Ingo S. Anders

Ingo S. Anders Autor

Ingo S. Anders – der Name ist Programm: Ingo schreibt anders. Mal hart, mal zart, oft queer, meist kurz. Und immer aus dem Bauch raus. Er ist Own Voice bei den Themen trans* Mann, psychische Krankheit, chronische Krankheit, Behinderung und Rollstuhlfahrer. Der Rheinländer hat im sonnigen Hamburger Süden eine neue Heimat gefunden und wenn er nicht in Wartezimmern liest, bleibt er zu Hause, weil ihn seine neueste Krankheit so sehr aus den Socken gehauen hat, dass sein Akku kaputt ist. Schreiben kann er noch und tut es auch an guten Tagen.


Schreibst du unter Pseudonym? Und wenn ja: Warum?

Ich habe mich für ein Pseudonym entschieden, weil ich große Angst vor Stalking hatte und absolut nicht einschätzen konnte, ob ich mit meinem Debüt über Nacht berühmt werden würde. Zum Glück ist das nicht passiert. 😉

Wo kommst du her, wo lebst du heute und/oder wo würdest du gerne leben?

Ich würde gerne in einem friedlichen, queerfreundlichen und barrierefreien Hamburg leben. Im Augenblick ist meine Welt nur ein Ausschnitt Hamburgs, sehr oft sogar nur mein 20qm-Apartment. Gäbe es an Veranstaltungsorten Rückzugsräume mit Liegemöglichkeiten, wo ich in Stille pausieren könnte, dann wäre sehr viel mehr soziale Teilhabe möglich. Leider habe ich nicht mal bei meinen Pflichtterminen in Arztpraxen die Möglichkeit, im Liegen und erst recht nicht in Stille zu warten.

Wer bist du, wie definierst du dich und/oder wer würdest du gerne sein?

Ingo S. Anders Autor

Es gibt viele queere Autor:innen, aber nicht alle davon sind auch behindert und sicherlich leiden die wenigsten an Myalgischer Enzephalomyelitis. ME ist – wenn auch weitgehend unbekannt – zwar nicht überaus selten, führt allerdings meist dazu, dass einem die Kraft dazu fehlt, weiterhin zu schreiben, geschweige denn Marketing zu betreiben. Gerne wäre ich gesund und würde in meinem Ausbildungsberuf als Verwaltungsfachangestellter in Vollzeit arbeiten. Das Leben als Berufspatient ist weitaus anstrengender. Leider ist mir dies nicht vergönnt und so mache ich das Beste daraus.

Für wen schreibst du?

Meine Zielgruppe ist sehr heterogen. Mal wende ich mich aufklärerisch an diejenigen, die Allys werden könnten, mal wende ich mich andere, die Own Voices wären, wenn sie denn schrieben. Und manchmal will ich einfach nur die breite Masse unterhalten.

Wer oder was motiviert dich zum Schreiben?

Ich schreibe, um zu verarbeiten. Mit dem Publizieren will ich denen eine Stimme geben, die das nicht selbst tun können, und den Lesenden zeigen, dass sie nicht alleine sind. 

Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten? 

Zum Schreiben brauche ich Ruhe und darf nach hinten raus keine Termine oder andere Aufgaben mehr haben. Das ist etwas kniffelig, weil ich morgens noch am besten denken kann. In der Praxis wird es aber eher abends, weil ich dann abschätzen kann, wie viel Energie noch übrig ist, um mich überhaupt ranzusetzen.
Dabei nutze ich nutze die Pomodoro-Technik und mache nach fünf Minuten eine Minute Pause, damit meine Gehirnzellen die Gelegenheit haben, ihren Sauerstoffvorrat aufzufüllen. Was allerdings auch gut funktioniert, sind Co-Workings, die mir planbare Zeitfenster vorgeben, die auch ein Ende haben. So kann ich nicht in dem von anderen Autor:innen so herbeigesehnten Schreibflow versinken, wodurch ich mich heillos überfordern würde.

Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?

Meine Texte sind oft kurz, bei mehreren handelnden Figuren recht dialoglastig und ich verwende je nach Tagesform einfache kurze Sätze, die ich noch überblicken kann. Gehts mir zu schlecht, produziere ich inkohärente Satzmonster, die ich später zerhacken muss, und immer wieder staune ich über fehlende Wörter. Meine Figuren sind mal trans* oder queer, mal behindert oder chronisch krank und mal gibt es Überschneidungen. Ihnen allen dürfte eine gewisse Konfliktscheue gemein sein, weshalb häufig die vorherrschenden Konflikte in meinen Geschichten innerer Natur sind.

Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?

Meine Leser:innen dürfen keine Angst davor haben, mit unliebsamen Themen konfrontiert und aufgerüttelt zu werden. Wer nachhaltig berührt, zum Lachen und zum Weinen gebracht werden will, ist bei mir richtig.

Erzähl doch bitte ein wenig über deinen letzten Roman (oder über das Buch, das du von deinen Büchern am liebsten magst).

msqueer Ingo S. Anders Autor

Meine letzte eigenständige Veröffentlichung ist ein ebook mit einer kurzen Geschichte, die den Titel MS Queer – Mit dem Schiff ins Glück trägt. Tina (sie) und Jo (en) gewinnen Tickets für eine Reise mit einem Kreuzfahrtschiff – nur für queere Leute!


Während Tina hellauf begeistert ist, kann Jo sich gar nicht so recht darüber freuen, dass es jetzt ans Kofferpacken geht. Dabei ist ein gemeinsamer Urlaub doch die Gelegenheit für das ungleiche Paar, endlich mal wieder mehr miteinander zu unternehmen. Ich habe die Geschichte geschrieben zu einer Zeit, als das Gendern so langsam unpopulär wurde und man in den Sozialen Medien immer häufiger Gegenwind bekam, wenn man offen queer auftrat. 

Zur selben Zeit ersehnten wir alle, die davon betroffen sein würden oder waren, das Selbstbestimmungsgesetz und hofften darauf, dass diese Neuerung mit möglichst wenig Nachteilen für uns verbunden sein würde. Jetzt ist das Gesetz in Kraft getreten und nach der Bundestagswahl 2025 müssen wir befürchten, dass es wieder abgeschafft wird. Die Community hat das verdient, dass es Geschichten gibt, mit denen sie sich wohlfühlen. Geschichten, in denen unsere Welt einfach als queerfreundlich beschrieben wird, so wie sie eigentlich sein sollte. Leider ging mir just nach dem Release im Sommer 2024 die Kraft aus, um dieser Story die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Einer Geschichte mit nicht-binärer Repräsentation, in der gegendert wird.

Ich glaube nicht daran, dass die Zielgruppe zu klein ist. Dieses ebook braucht einfach nur mehr Sichtbarkeit, damit die Zielgruppe von Tina und Jo erfährt. Der allgemeine Buchhandel wird mir dabei nicht helfen. Jetzt kommt es auf die Community an.
Auf dem Discord-Server Flüsternde Seiten habe ich auf dem Schneeflockenmarkt 2024 Kontakt zu einer Bloggerin bekommen, die mich dabei unterstützen möchte, MS Queer etwas zu bewerben. Zudem hatte ich das Glück, ein professionelles Einsprechen zu gewinnen, sodass der Anfang der Geschichte jetzt vertont ist.
Jetzt im Frühling, wenn man gedanklich schon im Sommerurlaub ist, ist eigentlich genau die richtige Zeit für diese queere Sommerlektüre.

Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?

tobaksplitter Ingo S. Anders Autor

Meine erste Veröffentlichung ist eine Sammlung kurzer Geschichten ohne zielgruppengerechte Gestaltung, die ich Tobaksplitter getauft habe. Es handelt sich um Erinnerungssplitter aus hartem Tobak, zu der auf meiner Webseite eine Liste mit Inhaltswarnungen runtergeladen werden kann.
Ein Teil der Geschichten thematisieren trans* und sind damit dem queeren Spektrum zuzuordnen, aber nicht alle. Ich bezeichne Tobaksplitter gerne als mindestens viertelqueeres Buch.

Projekt Rhein Ingo S. Anders Autor

Meine zweite Veröffentlichung ist ein ebook mit einer kurzen Geschichte namens Projekt Rhein – ein Stück Genreliteratur. Und zwar handelt es sich um dystopische Near Future Science Fiction, für die ich für meine Verhältnisse viel recherchiert habe.
Die Geschichte enthält Spuren von Queerness, die man mir auch als Queerbaiting auslegen könnte. Ich halte es aber für wichtig, dass auch Figuren in Geschichten durch mehr als nur ihre sexuelle Orientierung definiert werden, denn das ist nur menschlich.

Und, nun ja, Leonidas ist eben asexuell und aromantisch, weshalb er nicht zu Flirts aufgelegt ist, auch wenn sich ihm Gelegenheiten böten. Es ist eine völlig Romance-freie Geschichte, in der es nicht um Mord und Totschlag geht.

Meine dritte eigenständige Veröffentlichung ist die bereits erwähnte kurze Geschichte MS Queer. 
Alles andere davor, dazwischen und danach sind Veröffentlichungen in Anthologien, sei es Beteiligungen an Benefiz-Anthologien oder Anthologien, die aus Ausschreibungen entstanden sind.

Auf meiner Webseite werden diese drei Bücher von mir und Anthologien mit Texten von mir vorgestellt.

Woran arbeitest/schreibst du gerade?

Ich arbeite hauptsächlich an kurzen Geschichten für Schreibwettbewerbe bzw. Veröffentlichung in Blogs, aber sobald meine queere Sommernovelle aus der Testleserunde zurückkommt, werde ich mir diese noch einmal vorknöpfen. Darin geht es um einen schwulen trans* Mann, der sich nach einem Partner sehnt, um seine beste Freundin, die auf ihn scharf ist, und um die Freundschaft der beiden, die auf eine harte Prüfung gestellt wird. Daneben schreibe ich für schreibmehr.online, berichte dort über meine Schreiberfahrung und führe interessierte Schreibanfänger:innen ins Schreibhandwerk ein.

Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?

Die schönste Rückmeldung eines Lesers war eine zu meinem Debüt Tobaksplitter. Es sei handwerklich sehr, sehr gut und vielleicht das Beste, was er im Selfpublishing bisher gelesen habe. Dieses bedeutet mir deshalb so viel, weil es von einem Autorenkollegen stammt, dessen schreibhandwerklichen Fähigkeiten ich überaus bewundere, und ich große Selbstzweifel oder besser gesagt Textzweifel hatte. Ich hielt mein Werk für nicht gut genug, aber das ist es durchaus, davon bin ich jetzt überzeugt.

Von den Rezensionen hat mich am meisten eine gefreut, die von einer Leserin stammt, die bei der Lektüre von Projekt Rhein Gänsehaut bekam und einer älteren Rezension mit weniger Sternen ordentlich etwas entgegensetzte.

Fotos: Privat


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