Joey Juschka

Joey Juschka Schreibt

Über Joey Juschka: „Humor. Was ist das eigentlich? Schon eine Definition ist schwierig; das Schreiben mit Humor ist eine Kunst. Es braucht Überraschendes, ein wenig Überzeichnung, einen liebevollen Blick für Schwächen der Menschen und einen gnadenlosen für die Schwächen im System. Und wenn es großartig ist, dann zeigt ein solcher Text wie nebenbei ein Stück von dieser Welt, das uns im Lachen zum Nachdenken anregt, dann erschüttert das Lachen Gewissheiten, trifft uns eine Wahrheit, so wie in diesem Siegertext.“

Das ist ein Auszug aus der Jury-Rede zu einer Kurzgeschichte von mir, die den Preis „Bester Humor“ gewann, 2019 beim Wettbewerb „Wortrandale“. Ich liebe diese Zusammenfassung von sowohl Humor als auch von dem, was ich mit meinen Texten mache – ich fühl mich erkannt und zitiere die Rede daher ausgesprochen gern 🙂

(Rede geschrieben von Nora Lachmann)


Schreibst du unter Pseudonym? Und wenn ja: Warum?

Joey Juschka Gerne Die Dame

Nö. Oder doch, denn ich heiß nicht von Geburt aus Joey Juschka. Dann wiederum steht „Joey Juschka“ in meinem Ausweis, als Künstlername, seit über 20 Jahren, und alle Menschen in meinem Leben nennen mich so, ganz vorbildlich.

Ab und zu denke ich: „Boa, ich erfind mich mal komplett neu!“, inklusive Pseudonym, aber dann erfind ich mich nur neu, ohne Pseudonym, und als nächstes kämpf ich dann damit, wie ich diese neue Seite von mir nun präsentiere und ob die überhaupt zu mir als Autor*in passt, und dann denke ich: „Mist! Hätte ich doch mal ein Pseudonym genommen, das wird hier so unübersichtlich“, und dann … ach herrje. Alles unter einem Namen zu machen ist für mich aber im Endeffekt ein hervorragendes Mittel, bei allen Diversitäten und Schwenkern im Leben nur Sachen zu machen, zu denen ich auch stehen kann. 

Wo kommst du her, wo lebst du heute und/oder wo würdest du gerne leben?

„Provinz: Nur eine einzige Disco (ich tanzte wie verrückt), alle zwei Wochen sonntags. Später auch noch eine zweite, öfter, unregelmäßiger; selbstorganisiert, chaotisch, geil. Ein Café gab’s auch – eins für Schwule, für die älteren Semester. Die saßen da so rum den ganzen Tag, schauten aus dem Fenster auf die vorbeifahrenden Straßenbahnen. (…) Und ein zweites Café: ein Café für Frauen, für Lesben, das dann später zum Zentrum wurde, Weiberwirtschaft, umzog, an einen anderen, größeren Ort in der Stadt, mit Garten und Platz (und noch immer Café ist, so nebenbei. Oder hauptsächlich Café, je nach Sichtweise und Bedarf).“

Joey Juschka Bücher

Auszug aus einem autobiographischen Text, „Halle/ Saale (ohne Regen)“, nachzulesen in „Mein Lesbischen Auge 21, Herkunftsgeschichten“

Da komm ich her, danach viel Welt bereisen und Berlin, ein Vierteljahrhundert lang. Zukunft: Weg von Berlin, hin zu den Lesben, „lesbische Insel“ Lesvos, griechisches Dorf (darüber gibt’s auch schon das erste Buch, na klar!)

Wer bist du, wie definierst du dich und/oder wer würdest du gerne sein?

Auf irgendeiner meiner Webseiten (die vielen Sachen, die ich so mache 🙂 hab ich’s mal zusammengefasst: 

„Ich bin poly, trans*, queer, lesbisch, schwul, je nachdem; ich liebe starke Frauen*, feministische Ansätze und Umsetzung, sexpositive Ideen und Lebensrealitäten; aber auch Ausspannen mit Freund*innen, Ruhe und Tiefe und Lachen und Liebe …“

Joey Juschka spricht

Sind Frauen mal wieder unterrepräsentiert, stell ich mich bewusst als „Autorin“ vor, sonst auch mal als Autor, Autor*in – das sind einfach Wörter, Begriffe, die existieren sollten, die man dann nehmen kann, aber was eigentlich zählt für mich und definierend ist: ich schreibe. Die Handlung. 

Sonst lass ich gern auch mal definieren – das ist immer wieder spannend zu sehen, auf welches Klo Leute mich schicken, oder was sie so denken, was ich im Leben mache, oder oder. Ich bin Fan von Optionen, auch Widersprüchen, von Komplexität. Beim Schreiben dann aber möglichst (scheinbar) simpel – Riesenideen in Minisätze gepackt. 

Reduktion, Minimalismus. 

Platz haben.

Klarheit.

Für wen schreibst du? Wer oder was motiviert dich zum Schreiben? 

Wenn ich nicht schreibe, bin ich nicht gut geerdet. Ich verlier mich, werde zu passiv, konsumiere, lass mich berieseln statt selber zu schaffen. Ein blödes Gefühl, dumpf und kreiselnd. Also schreib ich – und fühl mich sofort besser. Ist also recht egoistisch, was ich da tue; ich denk gar nicht so viel an Leser*, für wen ich da schreibe bzw. wer wie reagiert, wenn sie*er den Text dann liest. Schreiben ist eine Art sortieren für mich; Gedanken fassen, die sich sonst stunden-, tage-, wochenlang im Hirn wiederholen. Lieber ab aufs Papier damit, und nebenbei kommt da auch noch ’ne coole Geschichte raus.

Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten? 

Ganz alleine abgeschottet zu Hause, für Tage am Stück durchpowern, mit niemanden reden, niemanden sehen, einfach nur schreiben, arbeiten, schreiben. Und dann auftauchen, unter Leute gehen, sie anstarren, als hätte ich noch nie Menschen gesehen (hab ich ja auch nicht, die Tage davor), mit ihnen sitzen, bisschen reden, nicht zu viel, ich hab anderes im Kopf (den Text), dann wieder verschwinden, Stift, Heft, Computer, zwischendurch ins Meer springen und tauchen, am einsamsten Teil des Strandes, den ich finden kann. 

Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?

Dass die aus Versehen echt immer ziemlich absurd und queer und irgendwie „pervers“ sind. Ich plan das gar nicht so; ich bin nur konsequent im Aufschreiben dessen, was logisch folgen müsste, wenn etwas Absurdes, Queeres als Ausgangspunkt gesetzt ist: etwas noch absurderes, „perverseres“. „Pervers“ auch im Sinne von viel Sex dabei, viel LGBTQI, alle Buchstaben davon und quer auf-, unter- und durcheinander, plus Gegenwart. So verdreht und verkorkst es manchmal auch wird bei mir: Es ist immer fest im wiedererkennbaren Alltag verankert, nutzt das als Sprungbrett. 

Denk an Wolf Haas und Irmtraud Morgner, vermischt mit Stephen King (die Bücher ohne viel Monster) – dann hast du „Joey Juschka“.

Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?

Lachen, nachdenken, Alltag erkennen, eine leichte Verschiebung erleben, einen Schuss Absurdität mitnehmen, noch mal lachen (Literaturprofis im Keller, sonst auch laut, in Bus & Bahn), entgeistert angeschaut werden, sich umschauen, anschauen, überlegen, die Welt anders sehen, umgeordnet, ungeordnet, doch geordnet, spielen, mit Sprache, staunen und reisen. 

Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?

Joey Juschka Schlimme Sachen Mit Decken


„Die Welt, verbessert – Fiktive Lösungen für reale Probleme“ (auch als Hörbuch)

„Schlimme Sachen mit Decken – Berliner Szenen“ und „Gerne, die Dame – Berliner Szenen“; die beiden fass ich gern mal zusammen als „Schlimme Sachen mit Damen“

„Lesbos Lesvos. Das Lesbeninselbuch / The Lesbian Island Book“

Plus die ersten Minibücher einer Reihe kurzer Texte, „Das ABC der*des Joey J“, die ich 2025 startete: „Halle/ Saale (ohne Regen)“ und „Einsamkeit (an/mit Corona)“; weitere folgen noch in diesem Jahr.

Woran arbeitest/schreibst du gerade?

Ich schreib einen absurden Krimi! Mit Klopapier als auslösendes Element einiger Verbrechen; der Dorffleischer spielt eine Rolle, auch der Schmied und ein eisernes Bett, eine anreisende Diva mit sexy Schuhen und auffälligem Schnupfen – und schon kommt die Schnupfenpanik! Jawoll. Es ist eine Art Corona-Aufarbeitung, nur nicht anklagend, nachtragend, sondern verpackt in Humor. Eine Untersuchung, wie so was so schnell passieren kann, im kleineren Universum des Dorfes als Setting: Schwupps, gibt’s eine Pandemie, die’s so nicht wirklich gibt – aber der Glaube daran führt zu einigen (Klopapier)Leichen. Mit dem Thema Corona macht(e) man sich ja schnell Feinde, in beide Richtungen; bin gespannt, ob das mit diesem Buch wieder so passiert. Schnell fertig werden soll’s; ich peile Ende des Jahres (2025) an.

Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?

Joey Juschka Lesen und hören

Der Aufschrei, als ich per Newsletter fragte, ob ich für mein geplantes Hörbuch Profisprecher*innen nehmen soll oder ich selbst lesen: „Du! Bei allen anderen Autor*innen sag ich: Lass dein Buch lieber einlesen, Profis können das besser – aber bei dir geht da so viel verloren! Mach das unbedingt selbst!“ (Damit du auch per Newsletter aufschreien kannst: abonnier den gerne, Link unten; du kriegst auch meinen verschollenen Roman als Begrüßungsgeschenk.)

Die zweite Reaktion, die ich immer noch lebhaft im Kopf habe, so als recht visuell denkender Mensch: Wie eine Leserin eins meiner Bücher zu einer Lesung brachte, mit hunderten bunten Notizzetteln versehen – so detailliert hatte sie es durchgeackert. Ich hab sofort ein Video davon gemacht, jawoll, und immer wenn ich nun denke: „Ach, manno, das läuft hier gar nicht“, poste ich es nochmal auf Facebook & Co, damit es mir möglichst oft als Erinnerung angezeigt wird. 


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