Kennst du jemanden, der sich als schwul geoutet hat?
Zum Glück ist das Outing in den letzten Jahren immer leichter geworden, weil es in den vergangenen Jahren eine breite gesellschaftliche Diskussion zu dem Thema gab. Trotzdem ist das Outing für jeden immer noch ein individueller Prozess, weil er eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner eigenen Sexualität bedeutet. Und da die meisten Menschen in heterosexuellen Familien aufwachsen, fehlt es oft noch an Vorbildern, an denen sich Jugendliche und junge Erwachsene orientieren können.
Wenn das Outing erst einmal vollzogen ist, die engere Umgebung, Freund.innen, Familie und Arbeitskolleg.innen eingeweiht sind, dann fällt es den Menschen im Laufe der Zeit auch immer leichter, darüber zu sprechen und Normalität in ihr Leben einkehren zu lassen. Und irgendwann wird es einfach langweilig, darüber zu sprechen, weil man in einer festen Beziehung lebt, das Umfeld völlig normal mit dem schwulen oder lesbischen Leben umgeht und sich nach und nach die alltäglichen Kleinigkeiten in das Gefüge einschleichen, die auch bei heterosexuellen Menschen an der Tagesordnung stehen.

Das Outing ist die spannende Zeit
Darum beschäftigen sich viele schwule Romane und Geschichten auch in erster Linie mit dem anfänglichen Geschehen, mit dem Zeitpunkt, an dem ein Mensch an sich zweifelt, sich zum ersten Mal verliebt, verzweifelt und schließlich mit dem Bekenntnis zur eigenen Homosexualität an die Öffentlichkeit tritt. Das Coming-out ist der spannende Prozess. Was danach kommt ist oft eher unbedeutend.
Auch in meinen Geschichten dreht es sich daher in erster Linie um Menschen, die das Coming-out gerade durchlaufen. Hast du schon einen meiner Romane gelesen? Dann kennst du vielleicht Tom schon. Der Zwanzigjährige lebt zu Beginn des ersten Bandes der GayStorys noch bei seinen Eltern in einem kleinen Dorf nahe der französischen Grenze und stellt fest, dass in seinem Leben eine Menge ziemlich schief läuft. Sein Job langweilt ihn, er ist in einer Affäre mit einer Schulfreundin gefangen und die Enge im Dorf geht ihm ziemlich auf die Nerven. Er könnte aus dieser Welt ausbrechen, doch er traut sich einfach nicht, weil es so einfach ist, den gewohnten Weg weiter zu gehen. Aber dann ist da dieses sexuelle Begehren, das er Männern gegenüber empfindet. Er schwankt also zwischen seiner Bequemlichkeit und dem Wunsch, etwas Neues anzufangen.

Viel mehr möchte ich dir über Tom erst Mal nicht erzählen, denn das sollst du ja selbst lesen. In den Geschichten, die sich an den ersten Band anschließen, kannst du Toms Erlebnissen weiter folgen. In manchen Texten, die zum Teil erst in Planung sind, treten aber auch Figuren in den Vordergrund, die in den ersten Geschichten nur am Rande eine Rolle spielen. Im Laufe der Zeit lernst du immer mehr Menschen aus Toms Umfeld kennen und kannst miterleben, wie sie ihren Weg ins Leben gestalten. Wenn du Lust hast, dann steig doch immer tiefer in die Welt von Tom und seinen Freunden ein.



