Dorfidylle

Dorfidylle #18

Frühstück.

Wieder einmal ein Samstag Morgen. Wieder einmal Frühstück für die Gäste vorbereiten. Mittlerweile machte David das allein, die Handgriffe beherrschte er im Schlaf. Er hatte sich angewöhnt, als Erstes zum Bäcker zu gehen, denn da hatte er die Möglichkeit, mit einem Menschen zu sprechen, der noch früher auf den Beinen sein musste, meist bekam er auch einen Kaffee in die Hand gedrückt und konnte dann auf dem Weg zum Hotel aufwachen.
Um kurz nach sechs drückte er also auch heute den Seiteneingang zur Küche auf, legte die Tüte mit den Brötchen auf die Ablage, schlenderte kurz zum Empfang hinüber. David lachte, als er Timo mit müden Augen hinter dem Tresen hocken und auf seinem Handy daddeln sah. Er hatte ihn seit seinem ersten Tag, als sich Timo lauthals mit dem Chef gestritten hatte, nicht mehr gesehen.

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»Hat er dich also nicht vor die Tür gesetzt?«, erkundigte sich David.
Timo hob den Kopf und grinste.
»Konrad kann gar nicht ohne mich. Auch wenn du versuchst, mir meinen Platz hier streitig zu machen.«
Sie klatschten sich ab und David fragte, ob er frühstücken wollte. Timo nickte und folgte ihm in die Küche. Die Tür zum Eingangsbereich ließen sie offenstehen, damit sie mitbekamen, wenn einer der Gäste etwas wollte.
»Ich hatte nicht vor, dich zu vertreiben«, sagte David, als er den Aufschnitt auf den Platten drapierte. »Allerdings warst du vor vier Wochen so sauer, dass ich nicht daran geglaubt habe, dich hier noch mal wiederzusehen.«
»Ich war drei Wochen im Urlaub. Spanien. Wasser, Strand, Sonne. Ich bin nahtlos braun.«
Er zog sein T-Shirt ein Stück hoch und zeigte seinen flachen Bauch. David wurde rot, nickte anerkennend und wandte sich dann der Kaffeemaschine zu, die keine Unterstützung brauchte. Hinter ihm amüsierte sich Timo.
»Ich hab schon gehört, dass du dich vor dem halben Dorf geoutet hast«, sagte Timo. David erstarrte mitten in der Bewegung. »Und dass du auf die etwas wohlhabenderen Menschen hier in der Gegend stehst.«
»Wer hat das denn erzählt?«, fragte David und schob Timo missmutig zur Seite, um das Obst schneiden zu können.
»Ist dir das peinlich? Wir sind gar nicht so wenige hier in der Gegend.«
Hatte er das richtig gehört?
»Wir?«
»Ach komm, David, tu doch nicht so unschuldig.«
David grunzte unspezifisch. Was sollte er dazu jetzt noch sagen? Offenbar schienen sich die Geschichten hier im Dorf schneller rumzusprechen, als er geglaubt hatte.
»Wer denn noch?«, fragte David also.
Timo lehnte an der Anrichte und gähnte.
»Von Sid habe ich eine Menge gehört. Aber der ist ja offenbar nur an dir interessiert.«
David schüttelte den Kopf.
»Mitnichten. Der steht unter dem Pantoffel seines Onkels.«
»Davon hab ich auch schon gehört. Aber gestern hat ein ziemlich attraktiver Gast eingecheckt. Allein. Keine Ahnung, was der hier macht. Der kam ziemlich spät an und bleibt bis Montag. Ich könnte wetten, dass der gay ist.«
David schüttelte den Kopf. »Du hast doch nicht vor, mit einem Gast was anzufangen.«
»Ich falle gleich in mein Bett, wenn Alina mich ablöst, und heute Nachmittag fahre ich zu meiner Tante nach München. Ich bin dann erst Montag Abend wieder hier. Du hast also freie Bahn.«
»Ich habe aber gar kein Interesse«, murrte David, dem das Gespräch deutlich zu weit ging.
»Ach, und dann ist da natürlich noch Alex …«
Erneut erstarrte David. Langsam drehte er sich zu Timo herum.

»Alexander? Woher weißt du denn von ihm?«

Timo drückte sich belustigt von der Anrichte ab, weil Alina gerade an den Empfangstresen getreten war und energisch auf die kleine Glocke schlug. Sie grinste leicht verschlafen in die Küche herüber.
»Jungs, ihr seid zum Arbeiten hier, nicht zum Quatschen!«, rief sie halblaut und umrundet dann den Tresen, um die beiden zu begrüßen.
Sprachlos starrte David hinter Timo her, der sich seine Sachen schnappte, kurz winkte und dann das Hotel durch den Haupteingang verließ. David unterdrückte den Impuls, ihm nachzulaufen und auszuquetschen, was er von Alexander wusste. Ihm fiel die Kondomverpackung ein, die er beim letzten Treffen mit Alexander im Stroh gefunden hatte. War Timo etwa auch bei ihm gewesen? Hatten die beiden Sex gehabt? Irgendwie hatte David immer geglaubt, er wisse als Einziger von Alexander und er sei auch der Einzige, der die Geheimnisse der Scheune kenne. Eine kleine Spur der Enttäuschung zog sich durch seinen Bauch.
Zum Frühstück kamen um kurz nach sieben zwei klassische Männer der Gattung Vertreter, schütteten Kaffee in sich hinein, verschmähten das säuberlich geschnittene Obst und waren nach einer Viertelstunde wieder verschwunden. Keiner der beiden passte zu Timos Beschreibung des attraktiven Kerls. Also musste es noch einen Gast im Hotel geben. Alina hatte mit einem der beiden Vertreter noch länger zu tun, weil er sich über irgendwas beschwerte. David hielt sich zurück. Alina würde sich schon melden, wenn sie seine Unterstützung brauchte.
Dann passierte lange nichts. Der Käse wellte sich langsam auf den Platten. Das Obst wechselte allmählich seine Farbe in Richtung Braun. Halb zehn rückte schließlich immer näher, dann würde David die Reste des Frühstücks abräumen. Wer bis dann nicht im Gastraum aufgeschlagen war, hatte Pech gehabt.
Gerade wollte er Alina fragen, ob wirklich noch ein Gast im Haus war, als er die Holzstufen knarren hörte. David hob den Blick und ein Mann schlich herein. Er war etwa Mitte zwanzig und so wie Timo gesagt hatte, war er tatsächlich ziemlich gut aussehend. Halblange, vom Duschen noch feuchte Haare, die ihm in die Augen fielen, ein schmaler Körper, verschlafene Augen. Er grüßte, sah sich um und kam dann auf David zu.
»Guten Morgen«, sagte er und klimperte mit den Augen. »Ich bin ziemlich spät dran. Kriege ich noch einen Kaffee?«
»Selbstverständlich«, antwortete David. »Mit Milch und Zucker?«
»Schwarz, bitte.«
Er drehte sich erst ein wenig zögerlich im Kreis, steuerte dann jedoch das Frühstücksbuffet an und bediente sich an Obst und Joghurt. Mit seinem vollen Teller setzte er sich an den schönsten Tisch, von dem aus er einen perfekten Blick über die bergige Landschaft hatte. David beobachtete das alles aus den Augenwinkeln, während er den Kaffee in eine kleine Thermoskanne füllte. Als er einen Moment später an den Tisch trat und die Kanne in die Mitte stellte, hob der Mann den Kopf und lächelte ihn an.

»Vielen Dank«, sagte er. »Ich bin übrigens Tom.

Ich bleibe bis Montag hier. Vermutlich laufen wir uns noch ein paarmal über den Weg.«
David stellte sich ebenfalls mit seinem Vornamen vor, auch wenn Konrad ihm das strengstens verboten hatte, aber er hätte sich unwohl gefühlt, sich als Herr Weber bekannt zu machen. Er wollte schon wieder in Richtung Küche abdrehen, als Tom ihn noch einmal zurückhielt.
»Wo geht man denn hier abends aus?«, erkundigte er sich. »Ich besuche einen Freund drüben im Internat und die schließen um halb zehn die Türen zu. Und allein auf dem Zimmer fernsehen wollte ich eigentlich an einem Samstagabend nicht.«
»Hast du ein Auto?«, fragte David.
Tom schüttelte den Kopf. »Ich bin mit dem Bus gefahren. Der ist aber nur stündlich unterwegs, oder?«
»Bis um sechs. Danach noch einmal um neun. Allerdings ist heute Samstag. Da fährt der letzte Bus tatsächlich um sechs.« David grinste, als Tom die Augen verdrehte. »Du bist in der Provinz gelandet. Ohne Auto geht hier nichts. Und dann bleibt dir nur der Bulle als Rettung vor dem Fernseher.«
»Ist hier denn abends was los? Oder sitzen dann nur besoffene Vertreter an der Theke und schwallen dir die Ohren zu?«
David überlegte, ob er heute Abend vorbeikommen sollte, um zu sehen, ob Tom sich in die Meute der Landjugend und lästernden Senioren traute. Im Grunde sprach nichts dagegen, an seinem Arbeitsplatz auch seine Freizeit zu verbringen. Ihm drohte ja das gleiche Schicksal wie Tom: Mit seiner Mutter von dem Fernseher zu enden und im Zweifelsfall ihre depressive Stimmung abzukriegen.
»Das hier ist der einzige Ort, wo man im Umkreis von zwanzig Kilometer abends ausgehen kann. Das gilt nicht nur für unsere Gäste.«
»Ich wette, die Schüler aus dem Internat schleichen sich hier ständig rein.«
»Die sind ziemlich streng da draußen. Ich habe zumindest noch nie welche aus der Schule gesehen.«
Tom zog erstaunt die Augen hoch. »Na, dann bin ich ja mal gespannt, was mich hier heute Abend erwartet. Ich hab mich schon gewundert, dass die im Internat gar keine Gästezimmer haben. Der Freund, den ich besuche, hat gesagt, dass noch nicht einmal seine Eltern bei ihm übernachten können, wenn sie zu Besuch kommen.«
»Die wohnen dann hier bei uns.« David warf einen vorsichtigen Blick hinter sich, um nicht etwas Falsches zu sagen, wenn Konrad gerade hereinkam. »Das ist unser Geschäftsmodell.« Er grinste.
Dann ging David in die Küche und nahm auf dem Weg schon die erste Platte mit dem gewellten Käse mit. Alina empfing ihn mit einer Tasse Kaffee in der Hand.
»Netter Gast?«, fragte sie und zwinkerte ihm zu. »Ich hab schon gehört, dass du jetzt offiziell als Tunte bezeichnet werden darfst.«

David stöhnte. »Dann weiß das jetzt das ganze Dorf?«

Alina schüttelte den Kopf. »Ich kenne die Leute hier besser als du. Das weiß nur ein kleiner Kreis von Leuten, die genau wissen, wem sie vertrauen können. Und so komisch das klingt: Aus diesem Kreis geht die Info nicht raus. Ist zumindest noch nie passiert.« Sie schnippte sich eine Zigarette aus ihrer Packung. »Passt du fünf Minuten auf den Empfang auf? Ist ja sowieso keiner mehr da, außer dem Schnuckelchen da drüben und der hält sich noch an seinem Kaffee fest.« Sie ging auf die Hintertür zu. »Ach ja«, sagte sie noch über die Schulter, »bevor ich´s vergesse: Doreen ist krank. Kannst du heute Abend für sie am Ausschank einspringen?«
Und schon fiel die Tür hinter Alina ins Schloss. David seufzte. Er hatte sich eigentlich auf einen freien Abend gefreut. Aber dann hatte er zumindest einen guten Grund, Tom später wiederzutreffen. Er schüttete den bitter gewordenen Kaffee in den Ausguss.

Der Tag verlief zäh. Mittags fuhr David mit dem Fahrrad nach Hause, ging seiner Mutter, so gut es ging, aus dem Weg, weil er keine Lust auf ihre Depressionen hatte, legte sich eine Stunde hin, um abends fit zu sein, und machte sich dann um kurz vor sieben wieder auf den Weg. Er hoffte, dass heute Abend nicht zu viel im Bullen los war, weil er sich irgendwie schlapp fühlte. Ihm steckte das spontane Outing beim Tischtennistraining noch in den Knochen. Er hatte keine Ahnung, wer im Dorf nun schon davon wusste. Immerhin hatte seine Mutter ihn mit dem Thema in Ruhe gelassen und das musste bedeuten, dass sie noch nichts davon erfahren hatte. Und auch wenn Alina betont hatte, dass sich das nicht rumsprechen würde, war David sich da nicht so sicher. Das passte irgendwie nicht in seine Vorstellung von den viel zu schnell gestreuten Gerüchten hier in der Gegend. Aber vielleicht hatte sie ja doch recht.
Als er den Gastraum des Bullen betrat, war es glücklicherweise noch recht leer. David wusste, dass die meisten Gäste erst um neun Uhr kamen und oft nur bis elf Uhr blieben. An zwei Tischen saßen ein paar neue Wochenendgäste und tranken Wein. Joelle, eine Kollegin, die nur samstags arbeitete, trug gerade mehrere Teller mit Essen an einen der Tische. Konrad saß mit einem Winzer aus dem Ort an dem Tisch, in dessen Mitte ein Schild mit der Aufschrift Stammtisch prangte, und trank Wein.
»Gut, dass du kommst«, sagte Joelle auf dem Rückweg in die Küche. »Konrad hat mal wieder keine Lust zu arbeiten.«
David umrundete die Theke und band sich die Schürze um, die sie hier im Service trugen. Früher als erwartet füllte sich an diesem Abend die Gaststätte mit den Menschen aus der Umgebung. David zapfte ein Bier nach dem anderen und beobachtete dabei die Gäste, die nach und nach den Raum füllten. Die Alten waren als erste gekommen und scharten sich um den Stammtisch, an dem Konrad mit steigendem Alkoholkonsum immer lauter redete. David kannte das schon von ihm aus den Zeiten, zu denen er als Gast hiergewesen war. Damals hatte er das meist ziemlich unterhaltsam gefunden, doch jetzt fragte er sich allmählich, ob Konrad sich mit seinem Verhalten einen Gefallen tat. Immerhin war er der Wirt und verhielt sich doch eher wie ein lautstarker Gast.
Auch die Dorfjugend strömte allmählich herein. Tomas erschien unerwartet und fragte David, wann sie mal wieder zocken würden.
»Ich hab hier abends oft lange zu tun«, wiegelte David ab. Doch als er Tomas´ enttäuschte Gesichtszüge sah, ruderte er zurück: »Lass uns kommende Woche schreiben. Dann komme ich vorbei.«
»Lass dich von Konrad nicht völlig vereinnahmen«, mahnte Tomas, nickte David kurz zu und ging mit seinem Bier in der Hand zu drei Jungs hinüber, die an einem Ecktisch hockten.
Wusste Tomas Bescheid?, fragte sich David. Wie weit hatten die Buschtrommeln sein Outing schon getragen? Aber Tomas hatte sich verhalten wie immer. Nichts deutete darauf hin, dass er ein Problem mit David hatte. Vermutlich wusste er dann einfach noch nichts. David stöhnte innerlich. Er hatte sich neulich einen Moment lang vergessen und zu viel geredet. Aus dem Affekt heraus. Und jetzt interpretierte er in jede Bemerkung eine Anspielung auf sein Outing hinein. Das war doch bescheuert.
»Hast du dich an die neue Situation gewöhnt?«, fragte jemand vor ihm an der Theke.
David zuckte zusammen. Er hatte seine Umgebung für einen Moment völlig ausgeblendet. Vor ihm stand Kevin und grinste. Er hatte Kristin und Paula im Schlepptau. All drei brachen in Lachen aus, als David aus seinen Gedanken auftauchte. Im gleichen Moment strömte kaltes Bier aus einem vollen Glas über seine linke Hand und er drehte schnell den Zapfhahn zu.

»Mist!«, fluchte David.

Das Bier war bis an seine Schürze geschwappt und hatte seine Jeans genau im Schritt durchtränkt. David schnappte sich ein Handtuch und verhinderte damit wenigstens, dass der Fußboden eingesaut wurde.
»Wenn du mit der Überschwemmung fertig bist, dann mach mir doch bitte ein Bier«, sagte Kevin lachend und wandte sich zu seinen Begleiterinnen um. »Was trinkt ihr?«
Paula entschied sich für einen Riesling und Kristin bestellte Cola.
»Was hast du vorhin gemeint?«, fragte David, als er den Wein einschenkte.
»Womit?«, erkundigte sich Kevin.
»Mit der neuen Situation. Hast du hier im Dorf herumerzählt, dass ich mich vor euch geoutet habe?«
»Ich habe deine veränderte Aufgabe hier im Bullen gemeint«, sagte Kevin und griff nach dem Bierglas, das David ihm reichte. »Bisher warst du zum Saufen hier, jetzt stehst du auf der anderen Seite der Macht.«
Paula lachte über seinen Scherz. Kristin nippte an ihrer Cola und zwinkerte David zu.
»Mach dir nicht zu viele Gedanken«, sagte sie zu ihm. »Wir sind zwar in der Provinz, aber wir leben nicht hinterm Mond.«
»Von mir erfährt hier keiner irgendwas«, sagte Kevin und sah sich dann im Gastraum um. »Aber ehrlich gesagt fällt mir keiner ein, der damit ein Problem hat.« Er wandte sich wieder David zu. »Mal angesehen von den Alten. Aber die leben ja sowieso in ihrer eigenen Welt. Für die gibt es noch die DDR und am liebsten würden sie mit D-Mark bezahlen.« Er kicherte. »Oder besser noch mit Reichsmark.«
»Und Moritz hält bestimmt auch die Klappe«, unterstrich Paula Kevins Bemerkung. »Bei dem wäre ich mir im Übrigen gar nicht sicher, ob er nicht selbst auf Jungs steht.«
In gespieltem Entsetzen riss Kevin die Augen auf, konnte die Mimik aber nicht lange aufrechterhalten und lachte.
»Aber mal ehrlich«, sagte er dann, »wie kommst du hier klar? Schikaniert dich der Alte sehr?«
David erzählte seinen Freunden von der Arbeit im Hotel und der Gastwirtschaft.
»Das ist nicht der Traumjob, aber immerhin viel besser als in der Praxis. Da hat mich mein Chef auch ständig herumgescheucht, weil ich der Jüngste war. Und nur in der Ausbildung. Hier rieche ich wenigstens ein bisschen von der großen weiten Welt.«
Er grinste.
»Klar!«, lachte Kevin. »Der Bulle ist die Tür zur Freiheit.«
Die Bestellungen hatten sich in den letzten Minuten schlagartig vervielfacht und David wandte sich wieder den Getränken zu. Seine Freunde standen noch eine Weile an der Theke, bis sie schließlich in die Menge eintauchten, die inzwischen den Bullen füllte. So voll war es schon lange nicht mehr gewesen. Vielleicht hatte der Frühling einen Einfluss darauf, dass die Leute wieder aus ihren Löchern gekrochen kamen und Freunde treffen wollten. Und vielleicht hatte aber auch das Frühlingsfest vor zwei Wochen dazu beigetragen, dass die Menschen aus ihrem Winterschlaf aufgewacht waren. David füllte ein Glas nach dem anderen, er spülte und scherzte mit den Gästen. Die meisten kannte er zumindest vom Sehen. Zwischendurch eilte er immer mal wieder an den Empfangstresen, um einen Hotelgast einzuchecken, rief Bestellungen in die Küche und kassierte die Deckel der ersten, vor allem älteren, Gäste ab, die früh aufbrachen. Und obwohl er schon die zweite Schicht an diesem Tag schob, erfüllte ihn diese Arbeit so sehr, dass er die Zeit völlig aus dem Blick verlor.
»Der Laden platzt ja fast aus allen Nähten«, hörte er jemanden hinter sich sagen, als er gerade Schnapsgläser aus dem Regal holte. David drehte sich um und entdeckte Tom auf der anderen Seite des Tresens. »Damit habe ich wirklich nicht gerechnet.«

David lachte. »Was trinkst du?«, fragte er. »Bier? Wein? Hartes?«

Tom lehnte sich an den Tresen und ließ den Blick durch den Gastraum schweifen.
»Was ist hier üblich?«, entgegnete er, als er sich David wieder zuwandte.
»Regionaler Wein. Riesling zum Beispiel. Oder das Bier aus dem Nachbardorf. Die haben eine gute Brauerei. Seit dreihundert Jahren.«
»Nach dem Tag im Internat brauch ich erst mal einen Kurzen.«
David schnappte sich eine Flasche des besten Obstlers, warf einen schnellen Kontrollblick in Richtung des Stammtischs, wo Konrad immer noch Reden hielt und ihnen den Rücken zuwandte. Angesichts der vielen Gläser Wein und Bier, die sein Chef im Laufe des Abends getrunken hatte, würde er nicht mehr mitkriegen, wem David was ausschenkte. Also goss er eines der Schnapsgläser randvoll.
»Pflaume«, sagte er dazu. »Geht aufs Haus.«
»Man dankt«, antwortete Tom, trank das Glas in einem Schluck leer und nickte anerkennend. »Nicht schlecht.«
David füllte die anderen Schnapsgläser mit billigem Fusel, den Konrad für das Fußvolk bevorzugte, schob die Gläser der Kollegin zu, die bereits ein Tablett mit Biergläsern in der Hand hatte.
»Wars so schlimm im Internat?«, erkundigte sich David belustigt.
»Bist du da mal drin gewesen?«, fragte Tom zurück. David nickte. »Edel. Herrschaftlich. Aber total versnobt.« Tom schüttelte den Kopf. »Ich würde kaputtgehen, wenn ich da leben müsste.«
Er schob sein leeres Glas zu David hinüber und der grinste, während er es erneut auffüllte. Für eine Sekunde zuckte der Gedanke durch seinen Kopf, Tom abzufüllen und dann später irgendwo mit ihm zu verschwinden. Doch dann erinnerte er sich daran, dass er besser die Finger von Gästen ließ. Mal abgesehen davon, dass er bei Tom noch gar nicht einschätzen konnte, ob er auf Jungs oder Mädels stand.
Tom nickte zum Dank und trank das zweite Glas genussvoller.
David warf einen Blick auf die Uhr an der Wand hinter sich. Es war schon elf. Ein Blick über die Menschen in der Gaststätte bestätigte ihm, dass es schon nicht mehr ganz so voll war wie vor einer Stunde. Joelle kam immer häufiger um die Theke herum, um Geld zu wechseln. Heute schienen alle mit großen Scheinen bezahlen zu wollen. Und Konrad hatte sich bislang standhaft geweigert, für die Kneipe ein Kartenlesegerät zu besorgen. David vermutete, dass das in erster Linie damit zusammenhing, dass sein Chef auf diese Weise einen Teil der Einnahmen am Finanzamt vorbeischleusen konnte.
Eine halbe Stunde und drei Pflaumen-Obstler später hatte sich der Gastraum schon deutlich geleert. Noch immer waren etwa zwanzig vor allem jüngere Gäste da, aber die Schlagzahl, in der sie Getränke bestellten, nahm spürbar ab. Konrad war mit dem Kopf auf den Armen am Stammtisch eingeschlafen, Joelle sah müde aus und der Lärmpegel war trotz der gesunkenen Gästezahl gestiegen. So und nicht anders kannte David die Wochenenden im Bullen und machte sich über die schier unendlich wirkende Menge an leeren Gläsern her, die darauf warteten, gespült zu werden. Zwischendurch schob er Tom noch einen weiteren Obstler zu.
»Du willst mich doch nur abfüllen«, lachte Tom, wehrte sich allerdings nicht gegen das Getränk.

»Warum sollte ich das tun?«
»Keine Ahnung. Um mich abzuschleppen?«

Jetzt war es an David, zu lachen. »Keine Sorge, das habe ich nicht vor«, sagte er.
»Schade«, sagte Tom mit einem leichten Lallen in der Stimme, zwinkerte David zu und kippte den Schnaps.
Damit hatte sich dann wohl auch die Frage nach Toms sexueller Orientierung erledigt, ging es David durch den Kopf. Aus den Augenwinkeln ließ er den Blick noch einmal eingehend über seinen persönlichen Gast schweifen. Knackig, attraktiv. In einer anderen Situation würde er Tom nicht von der Bettkante stoßen. Er straffte die Schultern. Bloß nicht weich werden. Das würde nur zu Schwierigkeiten führen.
»Wen hast du eigentlich im Internat besucht?«, erkundigte er sich.
»Meinen ehemaligen Nachhilfeschüler«, sagte Tom kichernd. »Nachdem er bei mir Englisch und Deutsch gelernt hat, hat er sich bei seinen Eltern geoutet und die hatten nichts Besseres zu tun, als ihn weit weit weg ins Internat abzuschieben. Und jetzt sitzt Julian da drüben in den ehrwürdigen Mauern und wirkt glücklicher als jemals zuvor.«
Fast wäre David das Weinglas aus der Hand gefallen, das er gerade abtrocknete. Hatte er Tom richtig verstanden? Julian? Und er hatte sich geoutet? So viele schwule Jungs mit diesem Namen konnte es in dem Internat nicht geben, oder?
»Alles gut bei dir?«, erkundigte sich Tom und sah David überrascht an. »Du bist ganz rot geworden.«
David nickte. Er polierte das Glas weiter und schob es ins Regal. Dabei stellte er fest, dass er eiskalte Hände hatte.
»Ich kenne einen Julian aus dem Internat. Der ist im letzten Sommer hängen geblieben und geht in die Abschlussklasse.«
Tom, der bis eben etwas zusammengesackt am Tresen gestanden hatte, richtete sich erstaunt auf und starrte David an.
»Du bist David?«, fragte er. »Dave? Der Dave? Vom letzten Sommer in Schweden?«
»So ist das wohl …«
David spürte die Unruhe, die durch seinen Bauch schoss. Zum Glück kam Joelle jetzt auf ihn zu und gab eine Bestellung von fünf großen Bier und drei Kurzen weiter. David schnappte sich ein Glas und zapfte es zu dreivierteln voll, griff nach dem nächsten und setzte den Vorgang fort, bis sechs Gläser vor ihm darauf warteten, eine schöne Blume zu bekommen. Die Erinnerung an die eigenartige Begegnung am Tag der offenen Tür raste durch seinen Kopf. Schweden. Die Gewitternacht. Der plötzliche Umschwung, der alles geändert hatte. Die überstürzte Abreise. Das Wiedersehen drüben auf dem Hochsitz.
»Fünf«, raunte Tom ihm zu und riss David aus seinen Gedanken.
»Was?«
»Du solltest nur fünf große Bier zapfen.«
Irritiert blickte David auf die Gläser vor sich und zählte. Sechs. Er schüttelte sich kurz, griff eines der Gläser und leerte es wie ein Verdurstender in der Sahara.
»Dann hast du die Sache offenbar auch nicht einfach so weggesteckt«, sagte Tom und deutete auf die fast vollen Biergläser. »Mach mir auch mal eins. Wenn ich noch einen von den Kurzen trinke, kotze ich.«
David nahm eines der gerade gespülten Biergläser und hielt es unter den Zapfhahn.
»Wie geht es ihm?«, fragte er verhalten.

»Er ist wieder auf die Beine gekommen.«

Tom hatte den Blick neugierig auf David gerichtet. »Er hat ja jetzt Daniel. Und ich habe den Eindruck, die beiden sind glücklich miteinander.«
»Den Eindruck habe ich nicht.«
David zapfte die Blumen auf das Bier und schob eines der Gläser zu Tom herüber. Als er den Blick hob, bemerkte er die erstaunt hochgezogenen Augenbrauen.
»Ich habe die beiden gesehen«, erklärte er, bevor Tom fragen konnte. »Vor drei Wochen. Ich bin am Tag der offenen Tür im Internat gewesen.«
»Warum? Was willst du denn noch von ihm? Du hast ihn doch kaltgestellt.«
Was hatte Julian von ihm erzählt? Wie nah standen sich Julian und Tom? Hatten die beiden damals, als Tom der Nachhilfelehrer war, ein Verhältnis gehabt? Und wie stand Tom heute zu Julian? All das wusste David nicht und er wollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
»Ich habe ihn nicht kaltgestellt«, sagte er erst mal, um ein bisschen Zeit zu gewinnen. Als Tom darauf nichts antwortete, schob er eine Erklärung nach: »Wir leben hier in einem winzigen Dorf. Hier ist alles anders als in der Stadt.«
Kevin kam auf den Tresen zu getorkelt. Offenbar hatte er einen erfolgreichen Abend gehabt. Er lachte laut, als er fast über einen der Barhocker stolperte.
»Dein Chef schnarcht«, lallte er und hielt sich am Tresen fest. Dann entdeckte er Tom. »Oh. Ein neues Gesicht.« Er streckte die Hand aus und Tom schlug ein. »Machst du gerade unseren Kleinen klar?«, fragte er, schlug sich dann aber erschrocken die Hand auf den Mund. »Ich sollte nicht reden, wenn ich getrunken habe.« Er wandte sich David zu. »Entschuldige.« Als Nächstes streckte er den Kopf vor und spitzte die Lippen. »Gib mir einen Kuss und dann gehe ich brav nach Hause.«
David wusste im ersten Moment nicht, was er tun sollte. Ein Blick durch den noch leerer gewordenen Raum zeigte ihm, dass er sich entspannen durfte. Die wenigen Menschen hier waren entweder seine Freund.innen, oder zumindest kannte er sie so gut, dass er realisierte, dass von ihnen keine Gefahr ausging. Also beugte er sich Kevin entgegen und drückte ihm schnelle einen flüchtigen Kuss auf die Lippen.
»Danke, Schatz«, murmelte der und drehte sich um. »Mädels«, brüllte er. »Ab nach Hause. Eure Kunden warten.«
Paula und Kristin kamen kichernd auf ihn zu, packten ihn rechts und links an den Armen, warfen David ein paar überschwängliche Kusshände zu und schleppten ihren Freund dann aus der Kneipe.
»Hier ist alles anders als in der Stadt?«, wiederholte Tom Davids letzten Satz. Dann brach er in schallendes Gelächter aus. »Du bist offenbar schon lange nicht mehr in der Stadt gewesen.«
Als er sich beruhigt hatte, trank er einen tiefen Schluck Bier.
»Aber um noch einmal auf den Jungen zurückzukommen«, fuhr er dann fort.

»Julian hat letzten Sommer echt unter der Situation gelitten.«

David nickte. »Ich hab mich bescheuert verhalten. Aber damals konnte ich mir einfach nicht vorstellen, offen schwul in dieser Gegend zu leben.« Ein Gedanke blitzte durch seinen Kopf. »Triffst du ihn morgen noch mal? Ich könnte mitkommen und mit ihm reden. Vielleicht versteht er dann ja, warum ich mich letztes Jahr so verhalten habe. Und vielleicht kriegen wir es hin, an das, was war, wieder anzuknüpfen.«
Erstaunt starrte Tom ihn an. Dann schüttelte er den Kopf.
»Lass Julian mal sein Ding machen. Er hat jetzt Daniel. Und selbst wenn zwischen den beiden nicht immer alles perfekt ist, solltest du dich da nicht einmischen.« Tom drehte sein Bierglas nachdenklich in den Händen hin und her. Schließlich hob er den Kopf und sah David direkt in die Augen. »Im Grunde kennst du Julian vermutlich gar nicht wirklich. Er hat erzählt, dass ihr eine tolle Zeit in Schweden hattet. Ihr habt euch gegenseitig beflügelt. Und ihr habt euch am Ende gegenseitig verletzt. Wenn du ihn wirklich kennen würdest, dann kämst du nicht auf die Idee, es bei ihm noch einmal zu versuchen.«
Tom hatte vermutlich recht. Immerhin hatte David Julian in Schweden kaum etwas über sich selbst erzählt. Und selbst wenn Julian viel mehr von sich preisgegeben hatte – im Endeffekt hatte David ihn ja völlig falsch eingeschätzt. Er war schließlich davon ausgegangen, dass Julian sich auf eine versteckte Beziehung einlassen würde, sonst hätte er ihm den Vorschlag nie im Leben gemacht. David füllte sein Bierglas zur Hälfte und trank einen Schluck.
»Gibts hier nicht noch andere Jungs von unserem Ufer?«, fragte Tom. Er leerte sein Glas und hielt es David auffordernd hin. »Ich meine: Auch hier muss es doch Schwule geben, die offen leben wollen.«
Erst zögernd, dann nach und nach etwas unverhohlener erzählte David von Alexander, der ihm ja im Grunde das Gleiche angeboten hatte, wie er damals Julian. Doch dessen Unverbindlichkeit – das wurde ihm jetzt zum ersten Mal bewusst – störte ihn auch immer mehr. Er wollte mehr als nur den schnellen Sex. Dann berichtete er Tom auch von Sid und der eigenartigen Geburtstagsfeier. Und während er Tom zu erklären versuchte, was ihn am vergangenen Wochenende in das Bett des Grafenneffen befördert hatte, und vor allem, als er von der Nachricht am Tag danach erzählte, wurde ihm klar, wie sehr ihn Sid berührte. Seit letztem Sonntag war kein Tag vergangen, in der er nicht wenigstens einmal darüber nachgedacht hatte, ob das zwischen ihnen nicht alles hätte anders laufen können. Und auch jetzt tauchte er sofort in die Grübelei ab, ob er etwas falsch gemacht oder ob er Sid doch völlig missverstanden hatte.
Nachdenklich hörte Tom ihm zu. Das Lokal leerte sich zunehmend. Joelle weckte den Chef, der stöhnend und schimpfend nach draußen verschwand und schließlich mit seinem Auto den Hof verließ. Joelle legte die Schürze ab, holte ihre Jacke, wuschelte David durch die Haare und verließ den Bullen. Zwei letzte Gäste hielten sich an ihren fast leeren Gläsern fest. David rief ihnen mitten in seiner Erzählung die Info zu, dass er jetzt die letzte Runde machte, doch die beiden wollten nichts mehr trinken. Sie bezahlten ein paar Minuten später und David war mit Tom allein.
»Du solltest dich an diesen Sid halten«, sagte der, als David mit seinem Bericht fertig war. »Vielleicht braucht er einfach noch einen Anstoß, um sich von seinem Onkel zu lösen.«
David schüttelte entmutigt den Kopf. »Das ist der völlig verzogene Neffe des reichsten Mannes im Umkreis von fünfzig Kilometern. Er wird seinen Onkel eines Tages beerben. Und wenn er sich diese Erbschaft nicht versauen will, dann wird er schön brav ein Mädchen ehelichen und Kinder in die Welt setzen. Ich kenne solche Typen.«
»Woher?«
»Was?«
»Woher kennst du solche Typen?«
David winkte ab. »Das war so dahergeredet. Aber das bringt doch alles nur Ärger mit sich. Darauf hab ich keinen Bock.«
Tom nickte. Er streckte sich, wobei sein T-Shirt ein wenig hochrutschte und seinen Bauch frei gab. David schloss kurz die Augen. Warum wollten ihm zurzeit alle ihren perfekten Bauchmuskeln zeigen? Als er seine Augen wieder öffnete, sah er Toms Aufmerksamkeit voll auf sich gerichtet. Ihm war sofort klar, was Tom beabsichtigte. Er gab seinem Impuls nach und streckte eine Hand nach dem Mann auf der anderen Seite des Tresens aus und hätte ihn fast zu sich herangezogen. Im letzten Moment stoppte er sich. Er musste noch zwei Stunden am Empfang sitzen, bis er abgelöst wurde. Er wollte sich in diesem Job keinen groben Fehler erlauben. Auch wenn Tom ihn gerade sehr reizte und die Erektion in seiner Hose nicht förderlich war. Er seufzte.
»Ich schmeiß dich jetzt raus«, sagte er leise.
Tom nickte, lächelte, zog einen Bierdeckel zu sich heran und griff nach einem Kugelschreiber. Unter seinen Fingern entstanden Zahlen, die sich zu einer Telefonnummer zusammensetzten.
»Wenn du Lust auf Großstadt hast, dann meld dich einfach.«
Und während David noch an seiner Entscheidung zweifelte, den Reizen nicht nachzugeben, rutschte Tom vom Barhocker und tauchte durch die Holztür in den Bereich des Gebäudes ein, in dem sich das Hotel befand.

© Stephan Meyer, Köln 2022 – Alle Rechte vorbehalten


Das war das achtzehnte Kapitel des Fortsetzungsromans Dorfidylle. Hast du Fehler gefunden? Ist irgendwas unlogisch? Schreib es mir unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Rückmeldungen.


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