Der schönste Tag im Leben eines Mannes!
Am liebsten würde ich immer wieder heiraten. Ich weiß, das klingt ein bisschen schräg, aber ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich so darauf abfahre. Mein Mann und ich waren fast zehn Jahre zusammen, bevor wir geheiratet haben, und sind in dieser Zeit durch viele wunderbare und anstrengende Zeiten gegangen. Nicht alle hatten mit unserer Beziehung zu tun, aber immerhin ein paar. Immer mal wieder haben wir uns darüber unterhalten, ob wir heiraten sollten. Und immer haben wir die endgültige Entscheidung auf später verschoben. Vielleicht war das ganz gut so, denn sonst würden wir vielleicht nicht an dem Punkt stehen, an dem wir heute sind.
Pandemie versus schwule Hochzeit?
Und dann kam die Corona-Pandemie. Plötzlich stand für uns die Frage im Raum, was denn eigentlich passieren würde, wenn einer von uns in Krankenhaus käme. Wer dürfte Entscheidungen fällen? Darf der eine den anderen besuchen? Wer erhält Informationen von den Ärzt.innen? Also haben wir uns mit Patientenverfügungen beschäftigt. Und während wir die langen Formulare ausgefüllt haben, ist uns klar geworden, dass all diese Dinge viel einfacher werden, wenn man verheiratet ist. Aus diesen Überlegungen ist der Entschluss erwachsen, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen. Wir haben also beschlossen, zu heiraten.

Das klingt ein bisschen unromantisch, das ist mir klar. Aber immerhin hatten wir uns ein paar Jahre zuvor schon in einer verregneten Nacht nach einem unnötigen Streit auf einer der Kölner Rheinbrücken verlobt. Das ist schon ein bisschen romantischer, oder?
Romantik versus Pragmatismus?
Trotzdem war es damals, Anfang 2021, erst einmal eine vernunftbasierte Entscheidung. Außerdem hatte Corona noch einen großen Vorteil, weil sie uns von einem ewigen Konfliktpunkt erlöste: Die Familie meines Mannes ist sehr klein, er hat wenige, dafür sehr enge Freund.innen. Bei mir sieht das völlig anders aus: Meine Familie besteht locker aus sechzig Menschen (eine Mutter, ein Bruder, eine Schwägerin, zwei Nichten, elf Cousins, vier Cousinen, sieben Onkel, sechs Tanten, vierzehn Großcousins und -cousinen, teilweise mit geschiedenen und neuen Partner.innen – rechnet selbst aus, wie viele das dann sind). Und ich habe eher viele Freund.innen, die mittlerweile teilweise eigene Kinder haben und gerne in Begleitung ihrer Partner.innen unterwegs sind. Insgesamt ergibt das also ein doofes Ungleichgewicht zwischen meinen potentiellen Gästen und denen meines Mannes. Mal abgesehen davon, dass keiner von uns beiden wirklich Bock auf die Organisation einer riesigen Party hatte, deren Finanzierung uns vermutlich schmale Kost in den Folgemonaten beschert hätte. Durch Corona brauchten wir gar nicht einladen und planen, weil sowieso nichts planbar war. Also haben wir meine Mutter und seine Eltern eingeladen. Aus die Maus.
schwule Hochzeit

Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, waren die auswärtigen Freund.innen, die, als sie hörten, dass wir heiraten, einfach mal ein Hotelzimmer in Köln gebucht haben. Wir konnten denen ja schlecht sagen, dass wir sie nicht sehen wollen. Also haben wir langsam die Türen weiter aufgemacht und nach und nach ein paar Freunde eingeladen.
Letzte Fallstricke der schwulen Hochzeit
Das Café, in dem wir dann im überschaubaren Rahmen feiern wollten, hatte – wie so viele Gastronomen in der Zeit – ein Personalproblem: Sie hatten einfach nicht genug Leute. Aber sie haben uns angeboten, uns mit Kuchen und Essen zu beliefern. Wir haben zugesagt und das war eine der besten Entscheidungen ever. Während wir also auf dem Standesamt waren, haben die Cafébetreiber.innen Kuchen, Torten, Suppen, Brot und Geschirr in unsere Wohnung gebracht. In der Zwischenzeit ist allerdings etwas sehr Denkwürdiges passiert:

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich die Zeremonie in der Alten Rentkammer des historischen Rathauses zu Köln so aus den Socken hauen würde. Die Standesbeamtin hatte goldene Pumps an den Füßen, ich hatte im Schrank eine schwarze Hose und ein sauberes Hemd gefunden und mein Mann hatte sich für einen Hoodie entschieden. Kein großes Brimborium. Das passt gut zu uns. Und als es an den offiziellen Teil ging, als wir uns erhoben und voreinander standen, da wäre ich fast zusammengebrochen. Ich hatte das Gefühl, heulen zu müssen und ich musste mich an die Brust meines Mannes anlehnen, um die Fassung zu bewahren. Denn das, was wir da gerade taten, war mit Abstand das Beste, das ich in meinem Leben erlebt hatte. Und das wurde mir in diesem Moment schlagartig klar. Ich wollte nichts lieber, als diesen Mann da vor mit heiraten und mit ihm alt werden.
Was wirklich wichtig ist
Heiraten im kleinen Kreis ist wunderbar. Andere brauchen hundertzwanzig Gäste. Ich war einmal auf einer türkischen Hochzeit eingeladen – mit sechshundert Gästen. Für uns war der Rahmen mit dreißig Leuten perfekt. Denn das Wichtigste ist ja doch, dem Menschen, den ich liebe, das Jawort zu geben.

Versteht ihr, warum ich immer wieder heiraten möchte?
Das war es von mir. Liebt die Menschen in eurem Umfeld: eure Eltern, Partner.innen, Freund.innen, Kinder und Großeltern. Denn Menschen machen das Leben aus.
schwule Hochzeit



