Vom Schreiben leben

Stephan Martin Meyer

Wovon lebt eigentlich so ein Autor?

Nur von der Liebe zur Literatur allein können nur wenige Menschen leben. Und vor allem, wenn ich in einen neuen Bereich des Schreibens vorstoße, wie ich es mit den GayStorys tue, ist es natürlich ungewiss, ob die Verkäufe meiner Bücher so viel Geld einspielen, dass ich damit meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Daher beschäftige ich mich in meinem beruflichen Dasein auch noch mit anderen Dingen. 

Finanziell erfolgreich ist zum Einen die Arbeit als Grafiker. Für Verlage und Selfpublisher gestalte ich Bücher und Cover. Schon während meines Studiums habe ich für einen großen Kölner Verlag gearbeitet und in der Funktion an der Publikation von Büchern in skandinavischen Sprachen mitgearbeitet. Das war damals ein tolles Umfeld, denn der Verlag hatte seinerzeit Menschen aus über zwanzig Sprachen zusammengerufen, um seine Bücher professionell übersetzen zu lassen. In einem großen Bürogebäude arbeiteten in der Folge in jedem Raum Menschen aus anderen Nationen, die sich ausgetauscht und die zusammengearbeitet haben. Und da viele neu in der Stadt waren, haben sich ziemlich schnell Kontakte ergeben, die über den Arbeitsalltag hinausgingen. Ich habe nie wieder so viel über andere Menschen und nationale Besonderheiten kennengelernt. Im Prinzip war das ein Vorzeigemodell gelungener Integration. 

GayStorys gesamt

In diesem Umfeld habe ich meine ersten Erfahrungen mit der Buch-Herstellung gemacht. Meine Kontakte aus dieser Zeit haben wir nach dem Studium schnell zu Jobs verholfen. In einem kleinen Verlag war ich beispielsweise für die gesamte Buchproduktion zuständig, von der Autorenbetreuung über das Lektorat bis zur Herstellung, der Kommunikation mit den Druckereien und dem Vertrieb. Und natürlich gehörte auch der Buchsatz dazu, wobei das damals konkret von einem Grafiker übernommen wurde. 

Mit dem Schritt in die Selbständigkeit bin ich auch immer wieder in die Buchproduktion eingetaucht. Mehr und mehr habe ich mit der dafür üblichen Software gearbeitet und die Details des Buchsatzes gelernt. Bis ich mich schließlich entschieden habe, genau diese Arbeit in mein Portfolio aufzunehmen und mir mit Herrn Meyers Buchmacherei ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Seitdem entstehen immer mehr Buchprojekte unter meinen Fingern.

Was haben nun diese Erfahrungen in einem schwulen Newsletter zu suchen? Wer sich mit seiner Sexualität auseinandersetzt – und das tun alle, die nicht in die Norm des klassischen Familienbildes passen – erfährt dabei oft nicht nur viel über sich selbst, sondern auch über andere Menschen. In den meisten Fällen führt das zu einer erhöhten Toleranz anderen gegenüber. Und die Erfahrungen geben Raum für neue Perspektiven. Eine berufliche Laufbahn muss nicht immer geradlinig sein. Sie muss nicht zwingend den Normen einer Gesellschaft folgen. Sie kann auch in vielen Umwegen verlaufen, die sich dann je nach Lesart im Lebenslauf als unstet oder als innovativ zeigen.

Schwule und Lesben, Transgender und Bisexuelle sind natürlich nicht per se toleranter als heterosexuelle Menschen. Aber viele stellen sich der Welt doch mit einem offeneren Blick und gehen unter Umständen ungewohntere Wege. Weil sie das ja schon von der frühen Auseinandersetzung mit sich selbst gewohnt sind. Mir ist es zumindest genauso ergangen und ich bin dankbar für den Weg, den ich in meinem Leben gehen durfte.

Öffnet die Augen und schaut euch um, welche Wege und Menschen ihr bislang um euch herum übersehen habt. Meist liegen die Lösungen für die großen Fragen direkt vor dir, ohne beachtet worden zu sein.

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