Aristoteles und Dante

Mein Highlight der letzten Jahre

Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums.

Mittlerweile habe ich dieses Buch schon dreimal gelesen und ich kriege nicht genug davon. Eine Kollegin, der ich das Buch zum Geburtstag schenkte, sagte zwar, ihr sei das Ende ein bisschen zu kitschig gewesen, aber das liegt vielleicht daran, dass dieser Roman ein Jugendbuch ist und ein Happy End braucht. Wobei das schon in dem Moment, in dem ich das so schreibe, schräg klingt. Mich hat das Ende auf jeden Fall überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil. Ich mag es ja, wenn die Geschichten, die ich lese, letztendlich auch gut ausgehen. Aber vermutlich greife ich damit jetzt schon viel zu weit vor und erzähle euch zu viel vom Buch. Wobei ihr selbst ein paar Seiten vor dem Ende des Buches keine Ahnung haben werdet, was genau ein „gutes Ende“ in diesem Fall bedeuten könnte. Denn in diesem Roman läuft vieles anders, als man es als Leser erwartet.

Inhaltlich möchte ich gar nicht allzu viel erzählen. Nur so viel: Es geht um eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen und um die Gefühle zueinander. Das muss reichen.

Viel relevanter finde ich die Sprache des Schriftstellers Benjamin Alire Sáenz. Sie ist auf angenehme Weise spröde und fast ein wenig unnahbar. Der Autor verliert sich nicht in Beschreibungen von Kleidung und Landschaften, sondern bleibt ganz nah an den Figuren und ihren relativ einfachen Bedürfnissen. Über lange Strecken erschließt sich die Handlung in erster Linie durch Dialoge. Und diese sind dem Alter der beiden Hauptfiguren angemessen: Sie verlieren nicht viele unnötige Worte, sondern sind einfach füreinander da. Ganz egal, was passiert.

Gleichzeitig nähert man sich als Leser den beiden Figuren Ari und Dante beinahe zart und vorsichtig an, bekommt nach und nach einen tiefen Einblick in ihre Seelen und ihre Befindlichkeiten. Genau das hat mich von Anfang an gefesselt.

Die Hauptfigur Ari ist so weich, wie ich es selten in einem Jugendbuch erlebt habe. Oft treten die Figuren schon stark und gefestigt auf, damit sie ein gutes Vorbild abgeben. Aber genau das passiert in diesem Roman nicht. Ari wird vielmehr von seinen Emotionen getragen und eckt damit immer wieder an. Doch das stört nicht, es macht den Weg zu ihm und seinen Gefühlen sehr elegant auf und hat mich immer wieder in den Bann gezogen.

Denn in Vielem, was er fühlt und erlebt, entdecke ich mich selbst wieder. Ich sehe mich in dem Alter mit all meinen Widersprüchen und komischen Denkweisen. Ich erlebt meine eigenen Zweifel am Leben noch einmal neu und kann sie mit meinem heutigen Wissen abgleichen. Immer wieder möchte ich Ari zurufen, dass er doch noch so jung ist und sich auf dem Weg seines Lebens Zeit lassen kann. Aber vermutlich würde er nicht auf mich hören und sowieso seinen ganz eigenen Weg gehen.

Wie gerne hätte ich mit vierzehn einen solchen Roman gelesen. Um wieviel einfacher wäre mir der lange Weg zu mir selbst und speziell zu meinem Outing gefallen, wenn ich einen Schriftsteller wie Benjamin Alire Sáenz an meiner Seite gewusst hätte. Stattdessen musste ich mich allein durch all die Dinge schlagen, die sich mir damals in den Weg geworfen haben. Natürlich bin auch ich meinen Weg gegangen, aber auf viele Umwege und Unsicherheiten hätte ich verdammt gut verzichten können. Umso glücklicher bin ich dann heute darüber, Bücher wie dieses in die Hände zu kriegen und zumindest im Nachhinein einen Weg aufgezeigt zu bekommen, wie es auch hätte sein können, wenn nicht alles so gewesen wäre, wie es war.

Dreimal habe ich diesen Roman gelesen und ich könnte sofort wieder von vorne anfangen.


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