Dorfidylle

Dorfidylle #19

Eltern.

Immer wieder betrachtete David in den folgenden Tagen den Bierdeckel mit Toms Telefonnummer. Sollte er ihn wirklich anrufen? Sollte er ihn in der Stadt besuchen? Konnte er seine Mutter allein lassen? Natürlich hatte die Nachbarin ihm angeboten, sie könne mal zwei Tage auf seine Mutter aufpassen, damit er aus dem Dorf rauskam. Aber David wollte sich nicht damit abfinden, dass seine Mutter so krank war, dass sie nicht allein bleiben konnte. Er war doch für sie verantwortlich, oder nicht? Jedes Mal steckte er den Bierdeckel wieder in seinen Geldbeutel und verschob die Entscheidung auf den nächsten Tag. Jedes Mal schreckte er vor der Realität zurück. Jedes Mal fragte er sich, was er denn von einem Wochenende bei Tom in der Stadt erwartete. Er kannte ihn ja gar nicht richtig. Auch wenn Tom sich am Samstagabend lange mit ihm unterhalten hatte und ihm deutlich sein Interesse signalisiert hatte – was sollte das bringen? Schließlich lebte Tom mehrere Hundert Kilometer entfernt. Und nichts war sinnloser, als sich in einen Typen zu vergucken, der so weit weg wohnte.

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David resignierte. Er war in diesem Dorf gefangen. Er konnte seine Mutter nicht zurücklassen, wollte aber auch nicht für den Rest seines Lebens ein Schattendasein führen. Immerhin machten ihm seine Freunde hier klar, dass sie kein Problem mit ihm hatten. Und David realisierte allmählich, dass Kristin recht gehabt hatte: Auch wenn sie in der Provinz wohnten, lebten sie doch nicht hinterm Mond. Auch in diesem Dorf drehte sich die Welt weiter. Die Dinge veränderten sich. Zur nächsten Bürgermeisterwahl hatte sich eine junge Lehrerin für die Grünen als Kandidatin aufstellen lassen. Eine Frau! Und sie schien keine schlechten Chancen zu haben, denn in den vergangenen Jahren waren viele der Alten gestorben und hatten ihre verknöcherten Weltvorstellungen mit in ihre Gräber genommen. Und aus den Städten waren Familien in die dem Verfall preisgegebenen Höfe gezogen und hatten sie mit viel Geld und Aufwand renoviert. Familien, die nicht mehr in den Strukturen des letzten Jahrhunderts vegetierten, sondern lieber blühende Vorgärten hatten, anstatt sie mit Beton und Kies zu planieren.
Selbst das Internat hatte einen Teil dazu beigetragen, dass sich die Menschen veränderten. Immerhin lebten dort mehrere Hundert Jugendliche auf engem Raum, an denen das Internet mit all seinen Chancen nicht vorbeiging. Und diese Jugendlichen schienen in letzter Zeit mehr und mehr gegen die strengen Vorschriften der Internatsleitung aufzubegehren. Zumindest nachmittags und vor allem an den Wochenenden zogen sie durch die Weinberge und Wälder der Umgebung, kauften in dem kleinen Supermarkt im Nachbardorf ein und hinterließen eine Aura von Aufbruch. Und nicht zuletzt führte offenbar ein neues umweltbewusstes Denken in den Köpfen der Menschen dazu, dass sie häufiger Urlaub im eigenen Land machten. Selbst für die konservativen Landbewohner war nicht zu übersehen, dass diese Urlauber Geld mitbrachten und der Region zu einem spürbaren Aufschwung verhalfen.
Trotzdem sah David für sich selbst keine Perspektive hier. Er stand auf Jungs. Auf Männer. Und selbst wenn es in seiner Generation kaum noch Vorbehalte dagegen gab, konnte er sich einfach nicht vorstellen, mit einem potenziellen Freund Hand in Hand über die Hauptstraße zu schlendern und dem Dorfpfarrer freundlich zuzuwinken. Mit dieser Situation musste er sich abfinden. Schließlich war hier auch nicht alles nur schlecht. Alex drängte beispielsweise auf ein nächstes Treffen. Mit ihm würde er zumindest einen Teil seines Lebens leben können. Wie lange Alex das durchhalten würde, was passieren würde, wenn seine Eltern den Hof vollständig an ihn übergeben würden und er dann auch vor den anderen Winzern das Gesicht wahren musste – das konnte David nicht einschätzen. Und er wollte es auch gar nicht, denn wie sollte er denn jemals glücklich werden, wenn er dann doch immer wieder einen wichtigen Teil seines Lebens verstecken musste? Da konnte es noch so viel Umschwung geben – so wie in Berlin würde es nie werden.

Seine einzige Chance wäre die Flucht.

Aber das konnte er seiner Mutter nicht antun. Also blieben ihm lediglich die Resignation und das Eingeständnis, dass er in einer Umgebung lebte, die nicht für ihn gemacht war.

Die Woche hatte sich dahingeschleppt. Tom hatte er vor dessen Abreise nicht noch mal wiedergesehen, die meisten Gäste hatten sich verabschiedet und der miefige Geruch des Vertreterhotels hatte wieder Einzug gehalten. Müde starrte er am folgenden Samstagnachmittag auf den Computerbildschirm. Ein Paar hatte sich noch zur Übernachtung angemeldet. Vielleicht waren es Bekannte des Grafen. Oder die Eltern eines der Jugendlichen im Internat. Viel mehr als der Name Schmitz war nicht im System hinterlassen. Lediglich die Information, dass sie am Sonntag bereits wieder abreisten. Also kamen sie vermutlich nicht zum Wandern hierher.
Auf dem Kies der Einfahrt knirschten Reifen und ein schwarzer Bentley fuhr vor. Er hielt direkt vor der Eingangstür und David trat nach draußen, um den Gästen mit dem Gepäck zu helfen. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass gerade diejenigen, die nur kurz blieben, viele Habseligkeiten mit sich herumschleppten.
»Herzlich willkommen im Brüllenden Bullen«, sagte er, als die Fahrertür aufgedrückt wurde und sich ein Mann Mitte fünfzig mühsam aus dem Sitz quälte.
Der Mann nickte ihm wortlos zu, öffnete die hintere Autotür, um sein Jackett herauszuholen, zog es über und umrundete das Auto. Die Haare lagen ihm gegelt auf dem Scheitel, ein weißes Hemd mit blauem Kragen und ebensolchen Manschetten verliehen ihm minimale Farbe. Er war sorgfältig rasiert und sprach immer noch kein Wort mit David, als er die Beifahrertür öffnete. Auf dem Beifahrersitz saß eine Frau, die durch ihre Kleidung, ihre Frisur und die dicke Schminkschicht offenbar versuchte, ihr fortgeschrittenes Alter zu vertuschen, und damit gnadenlos scheiterte. Sie war Davids Schätzung zufolge nicht viel jünger als ihr Mann und hielt in den sorgfältig manikürten Fingern ein mit Strass verziertes Smartphone, auf dem sie mit künstlichen Fingernägeln herum klackerte.
Der Mann verharrte einen Moment neben der Tür, dann schien er seine bemüht wirkende Freundlichkeit aufzugeben, knurrte leise ein paar Worte und wandte sich dann David zu.
»Das Gepäck ist im Kofferraum«, sagte er und drückte einen Knopf an seinem Autoschlüssel.
Geräuschlos öffnete sich der Kofferraum und David beschloss, sich ganz auf das Gepäck zu konzentrieren. Zwei große Koffer – einer schwarz, der andere rosa – und eine kleine Tasche wurden ihm überantwortet, die er eilig in die Hotellobby trug. Der Mann folgte ihm in strengem Schritt, wollte offenbar gerade zu einer Art Vorstellung ansetzen, wurde jedoch von seinem Handy unterbrochen. Er zog es aus der Hosentasche, blickte auf das Display und nahm den Anruf entgegen.
»Wir sind gerade am Hotel angekommen«, grummelte er ins Telefon. »Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Mutter hier den Abend verbringen möchte … Wir haben in einem Restaurant in der Nähe gebucht. Um acht. Also sei pünktlich!«
Er beendete das Gespräch ohne Abschied und sah auf das Display. David machte sich bereit für die üblichen Begrüßungsfloskeln, doch der Mann tippte auf seinem Handy herum und begann das nächste Telefonat, von dem David diesmal nicht viel verstand, da der Mann Spanisch sprach und darüber hinaus offenbar sehr aufgebracht war.
Immerhin hatte sich die Frau mittlerweile dazu durchgerungen, das Auto zu verlassen, und stolzierte auf David zu. Sie warf ihrem Mann, der es sich in einem der Sessel bequem machte, einen angestrengten Blick zu, bekam aber keine Reaktion von ihm. Also richtete sie die Augen auf David und der hatte zum ersten Mal in seinem Leben den Eindruck, mit Blicken ausgezogen zu werden. Er war heilfroh, hinter dem Empfangstresen zu stehen und der Frau dadurch nur seinen Oberkörper zu präsentieren.

»Sind Sie der Inhaber dieses Hotels?«, erkundigte sich die Frau skeptisch.

David verneinte und setzte erneut zu einer freundlichen Begrüßung an, doch die Frau ließ ihn nicht zu Wort kommen.
»Mein Name ist Patrizia Schmitz. Wir haben zwei Zimmer bei ihnen für eine Nacht gebucht. Normalerweise sind wir es gewohnt, von dem Betreiber eines Hotels persönlich begrüßt zu werden.« Sie fixierte David mit kalten Augen. »Aber in Ihrem Fall mache ich da mal eine Ausnahme.«
Sie stellte ihre Handtasche auf den Tresen und wühlte einen Moment darin herum. David nutzte die Pause, um sich zu Wort zu melden.
»Ich freue mich, dass Sie bei uns übernachten, Frau Schmitz. Noch einmal herzlich willkommen im …«
»Ich vermute, dass Ihre Kopfkissen nur den nötigsten Standards entsprechen«, unterbrach Frau Schmitz ihn, ohne das kleinste Zeichen von Aufmerksamkeit zu zeigen. »Lassen Sie daher bitte ein weiteres Kissen auf mein Zimmer bringen.« Sie legte ihren Ausweis auf den Tresen. »Den werden Sie vermutlich zum Einchecken brauchen.«
David bedankte sich und griff nach dem Dokument. Als er den Ausweis anhob, kam darunter eine goldene Visitenkarte zum Vorschein, auf der außer dem Namen nur noch eine Telefonnummer verzeichnet war. David wollte die Karte gerade wieder zurückschieben, als er den kleingefalteten Hunderteuroschein darunter bemerkte. Verwirrt hob er den Blick.
»Mein Mann und ich übernachten immer in getrennten Zimmern, weil mein Mann leider ganz furchtbar schnarcht.« Sie klimperte mit den künstlich verlängerten Wimpern. »Aus dem gleichen Grund wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn unsere Zimmer sich nicht nebeneinander befinden.« Sie berührte Davids Hand, die immer noch über der Visitenkarte mit dem Geldschein schwebte, mit den langen Fingernägeln. »Nehmen Sie das als ein kleines Trinkgeld für den zusätzlichen Aufwand.«
Hundert Euro waren für David eine Menge Geld. Er hatte Konrad immer noch nicht davon überzeugen können, ihm einen höheren Stundenlohn zu zahlen und traute sich auch nicht, ihm etwas vom Mindestlohn zu erzählen. Aber er scheute auch davor zurück, von dieser Kundin Geld anzunehmen, weil er sich nicht im Klaren darüber war, was sie dafür als Gegenleistung erwartete. Doch dieses Geheimnis lüftete sich im nächsten Moment.
»Bitte rufen Sie mich doch nach Dienstschluss auf meinem Handy kurz an, dann würde ich Ihnen gerne ein unumstößliches Angebot unterbreiten.«
David erstarrte zum ersten Mal an diesem Abend. Diese Frau wollte offenbar, dass er sie in ihrem Hotelzimmer besuchte. Die Schamesröte stieg ihm ins Gesicht. Er fühlte sich wie ein billiger Stricher, der für die nächste Dosis Chrystal Meth alles bereit war zu tun. Er schluckte. Patrizia Schmitz klimperte mit den Augen.
»Brauchen Sie sonst noch etwas von mir?«, fragte sie unschuldig.
Als David mit dem Kopf schüttelte, löste sie ihre Finger von seiner Hand und deutete auf den Ausweis.
»Sie sollten die Daten schnell eintragen. Mein Mann kann sehr ungehalten werden, wenn sein Zeitplan verzögert wird.«
Immer noch fassungslos nahm sich David den Ausweis und begann, die Daten in den Computer zu übertragen.
»Und das hier sollten Sie vielleicht schnell verschwinden lassen«, zwitscherte sie und wies auf Visitenkarte und Geldschein. »Mein Mann sieht das nicht so gerne.«
David warf einen Blick durch die rustikale Lobby. Herr Schmitz gestikulierte wild und blaffte spanische Sätze in sein Telefon. Offenbar war er jedoch gerade dabei, das Gespräch zu beenden, denn er erhob sich und kam mit langen Schritten auf den Tresen zu.
Mit einer winzigen Kopfbewegung deutete Frau Schmitz erneut auf die Karte und den Schein. David legte also folgsam seine Hand darauf und ließ beides in seiner Hosentasche verschwinden. Worauf ließ er sich da gerade ein? Er wollte mit dieser Frau nichts zu tun haben. Nie im Leben würde er sie in ihrem Zimmer aufsuchen. Ihr Mann erreichte den Tresen und verstaute sein Handy in seinem Jackett.

»Hast du alles geregelt?«, fragte er seine Frau.

»Es gibt leider keine Zimmer mehr nebeneinander«, sagte sie betrübt. »Aber das macht dir doch nichts, oder?«
Herr Schmitz schnaubte. »Das ist immer das Gleiche.« Er wandte sich an David: »Unser Sohn wird in genau dreiundzwanzig Minuten hier sein und uns abholen. Bitte verständigen Sie uns, wenn er ankommt.« Dann wandte er sich den Koffern zu. »Ich vermute, dass es auch keinen zweiten Kofferträger gibt.«
Der Satz schwebte in der Luft, ohne dass David in der Lage war, ihn zu beantworten. Er war vielmehr damit beschäftigt, auf dem Weg um den Empfangstresen herum einen Grund zu finden, warum er den schwarzen Koffer und nicht den rosafarbenen greifen und in das Zimmer des Mannes bringen musste. Aber er fand keinen. Herr Schmitz kam ihm zuvor, indem er nach dem schwarzen Koffer griff und ihn auf den Aufzug zu schob. David blieb nichts anderes übrig, als den anderen Koffer mit der kleineren Tasche obendrauf an sich zu nehmen.
»Ihr Zimmer ist in der ersten Etage«, sagte er möglichst freundlich zu dem Herrn, bevor er sich an dessen Frau wandte. »Und Ihres ist gleich hier um die Ecke im Erdgeschoss.«
Der Aufzug öffnete sich und verschluckte Herrn Schmitz. Seine Frau sah David erwartungsvoll an. Also machte der sich auf den Weg in den Gang, an dessen Ende das Zimmer lag, das er am liebsten nicht betreten würde. Zum Glück legte Frau Schmitz keinen Wert auf seine sofortige Anwesenheit und entließ ihn nach einem kurzen Rundgang und der erneuten Aufforderung, ein weiteres Kissen zu bringen.
David hielt ihr eine Minute später das gewünschte Kissen entgegen und war froh, kurz darauf wieder in der Lobby zu sein. Er holte den Geldschein und die Visitenkarte aus der Hosentasche und starrte beides an. Er drehte die Karte hin und her, die Schrift glänzte, kleine Sternchen waren rund um Namen und Telefonnummer wahllos verteilt. Die Rückseite war leer. Und der Geldschein war neu und ungebraucht.
David hatte sich gerade erst von der ungewohnten Erfahrung gefasst, als er von draußen Schritte auf dem Kies hörte. Er hob den Blick und erstarrte zum zweiten Mal an diesem Abend. Niemand anderes als Julian kam auf den Eingang des Hotels zu. Entgegen dem sonst üblichen Hoodie und der weiten Hose trug er einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd, dunkle Lederschuhe, aber immerhin keine Krawatte. Er war völlig auf sein Handy konzentriert und schien um sich herum nichts wahrzunehmen. Und auch wenn David ihn in den legeren Klamotten viel attraktiver fand, musste er sich eingestehen, dass Julian in diesem Aufzug extrem sexy aussah. Das Herz sackte ihm in die Hose, als Julian durch die weit offenstehende Tür trat, ohne die Augen von seinem Telefon abzuwenden. Er schlenderte auf dem Empfangstresen zu und stoppte einen Meter von David entfernt. Dann steckte er das Telefon in seine Hosentasche und hob den Blick. Er öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, brachte aber keinen Ton hervor.

»Hallo Julian«, sagte David zögerlich.

Julian starrte ihn sprachlos an. In David spielten die Gefühle verrückt. Er suchte verzweifelt nach den richtigen Worten, um Julian zu erklären, was damals mit ihm losgewesen war. Er wollte es nicht wieder vermasseln. Immerhin war Julian zu ihm gekommen. Auch wenn er gerade etwas überrumpelt wirkte, hatte er sich ja vermutlich Worte zurechtgelegt, die er David sagen wollte. Julian sagte immer noch kein Wort. In diesem Moment wurde David bewusst, dass Julian gar nicht wegen ihm hier war. Er hieß Schmitz. Und die beiden frisch angekommenen Gäste waren seine Eltern. Er wollte nicht zu David und er hatte sich auch keine Worte zurechtgelegt.
»Soll ich deinen Eltern Bescheid geben, dass du da bist?«, fragte David leise.
Julian gelang es offenbar jetzt, die Fassung wiederzuerlangen, und schüttelte den Kopf.
»Nicht nötig«, stammelte er. »Ich habe ihnen gerade geschrieben, dass ich hier bin.«
Dann drehte er sich um und steuerte den Ausgang an. David verzweifelt. Er hatte sich gerade wieder in diesen Jungen verknallt. Aber der drehte sich einfach um und ging. Das musste er verhindern. Also umrundete er eilig den Tresen und rannte Julian nach. Er holte ihn an der Tür ein und hielt ihn am Ärmel fest.
»Warte«, krächzte David.
Julian stoppte, sah erst David und dann dessen Hand an, die sich in den Ärmel des Jacketts verkrampft hatte. David ließ sofort los.
»Was?«, fragte Julian schroff.
»Lass uns reden«, murmelte David.
»Jetzt?«
»Natürlich nicht jetzt.«
»Wozu?«
»Ich will dir das alles erklären.«
»Das kommt ein bisschen spät, oder?«
»Gib mir ein paar Minuten.«
»Du hattest ein halbes Jahr Zeit.«
»Ich hatte Schiss!«
Julian sah ihn erstaunt an. Dann seufzte er.
»Montag Nachmittag. Ich schreibe dir.«
David nickte. Julian wandte sich ab und verließ das Hotel. Draußen lehnte er sich an das Auto seiner Eltern und schien wieder voll auf sein Handy konzentriert zu sein, bis seine Eltern aus ihren Zimmern kamen und mit ihm wegfuhren.
David hielt sich mit zitternden Händen an der schweren Holztür fest und sah dem Bentley nach, der Kies spritzend den Hof verließ. Immerhin hatten sie ein paar Worte miteinander gewechselt. Das war mehr, als in den letzten Monaten.

© Stephan Meyer, Köln 2022 – Alle Rechte vorbehalten


Das war das neunzehnte Kapitel des Fortsetzungsromans Dorfidylle. Hast du Fehler gefunden? Ist irgendwas unlogisch? Schreib es mir unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Rückmeldungen.


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