine versteckte Schwester?«
Sid lachte. »Ich stelle sie dir vor. Komm!«
Er zog David von dem Bild weg auf eine der Türen zu, die tiefer in das Gutshaus hineinführten. Die Scharniere quietschten, als Sid die Tür aufdrückte und mit David einen düsteren Gang betrat. Hier hingen auch an der rechten Wand die Ölgemälde, von denen er vorher gesprochen hatte.
»Das sind alles Verwandte von mir«, berichtete er. »Aber ich habe keinen Bezug zu diesen Menschen.« Vor einem Bild stoppte er dann trotzdem. »Meine Oma.« Er zeigte auf das Bild daneben. »Und mein Opa. Die sind beide fünf Jahre vor meiner Geburt kurz hintereinander gestorben. Das sind die Einzigen, die ich gerne noch kennengelernt hätte. Außer meinen Eltern natürlich.«
Sie gingen weiter, an Bildern und Türen vorbei. Auf der linken Seite des Ganges reihten sich die Fenster der Hausfront auf. David war gespannt, was ihn erwartete. Hatte Sid tatsächlich eine Schwester? Und warum war die dann nicht bei der Feier gewesen? Irgendwie klang das schräg in seinen Ohren.
Vor einer Tür blieben sie stehen. Sid sah ihn grinsend an.
»Bist du bereit für Bella?«
»Ich denke schon.«
Sid klopfte sachte an die Tür, drückte die Klinke herunter und zog sie dann auf. Sofort stürzte ein riesiger Schatten aus dem dämmerigen Licht des Raumes. Ein Hund! David erschrak und stolperte zurück. Das Tier war riesig. David hatte noch nie einen so großen Hund gesehen. Ohne einen Ton von sich zu geben, umkreiste Bella Sid und schmiegte sich an ihn. Sie reichte ihm mit der Schnauze fast bis an die Brust, wenn sie zu ihm nach oben sah. Sid kraulte Bella im Nacken und zwischen den Ohren. Dem Tier schien das zu gefallen und es grollte leise vor sich hin. Bella hatte ziemlich struppiges, graues Fell und einen schmalen Körperbau. Die Bewegungen waren bedächtig und Bella schien trotz der enormen Größe ein ruhiges Tier zu sein. Dennoch wirkte sie ein wenig furchteinflößend, was vermutlich daran lag, dass sie wie ein zu groß geratener Wolf aussah. Deshalb wich David sofort ein paar Schritte zurück, als Bella sich plötzlich umwandte und langsam auf ihn zukam. Für einen direkten Kontakt fand er sie deutlich zu unheimlich.
»Bella!«, raunte Sid sofort. »Sitz!«
Augenblicklich setzte sich das Tier hin und betrachtete David eingehend. Das gab dem die Gelegenheit, Bellas Gesichtszüge wahrzunehmen. Sie war zwar groß und wirkte auf den ersten Blick schon fast furchterregend, aber ihre Augen strahlten reine Gutmütigkeit aus.
»Sie ist ein bisschen unterkuschelt«, sagte Sid lächelnd. »Karl ist heute Abend zwar ein paarmal bei ihr gewesen und hat sie auch einmal in den Park rausgelassen, aber eigentlich steht ihr in diesem Haus jede Tür offen.« Er trat neben die hechelnde Hündin. »Du kannst sie ruhig anfassen. Sie hat noch niemandem etwas getan.«
Als David langsam die Hand nach Bella ausstreckte, schob Sid nach: »Nur meine Tante hat sie mal in den Hals gebissen …« David stockte mitten in der Bewegung, doch dann lachte Sid wieder leise. »Das war ein Scherz.«
Nicht dass David das vollständig beruhigt hätte, aber trotzdem griff er in das Fell der Hündin. Es war weicher, als er gedacht hatte. Und Bella hielt es jetzt nicht mehr auf dem Hintern, sondern sie erhob sich und drückte den Kopf behutsam gegen seinen Oberschenkel.
»Was ist das für eine Rasse?«, fragte David, der sich langsam mit dem Tier anfreundete.
»Ein irischer Wolfshund. Eine der sanftesten Hunderassen. Und Bella ist die sanfteste von allen.« Sid blickte David in die Augen. »Sie schläft nachts in der Regel in meinem Bett.«
»Dein Bett muss riesig sein«, rutschte es David heraus.
»Ich kann es dir zeigen.«
David schoss die Hitze ins Gesicht. »Das wollte ich damit nicht sagen …«
Mit einem Lächeln auf den Lippen wandte sich Sid ab und schlenderte den Gang weiter hinunter. Bella richtete sofort den Fokus wieder auf Sid und trabte ihm hinterher. Etwas ratlos sah David den beiden nach, bevor er ihnen schließlich folgte.
Am Ende des Ganges führte eine weitere Treppe nach oben, die Sid nun mit Bella im Gefolge hinaufstieg. Bevor David die erste Stufe betrat, fragte er sich kurz, ob er wirklich Sids Schlafzimmer sehen wollte. Denn über den Ausgang dieser Tour durch das Schloss brauchte er nicht lange spekulieren. Er wischte den Gedanken zur Seite. Er wollte sich darauf einlassen, ganz egal, welche Konsequenzen das nach sich ziehen würde. Also stieg er die Stufen hoch.
Oben warteten Sid und Bella auf ihn. Wie in der Etage darunter erstreckte sich hier ein Gang mit Fenstern, die zur Vorderseite des Gebäudes hinausblickten. Allerdings waren hier die Bilder an den Wänden viel freundlicher als unten. Sid stellte sich an eines der Fenster und Bella setzte sich neben ihn auf den Boden. David trat neben die beiden. Unter ihnen lag der Vorplatz mit seinen Bäumen und Büschen, mit der bekiesten Auffahrt und dem Transporter mit der Aufschrift »Zum brüllenden Bullen«, den David eigentlich noch in der Nacht vor dem Hotel wieder abstellen sollte.
»Meine Eltern haben damals in diesem Trakt des Hauses mit mir gewohnt«, sagte Sid, während er Bella, die zwischen ihnen saß, den Kopf kraulte. »Drei Zimmer mit eigener Küche und großem Bad. Auf der anderen Seite in der gleichen Etage hat mein Onkel seinen Wohnbereich. Aber es gibt hier oben keinen direkten Durchgang.«
Nachdenklich blickte er aus dem Fenster. Nach einer Weile ließ er Bella los und legte seine Hand auf Davids. Angenehme Wärme strahlte von ihr ab.
»Dieser Unfall …«, sagte David zögernd, weil er nicht wusste, ob er mit Sid darüber sprechen sollte. »Was ist da passiert? Du hast deinem Onkel vorhin den Vorwurf gemacht, dass er Schuld daran war …«
Kurz zuckte Sids Hand, dann lag sie wieder ruhig auf Davids Haut.
»Mein Onkel hatte nichts damit zu tun«, sagte Sid. Er wandte sich David zu. »Meine Eltern waren bei Freunden auf einem Geburtstag. Mein Vater ist gefahren, meine Mutter saß neben ihm und meine schwangere Tante saß hinten. Die Frau von Harald.« Er schien einen Moment lang nachzudenken. »Eigentlich weiß bis heute niemand so richtig, was passiert ist. Vermutlich ist ihnen ein Auto entgegengekommen. Aber einen Beweis gibt es dafür nicht. Mein Vater ist offenbar ausgewichen und von der Straße abgekommen. Sie sind mit einem der Bäume auf der Allee kollidiert. Kennst du das Kreuz und die Blumen an der Landstraße?« David nickte. »Meine Eltern waren wahrscheinlich sofort tot. Meine Tante ist gestorben, kurz nachdem die Polizei angekommen war.«
Die Wärme war aus Sids Hand gewichen und hatte einer leicht feuchten Kühle Platz gemacht. David spürte einen unangenehmen Schauder seinen Rücken heraufwandern. Er schluckte. In Sids Augen erkannte er tiefe Trauer.
»Wo warst du?«, fragte David leise.
»Meine Eltern haben mich manchmal bei einer Frau im Dorf untergebracht, wenn sie verabredet waren. Sie hat auf mich aufgepasst.«
»Und dein Onkel?«
»Der war auf einer Geschäftsreise im Ausland. Das ist alles, was ich weiß.« Sid zuckte mit den Schultern. »Komm, ich zeige dir mein Reich.«
Er drückte sich von der Fensterbank ab und schritt auf die einzige Tür des Ganges zu. Er zog sie auf, rief leise nach Bella und die trottete sofort an ihm vorbei. Sid machte eine einladende Geste und David trat ein.
Im ersten Moment konnte er kaum etwas erkennen, doch dann drückte Sid auf den Lichtschalter und ein weitläufiger Raum erwachte von Davids Augen zum Leben. Ein opulentes Sofa, zwei Sessel und ein Couchtisch, links eine Wand mit Bücherregalen, eine Staffelei in der Ecke, in der anderen ein Klavier. Auf der Stirnseite führten drei Fenster nach hinten hinaus, vor denen bodenlange Gardinen hingen. Nach rechts und links führten jeweils zwei Türen ab. David sah sich neugierig um, während er den erwartungsvollen Blick von Sid auf sich spürte. Die Türen rechts führten in ein weiteres kleines Zimmer mit einem Schreibtisch und vielen Regalen, das ebenfalls zum Park ausgerichtet war, und in ein geräumiges Bad ohne Fenster. Links ging es in eine kleine Küche, deren Fenster zur Seite des Hauses ausgerichtet war und in ein Schlafzimmer mit Fenstern sowohl nach hinten als auch seitlich. Tatsächlich dominierte ein riesiges Bett den Raum. David fühlte sich in dieser Wohnung sofort wohl. Die Einrichtung war nach seinem Geschmack und hochwertig, die Farben der Möbel, der Wände und Böden hell. David konnte sich sofort vorstellen, in diesen Räumen zu leben. Als er sich bei diesem Gedanken erwischte, lächelte er kurz.
»Dir scheint es hier zu gefallen«, sagte Sid grinsend. »Herzlich willkommen!«
»Der Stil deiner Räume unterscheidet sich deutlich vom Rest des Hauses.«
»Das ist weitgehend noch die Einrichtung meiner Eltern. Als sie gestorben waren, habe ich hier mit wechselnden Kindermädchen gelebt.« Er wies auf das Arbeitszimmer. »Die hatten da ihre eigene Kammer und mir gehörte der Rest. Etwas dekadent, finde ich.«
»War das die Frau, bei der du am Abend des Unfalls warst?«
Sid schüttelte den Kopf. »Die ist wohl kurz nach dem Unfall weggezogen.«
David wandelte durch das Wohnzimmer und blieb vor der Bücherwand stehen, die zwar von den zwei Türen zu Küche und Schlafzimmer unterbrochen, aber elegant um diese herumgebaut war. Er las einige der Titel, doch die meisten Bücher waren auf Englisch, ein paar auf Französisch, nur wenig deutsche waren darunter.
»Ich dachte eigentlich, dass du in London aufgewachsen bist«, sagte er schließlich.
Sid schnaubte durch die Nase. »Ich bin meinem Onkel offenbar jahrelang zur Last gefallen«, sagte er und setzte sich auf das Sofa. »Stell dir mal vor: Deine Eltern kommen bei einem Unfall ums Leben, dein Onkel nimmt dich zwar auf, kann aber im Grunde nichts mit Kindern anfangen. Die Kindermädchen haben ständig gewechselt. Mal waren es Au-pairs, dann irgendwelche Frauen aus den umliegenden Dörfern. Mich hat nicht interessiert, was mit ihnen passierte. Also habe ich mir alles erlaubt, was mir in den Kopf kam. Als ich zehn war, hat es meinem Onkel gereicht. Er hat mich zu seiner Schwester nach London geflogen und bei ihr abgeladen. Er ist noch am gleichen Tag wieder abgereist. Und meine Tante hat mich sofort in ein Internat gesteckt, weil sie mit mir auch überfordert war.«
»Dann hat deine Mutter also zwei Geschwister?«
»Eine Schwester in London und einen Bruder hier.«
»Warum bist du nicht England geblieben?«
»Schottland. Da war zumindest das Internat. Ich hab vor zwei Jahren das Abi gemacht und bin dann tatsächlich erst mal zu meiner Tante nach London gezogen. Aber die hatte ein Problem damit, dass ich nur Party gemacht habe. Also hat sie mich zurückgeschickt.«
»Aber du hättest doch trotzdem in London bleiben können. Du bist ja schließlich erwachsen.«
»Alles, was du hier siehst, gehört meinem Onkel. Ich selbst habe fast nichts. Meine Mutter hat nur ein bisschen Schmuck geerbt und den will ich nicht verkaufen. Damit käme ich auch nicht weit. Also war es das Einfachste, erst mal hierher zurückzukehren.«
Sid blickte nachdenklich zu David herüber. Der lehnte sich an das Bücherregal hinter sich. Zum ersten Mal verstand er Sid richtig. Das hörte sich alles ziemlich beschissen an. Immer hin und hergereicht zu werden, wechselnde Kindermädchen, keine festen Bezugspersonen und dann auch noch das Internat. Ihm huschte kurz eine Erinnerung an Julian durch den Kopf. Dem schien es im Internat ja recht gut zu gehen. Zumindest hatte er neulich keinen völlig unzufriedenen Eindruck gemacht.
David erhob sich vom Sofa und legte sein schillerndes Jackett ab, das er die ganze Zeit noch getragen hatte. David lächelte, als Sid es über die Rückenlehne eines der Sessel legte. Sid bemerkte seine Reaktion und grinste ebenfalls.
»Das hat meinen Onkel ziemlich geärgert«, sagte er.
»Magst du deinen Onkel nicht?«
»Doch, ich mag ihn schon. Ich habe nur keine besonders emotionale Bindung zu ihm. Und ich will seinen Ansprüchen einfach nicht ständig genügen. Ich will lieber mein eigenes Leben leben.«
Als Sid jetzt näher kam, bemerkte David, dass er bei der Arbeit heute Abend ziemlich geschwitzt hatte und nach Schweiß roch. Sid trat auf ihn zu und legte seine Hände auf Davids Hüften. Von ihm ging wieder der wohlige Geruch seines Parfums aus. Leicht vermischt mit einem vagen Duft nach Nelken.
Sid sah ihm direkt in die Augen. Dann näherte er sich ihm weiter und legte seine Lippen auf Davids Mund. Ein durchdringendes, angenehmes Kribbeln durchflutete David sofort von den Zehenspitzen bis in die Kopfhaut. Er öffnete seinen Mund und schob seine Zunge zwischen Sids Lippen. Sein Schwanz zuckte erwartungsvoll vor sich hin. Sie küssten sich lange und Sid drückte sein Becken an Davids Leiste, wo sich ziemlich schnell eine feste Erektion gebildet hatte.
Dann löste sich Sid langsam wieder von ihm und blicke ihn liebevoll an.
»Ich springe mal schnell unter die Dusche«, sagte er und strich David über die Wange. »Wenn du willst, dann kannst du auch duschen.«
David nickte. Das war wohl wirklich nötig.
Bevor er etwas sagen konnte, wandte sich Sid um, zog sich das Hemd über den Kopf, löste die Schleifen in den Schuhen, stieg hüpfend aus Hose und Socken und ließ die Shorts nach unten rutschen. Hinter ihm ahmte eine Spur aus Kleidung seinen Weg nach und die letzten zwei Meter bis zum Badezimmer legte er vollständig nackt zurück. David bewunderte den schlanken Körper mit den beiden Lendengrübchen und dem schmalen Hintern. Dann verschluckte das Bad den Anblick und David seufzte. Als das Rauschen der Dusche einsetzte, sackte er müde aufs Sofa, zog sein Handy aus der Hosentasche und checkte seine Nachrichten. Tomas hatte vor Stunden gefragt, ob sie morgen zocken wollten. Seine Mutter hatte sich erkundigt, wann er nach Hause komme. Und Kevin wollte wissen, wann er endlich mal wieder beim Training auftauchen würde. David schrieb erst mal nur seiner Mutter, damit sie sich keine Sorgen machte. Er teilte ihr mit, dass er bei einer Kollegin übernachten würde. Die anderen mussten bis morgen auf eine Antwort warten.
Die Dusche rauschte noch einen Moment, dann wurde sie abgestellt. Kurz darauf erschien Sid wieder in der Badezimmertür. Er rubbelte sich mit dem Handtuch die Haare trocken und war ansonsten nackt. David betrachtete ihn und ließ den Blick über den noch feuchten Körper wandern. Sids Bauch war flach, aber nicht übermäßig trainiert, seine Brust war nur leicht ausgeprägt und glatt, wirkte jedoch nicht rasiert. Die Schamhaare waren ordentlich gestutzt und der Schwanz leicht erigiert. Sid kam ein paar Schritte auf David zu, lächelte und warf ihm ein sauberes Handtuch zu.
Also legte David das Handy zur Seite und drückte sich vom Sofa hoch. Sid strich im Vorbeigehen wie zufällig kurz über Davids Oberarm und steuerte dann das Schlafzimmer an. David überlegte, ob er ihn nach frischen Boxershorts fragen sollte, verwarf die Frage dann aber sofort und machte sich auf den Weg ins Bad.
Das heiße Wasser der Dusche tat gut. Er seifte sich gründlich ein, um den Geruch der Arbeit und vor allem den Schweiß loszuwerden. Sein Schwanz regte sich wieder und schien sich auf das zu freuen, was vor ihnen lag. David beeilte sich nicht, sondern genoss den ersten Moment seit Stunden, in dem er ein paar Minuten für sich ganz allein hatte.
Sid lag nackt auf dem Bett und hatte David den blanken Hintern zugekehrt, als der das Schlafzimmer betrat. In seinen Händen hielt Sid sein Handy, checkte irgendwas bei Instagram, schaltete das Gerät aber sofort ab und legte es auf einer Kommode neben dem Bett ab, als David hinter ihn trat. Er verschränkte die Arme unter seinem Kinn und wandte David den Kopf seitlich zu. Bei dem reckte sich angesichts des nackten Mannes vor sich der Schwanz augenblicklich in die Höhe. Ein Moment der Scham wallte ihn ihm auf, denn Sid starrte die Erektion unverhohlen an. Schnell warf sich David neben Sid aufs Bett.
Er spürte die Wärme des nackten Körpers neben sich, er roch den Duft nach Shampoo und Duschgel. Und wieder ein Hauch von Nelken. Das schien Sids ganz eigener Körpergeruch zu sein. Er platzierte seine Arme so wie Sid unter dem Kinn und sie sahen sich an. Sids Mund umspielte ein zartes Lächeln. Er streckte eine Hand aus und wischte sanft über die empfindliche Hautpartie direkt unter Davids Auge.
»Ein Wimper«, flüsterte er und pustete sie von seinem Finger.
»Du musst dir was wünschen«, erwiderte David.
»Hab ich getan.«
»Was hast du dir gewünscht?«
»Das darf ich nicht sagen, sonst gehts nicht in Erfüllung.«
Sids Finger strich jetzt über Davids Augenbrauen, an seinen Ohren entlang, er schob eine Haarsträhne zur Seite und wanderte über den Hals bis zu Davids Schultern.
»Du bist anders als die anderen Jungs hier aus der Gegend«, sagte Sid. »Nicht so plump und emotionslos.«
»Ich habe bis vor zwei Jahren in Berlin gelebt«, antwortete David. »Aber ich weiß nicht, ob das emotionaler macht.«
Sid lachte leise. »Ich würde dich gerne streicheln. Überall. Darf ich?«
Davids Erektion drückte sich tief in die Matratze, als er nickte. Ja, das wollte er auf jeden Fall.
Also ließ Sid seine Hände über Davids Körper wandern. Er begann an den Schultern und Armen, erforschte den Rücken und die Seiten. Nach einer Weile erreichte er den Hintern, legte sich dann auf die Seite, um besser an David heranzukommen, reckte ihm dabei die Erektion entgegen, die David sanft berührte. Sid richtete sich halb auf, strich über die Oberschenkel, kehrte dann zum Po zurück und fuhr langsam in die Ritze. David öffnete seine Beine leicht und Sid tauchte dazwischen ein. Er erreichte die Rosette, die sich bei der Berührung sofort verkrampfte. Doch als Sid keine Anstalten machte, in sie einzudringen, sondern sie lediglich sanft mit den Fingern berührte, entspannte sich David wieder. Er schloss die Augen und gab ein paar wohlige Töne von sich.
Sid arbeitete sich allmählich wieder an Davids Körper aufwärts, fuhr ihm mit gespreizten Fingern von hinten durch die feuchten Haare, wanderte erneut über jeden Zentimeter Haut wieder herab bis zu den Kniekehlen, den Waden und den Füßen. David war noch nie so ausgiebig erforscht worden und genoss jede Sekunde. Immer wieder stellten sich seine Haare auf den Unterarmen auf, wenn Sid eine besonders empfindliche Stelle berührte.
Als Sid wieder an Davids Kopf angekommen war, drückte er sich von der Matratze hoch und legten sich auf Davids Rücken. Der fühlte die warme Haut auf seiner ganzen Rückseite, der spürte das Gewicht von Sids Körper, ein neuer Schauer durchlief ihn, als Sid seinen Schwanz zwischen seine Beine schob. Sid legte seine Lippen an Davids Ohrmuschel und sein Atem ließ diesen erzittern. Ganz langsam bewegte Sid sein Becken auf und ab. Seine Erektion drückte sich tief zwischen Davids Beine.
»Und jetzt die andere Seite?«, flüsterte Sid ihm ins Ohr.
Er verlagerte sein Gewicht ein wenig zur Seite, sodass sich David umdrehen konnte. Sein Schwanz reckte sich nach oben. Sid legte sich neben ihn und begann das gleiche Ritual, das er gerade an Davids Rücken durchgeführt hatte, nun im Gesicht, wanderte über den Hals und die Brust zum Bauch. Er umkreiste mit einem Finger den Bauchnabel, versenkte danach alle Finger in den gestutzten Haaren der Scham, umging die Erektion verführerisch langsam. Sids Finger strichen über die Schenkel und die Knie. Dann wanderten sie wieder aufwärts. Diesmal strichen sie zart über die Hoden, ließen sie den Schwanz nicht aus, sondern glitten über und den Schaft, bis sie die freiliegende Eichel erreichten. David stöhnte vor Begehren. Immer wieder glitt der Finger um den Rand der Eichel, strich über die Öffnung. Und dann schloss sich die Hand um die Erektion.
David streckte nun ebenfalls die Hand aus und ertastete Sids Schwanz, der warm pulsierte. Sid seufzte genüsslich. Mit langsamen Bewegungen begannen sie, sich gegenseitig zu befriedigen. Sie sahen sich an und wandten den Blick nicht ein einziges Mal ab. Mit jeder Minute wurden sie schneller und der Atem hektischer. David spürte es unter seinen Finger glitschig werden. Auch er selbst sonderte ein paar Lusttropfen ab. Und das Verlangen durchströmte ihn immer intensiver. Er merkte, dass er es nicht mehr lange aushielt.
»Ich komme gleich«, murmelte er erhitzt.
»Dann knie dich über mich«, flüsterte Sid. »Ich will, dass du auf mir kommst.«
David drückte sich hoch und setzte ein Bein zwischen Sids Knien ab. Er beugte sich vor, stützte sich mit einer Hand ab und umfasste beide Schwänze mit der anderen. Sid schob sein Becken nach oben. Ein dünner Schweißfilm bildete sich auf seiner Brust und seiner Stirn. Er war auch bald so weit.
David erhöhte das Tempo und rieb die beiden Erektionen aneinander. Wieder drückte Sid sein Becken in die Höhe. In David staute sich die Energie und er hielt den Atem an. Sid explodierte eine Sekunde vor ihm. Sein Schwanz zuckte und spritzte den Samen aus sich heraus. David spürte im gleichen Moment jeden Millimeter seines eigenen Samenleiters, als sein Sperma durch ihn hindurch schoss und in einer langen Fontäne aus seinem Schwanz heraus spritzte. Mit verkrampftem Köper wichste er weiter, abwechselnd ergossen sie sich auf Sids Brust und Bauch, bis die Eruptionen abebbten.
David hielt die immer noch steifen Schwänze in der Hand. Weiterhin floss in kleinen Konvulsionen Samen aus ihren Spitzen. Und immer noch flatterte sein Herz aufgeregt. Sid hatte die Augen nicht eine Sekunde geschlossen und sah ihn mit entrückten Gesichtszügen an. Die Haut seiner Wangen war gerötet. Auf seiner Brust vermischte sich ihr Sperma zu einem gemeinsamen See.
Vorsichtig löste David seine Hand von den langsam weicher werdenden Erektionen und senkte sich zu einem Kuss auf den Mann unter sich herab. Er ertastete die Lippen, schmeckte die Zunge und die abebbende Lust. Er legte seinen Oberkörper auf Sid ab und spürte den Samen auf seiner heißen Haut. Sid schloss seine Arme um David und drückte ihn zärtlich an sich.
Sie lagen noch lange wach und redeten leise miteinander. Sie strichen sich mit den Fingern über die weiche Haut und entdeckten die empfindlichen und die lustvollen Orte. Irgendwann schliefen sie ein.
David träumte von Julian. Er war plötzlich wieder mit ihm allein in Schweden, wo sie sich kennengelernt hatten. Doch Julian wich immer weiter vor ihm zurück. Was auch immer David tat, alles entfernte ihn immer weiter von Julian. Jeder Schritt, den er auf ihn zu machte, schien die Distanz zu vergrößern. David rief nach ihm, er bettelte und begann irgendwann, über den immer länger werdenden Steg hinter ihm her zu laufen. Aber er erreichte ihn einfach nicht. Entmutigt blieb er stehen, sah Julian nach, begann zu weinen. Er spürte die Tränen, die sein Gesicht benässten. Doch da war auch noch etwas anderes, nasses, das ihm wie ein Waschlappen durch das Gesicht fuhr.
Erschrocken fuhr David auf.

© Stephan Meyer, Köln 2022 – Alle Rechte vorbehalten


Das war das zwölfte Kapitel des Fortsetzungsromans Dorfidylle. Hast du Fehler gefunden? Ist irgendwas unlogisch? Schreib es mir unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Rückmeldungen.


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