Alexandra Balzer

Sandra Gernt Autorin

Mein Name ist Alexandra Balzer, unter diesen Namen schreibe ich Fantasy allgemein in verschiedenen Subgenre, zumeist aber High Fantasy. Im queeren Genre bin ich v.a. bekannt unter Sandra Gernt (Gay Fantasy/Gay Romance) und Sonja Amatis (Gay Fantasy Crime) sowie Filia V. Veritas (Gay Hardcore Psychothriller). 

Ich bin Jahrgang 76, ace/demi, verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Beruflich bin ich eigentlich Krankenschwester (nennt sich heute Pflegefachkraft), aufgrund von diversen Autoimmunerkrankungen bin ich leider berufsunfähig geworden. Darum bin ich mittlerweile hauptberuflich Autorin.

Sandra ist übrigens der Name, mit dem meine Eltern mich von Geburt an gerufen haben, und „Gernt“ ist mein Mädchenname. Unter diesem Pseudonym, das ich mittlerweile als Künstlername offiziell habe eintragen lassen, habe ich den Hauptanteil meiner Bücher veröffentlicht. 


Für wen schreibst du?

Ich schreibe immer zuerst für mich selbst und freue mich, dass so viele wundervolle Menschen genießen, was ich schreibe und welche Welten ich entwickle. 

Wer oder was motiviert dich zum Schreiben?

Schreiben ist sowohl mein allerliebstes Hobby als auch mein Hauptberuf, neben Lektorat und ein bisschen Coverdesign. Als ADHS-Autistin brauche ich beständige Abwechslung und ausreichend Chaos – ich plane meine Geschichten nie! Meine Helden setzen sich zu mir auf die Couch und erzählen mir von ihrem schwierigen Leben. Damit ich weiß, wie es weitergeht, muss ich halt sehr schnell und viel schreiben und ich wechsle beständig durch die Subgenres. Länger als vier Wochen kann ich mich nicht gut mit einem einzigen Skript beschäftigen, egal wie kurz oder lang es ist. Spätestens nach sechs Wochen muss es raus in die Welt, also fertig geschrieben, fremdlektoriert, korrigiert, mit selbst geschaffenem Cover versehen und mit all den hübschen Kapitelbildern und Absatztrennern geschmückt, die ich so sehr liebe. Völlig egal, ob das Skript 30.000 oder 150.000 Wörter hat, ich muss fertig werden. 

Ynwora Sandra Gernt Autorin

Ich brauche aber auch Beständigkeit, weswegen es nicht wahrscheinlich ist, dass ich in zwei Jahren beschließen könnte, eine Karriere als Konditorin zu beginnen. Schreiben ist mein Ding, es macht mich glücklich, schafft Stabilität, ist sehr therapeutisch und befreiend – und bezahlt meine Rechnungen. 

Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten? 

Prinzipiell kann ich überall schreiben. Ich liebe es, per Hand meine Notizbücher zu füllen, was auch im Zug oder am Strand ganz wundervoll funktioniert. Bin ich im Flow, stört mich auch der plärrende Fernseher und meine chaotische Familie nicht. Am besten funktioniert es aber mit epischer Musik auf den Ohren, auf der Couch, unter meiner Lieblingskuscheldecke. 

Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?

Ich versuche, über realistische Menschen mit echten, „normalen“ Problemen zu schreiben. Mir liegt Thomas aus dem Ruhrpott, der an Asthma leidet und gerade sein Studium beendet hat, einfach mehr am Herzen als Jarod, der Multimillionär/Clubbesitzer/BDSM-Master mit dem Traumbody, für den er nichts weiter tun muss, als möglichst häufig Pizza und Burger zu essen. Natürlich hat er einen bügelfaltenfreien Topcharakter und ist superintelligent. (Nichts gegen Fantasy-Figuren! Ich liebe Fantasy! Diese Sorte trifft bloß nicht meinen persönlichen Geschmack). Ich schreibe Frauen nicht nur als „beste Freundin“, „schreckliche homophobe Mutter“ oder grässliche Ex-Frau. Mir ist es extrem wichtig, dass meine HeldInnen mehr sind als bloß ein Trope, ein Etikett. Egal ob die Geschichte in einer dystopischen Zukunftswelt, einem pseudo-mittelalterlichen Fantasy-Setting oder zeitgenössisch im Hier und Jetzt spielt, alles soll gefühlsecht sein, nachvollziehbar, durchaus auch mal kontrovers. 

Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?

Eine schwierige Frage. Ich denke, ich habe gerade im Bereich Gay Fantasy einiges beizutragen, das über „Wandlereinerlei“ und Omegaversum hinausgeht. Gestaltwandler liebe ich tatsächlich, ich finde es bloß sehr schade, wenn es sich auf möglichst viel originellen Spice begrenzt. Ich habe ein, zwei Bücher, die eher spicy sind, in aller Regel ist das allerdings ein wenig präsentes Nebenelement in meinen Geschichten. Jene LeserInnen, die mehr Wert auf Charakterentwicklung, Spannung und Handlung legen, können es also gerne bei mir versuchen.

Erzähl doch bitte ein wenig über deinen letzten Roman (oder über das Buch, das du von deinen Büchern am liebsten magst).

Verräterseele Sandra Gernt Autorin

Mein Februarbuch war „Verräterseele“ unter Sandra Gernt. Ein Romantasy, in dem ich das Thema Loyalität in schwierigen Zeiten auslote. Einige Leser haben zurückgemeldet, dass sie sich hier an aktuelle Weltereignisse (aka Russland/Ukraine) erinnert fühlten. Tatsächlich hatte ich beim Schreiben die Erbfolgekriege zwischen Frankreich und England im Mittelalter vor Augen und es gibt da definitiv keine zeitgenössischen Parallelen oder Allegorien, die ich statuieren wollte. So etwas vermeide ich, auch wenn es sich nicht immer verhindern lässt, da ich über alles schreibe, was mich in irgendeiner Weise beeinflusst. 

Mein Hauptheld ist ein Heiler und ich hatte sehr viel Freude an den Passagen, in denen es um Medizin, Kräuterheilkunde und Pflege geht, weil ich da aus dem Vollen schöpfen kann. In dieser Welt, die sich technisch irgendwo im 12. Jahrhundert befindet, ist die Heilkunde sehr fortschrittlich. Man weiß um die Wichtigkeit von Hygiene, die alte Säftelehre mit Aderlass etc. ist gar kein Thema und man nutzt die gesamte Palette der Heilkräuter, Pilze, Moose uvm. Meine Welt ist also keine 1:1 Nachbildung der Realität, obwohl ich in dieser Hinsicht nichts neu erfinde.

Das Worldbuilding geht in diesem Buch nicht so stark in die Tiefe, wie es möglich gewesen wäre – ich deute beispielsweise ein hochkomplexes Religionssystem mit multiplen Göttern an, ohne es wirklich zu erklären, von zwei, drei Fragmenten in Nebensätzen abgesehen. In meinem Kopf ist das System „da“, ich weiß, dass es tausende verschiedene Gottheiten gibt, die ähnlich wie im Hinduismus organisiert werden. Die Geschichte benötigt dieses Wissen nicht. So halte ich es meistens. Oft verbringe ich etliche Stunden mit glücklicher Recherche über die verschiedensten Themen, um anschließend einen halben Nebensatz darüber ins Skript zu bringen. Ich schreibe schließlich keine Fachbücher.

Eilean Donan Castle Sandra Gernt Autorin

Einen einzelnen Liebling unter meinen Büchern habe ich nicht. „Nennitas Sohn“ liegt mir sehr am Herzen, in dem ich die Geschichte eines Sprachgelehrten schreibe, der in ein fremdes Land zwangsverheiratet wird. Er versteht kein einziges Wort der Landessprache, und weil ihm viel Gewalt widerfährt, schafft er es zunächst auch nicht, auf andere Art zu kommunizieren. Doch er kämpft sich durch und beweist, dass man nur den Willen benötigt, zu verstehen und verstanden zu werden. „Das Gesetz der Ynwora“ hat einen ganz besonderen Platz, weil es hier im Kern um Familie und Brüder geht – ich habe es geschrieben, als mein großer Bruder im Sterben lag. Die Saga um „Jarid“ liebe ich, weil das dahinterstehende Magiekonzept so zauberhaft ist. „Die Birmingham-Akten“ leben von den Charakteren, insbesondere den Nebenfiguren, wie einem Golem mit sehr zarter Seele, und einem fußballverrückten Troll. 

Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?

Seit 2009, als ich „Die Ehre der Am’churi“ im Dead Soft Verlag veröffentlicht habe, sind es aktuell 167 Titel geworden. Dazu zählen auch eine Handvoll Kurzgeschichtenbeiträge in Anthologien. Seit 2012 bin ich fast ausschließlich Selfpublisherin, mit einem Ausreißer für einen lesbischen Fantasyroman mit dem Titel „Shayna“, der im Telegonos-Verlag erschienen ist. Ich habe meine Verlagsbücher allerdings nicht zurückgeholt und arbeite weiterhin gerne mit Dead Soft zusammen, wenn es um Neuauflagen oder Gesamtausgaben der alten Titel geht. 

Woran arbeitest/schreibst du gerade?

Das Märzbuch ist ein Sonja Amatis. Hier spielt ein junger Mann die Hauptrolle, der völlig aus Versehen entdecken muss, dass er ein Fledermauswandler ist – in einer Welt, in der Gestaltwandeln illegal ist. Ich weiß noch nicht, wie dystopisch sich die Hintergründe entwickeln werden, ich denke eher, dass es humorvoll sein sollte. Außerdem habe ich die Möglichkeit, meine gesamte Backlist auf Englisch zu übersetzen (durch echten menschlichen Einsatz). Das wird ein Mammutprojekt, das auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Ein erster Titel ist erschienen, das nächste sollte Anfang April rauskommen. Beim Thema Hörbücher hatte ich bislang sehr viel Pech, ich bin aber weiterhin entschlossen, auch hier weiterzukommen. 

Ansonsten lektoriere ich gerade ein ganz wundervolles Buch und helfe einigen Autoren des Telegonos-Verlages, der Ende des Jahres seine Pforten schließt, ins Selfpublishing. 

Welche Messen stehen dieses Jahr an?

Ich werde auf der 1. Buchmesse der Stadt Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) ausstellen: 26.4. 

Die Buchpassion Bremen steht an: 3.5. 

Ein Herzensevent ist jedes Jahr das Queere Bücherfest auf Hof Birkenkamp (Mecklenburg-Vorpommern): Pfingsten – 7.-9.6. 

Und ein weiteres Event ebendort, das Magische Herbstfest: September/Oktober, Termin steht noch nicht

Die Queer Book Fair in Frankfurt: 18.10.

Und die Buchwelten Münster: 22.11. 

Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?

Ich habe eigentlich immer meine Heimat in der High Fantasy allgemein gesehen und 2008/2009 aus Versehen einen Gay High Fantasy geschrieben. Zu der Zeit gab es das in Deutschland nicht so wirklich und ich wusste noch nicht einmal, was ich damit jetzt anfangen soll. Mir wurde der Dead Soft Verlag empfohlen. Nach der Veröffentlichung kam plötzlich Fanpost rein, wo wildfremde Menschen sich bei mir bedankten, weil sie mein Buch lesen durften. Weil ich ihre Sehnsucht nach queerer Fantasy erfüllen konnte. Ich bin diesem Genre seitdem treu geblieben und habe es noch keine Sekunde bereut. 

Foto: Saskia de West


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