»Humor ist ein Stück Treibholz auf dem Brackwasser der Seele.«
Schreibst du unter Pseudonym? Und wenn ja: Warum?
Jein. Auf meiner Geburtsurkunde steht Philipp Wilhelm Wimmer. Im Jahr 2017 habe ich, damals noch als Schauspieler tätig, meinen Künstlernamen Philipp W. Wilhelm in sämtliche Ausweisdokumente eintragen lassen. Seitdem lebe und arbeite ich offiziell unter diesem Namen.
Es gibt allerdings noch eine andere Seite von mir, die ich KYNDZKOPF nenne. Dies ist meine lyrisch-digitale Persona, mit der ich mich im Internet bewege. Unter dem Pseudonym KYNDZKOPF schreibe ich (Dark) Poetry und (Dark) Comedy ins Internet.
Wo kommst du her, wo lebst du heute und wo würdest du gerne leben?
Geboren wurde ich 1981 in Niederbayern und lebe mit meinem Mann, zehn Vogelspinnen, drei Kronengeckos, einem Goldstaub-Taggecko sowie einer afrikanischen Eierschlange in München. Hättest du mir das vor dreißig Jahren erzählt, hätte ich dir wohl `nen Vogel gezeigt. »Was? Ich verheiratet?! Schlangen in der Wohnung?!? Spinnen?!? Never ever!«.
Tja, was soll ich sagen: ich möchte dieses Leben nicht missen, im Gegenteil: das gemeinsame Hobby von meinem Mann und mir ist ungemein bereichernd. Es gibt mir nach einem stressigen Arbeitsalltag Ruhe und entspannt mich, in diese kleinen exotischen Terrarien-Welten einzutauchen.
Und München ist meine Wahlheimat, ich fühle mich hier tierisch wohl. Und in unserer kleinen Mensch-Tier-Kommune am allerwohlsten.
Wer bist du, wie definierst du dich und wer würdest du gerne sein?

Siebzehn Jahre war ich als freischaffender Schauspieler tätig. Daher hatte ich bereits das Vergnügen, in viele Leben (aka Rollen) zu schlüpfen. Heute bin ich froh, einem geregelten Job in der Medienbranche nachzugehen und definiere mich maximal über Attribute, die andere mir zuschreiben: ruhiger Typ mit Schalk im Nacken, etwas melancholisch, voller Hoffnung und dem Wissen, dass immer alles gut wird.
Für wen schreibst du?
In erster Linie für mich. Denn nur, wenn ich mir selbst und meinen Worten glaube und vertraue, kann auch das Außen Wahrheit in den Zeilen finden.
Wer oder was motiviert dich zum Schreiben?
Das Wissen und die leise Hoffnung, dass andere zwischen den Zeilen lesen und das Offensichtliche hinterfragen. Dann habe ich meinen Job als Autor und Kreativkopf gut gemacht.
Wo schreibst du am liebsten?
Ich habe vieles ausprobiert – am allerliebsten zuhause in meinem Arbeitszimmer, gerne ab 21 Uhr. Ich war früher ein Nachtmensch und spüre immer noch, dass meine Gedanken sich dann sortieren und zu Bildern formatieren, wenn die Welt um mich herum zur Ruhe kommt und schläft. In der Zeit bin ich am produktivsten.
Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?
Meine Texte und Miniaturen sind recht verspielt, wirken oft wie Oneliner (z.B. »Das Leben ist kein Ponyhof, sondern ne Pferdemetzgerei» oder »Das Kinderparadies möchte aus dem Kind abgeholt werden.«). Sie sind meist mit einen Spritzer Melancholie und/oder Zynismus/Sarkasmus versehen – immer mit Humor.
In meinem Debütroman »Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken« zeige ich reale Personen, allerdings zum größten Teil aus der Perspektive eines Kindes. Dadurch bekommen die Figuren etwas „Überlebensgroßes“, ohne sie wirklich zu überzeichnen.
Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?
Mein Roman ist an all die Menschen gerichtet, die einen Faible fürs Nostalgische (80er/90er) haben, Popkultur aus der Zeit lieben (He-Man, die BRAVO, The Rocky Horror Picture Show), und natürlich alle Lesenden, die das klitzekleine Gefühl des „Andersseins“ in sich tragen.
Meine Textesammlung »Existenzielle Dramen. Ein literarisches Universum« ist für alle geeignet, die sich gerne schwarzem Humor annähern wollen und die keine Scheu davor haben, durch ein Becken voller Absurditäten zu tauchen.
Erzähl doch bitte ein wenig über deinen Debütroman

»Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken« ist in erster Linie ein autofiktionaler Roman, der sich mit den Themen „Aufwachsen als queeres Kind in den 80ern“ beschäftigt und sich die Frage stellt: „Was geschieht mit einem Leben, wenn man in einem Umfeld groß wird, das – aus vielen Gründen – lieber weg- als hinschaut.“
Zudem ist es auf dem deutschen Markt das einzige Belletristik-Werk, das sich mit der „Rocky Horror Picture Show“ beschäftigt. Der Fokus liegt nicht direkt auf dem Film, aber er war für mich sehr früh ein Wegweiser, was das Erforschen der eigenen Identität angeht. Und seit über dreißig Jahren beschäftige ich mich mit diesem Kultphänomen. Daher war es an der Zeit, dem kleinen Musical von Richard O`Brien eine weitere Stimme zu verleihen.

Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?
Mein Roman »Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken»
Meine Textesammlung »Existenzielle Dramen. Ein literarisches Universum«
Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?
»Ich musste beim Lesen deines Romans an meinen Bruder denken und habe jetzt erst verstanden, wie es sich wohl angefühlt hat, damals anders zu sein. Leider lebt er nicht mehr. Ich hätte ihn gerne noch mehr befragt«.
Das kam von einer sehr weisen, älteren Schauspielerin (92 Jahre!), die noch vor Veröffentlichung des Buchs einen Manuskript-Entwurf gelesen hat.
Und genau deshalb schreibe ich: um andere anzuregen, über sich und ihr Umfeld nachzudenken. Ich schreibe nicht mit der moralischen Keule im Kopf, sondern mit dem Wissen, dass Worte Bilder entstehen lassen. Die Bewertung dieser Bilder sind den Lesenden überlassen.
Fotos: Nadya Jakobs



