Ich bin Lion, ein junger Schriftsteller und Filmemacher aus Leipzig, der immer irgendwie auf der Suche danach ist, in Worte oder Bilder zu fassen, was ihn gerade so bewegt.
Wo kommst du her, wo lebst du heute und/oder wo würdest du gerne leben?
Ich bin in einem 500-Seelen-Dorf bei Bad Tölz aufgewachsen, bevor ich in München gelebt habe und schließlich nach Leipzig übergesiedelt bin. Ich fühle mich eigentlich ganz wohl dort gerade. Die Sehnsucht danach, immer mal wieder auszuschwärmen, gibt es aber trotzdem. Dann geht’s für ein paar Tage zurück aufs Bayerische Land oder in andere Städte, wo meine Freunde leben.
Wer bist du, wie definierst du dich und/oder wer würdest du gerne sein?

Ich wollte vielleicht etwas zu lang im Leben jemand anderes sein, lauter, kluger, dünner, schlagfertiger. Mittlerweile versuche ich, das loszulassen und mich generell nicht mehr so in Schubladen zu zwängen. Ich denke auch es ist heilsam, nicht ständig so nah an sich selbst dran zu kleben, sondern sich neugierig der Welt und anderen Menschen darin zuzuwenden.
Für wen schreibst du?
Für alle, die Lust haben, sich auf das Innenleben meiner ambivalenten, getriebenen Figuren einzulassen und die gerne für ein paar Stunden zuweilen wahnsinnige Gesellschaft zwischen den Buchdeckeln meiner Bücher finden wollen.
Wer oder was motiviert dich zum Schreiben?
Mich motiviert die Lust am Fabulieren. Da ist ein spielerischer Erzähltrieb in mir, den ich schon als Kind hatte. Wenn ich nachts nicht schlafen konnte oder Angst hatte, hab ich mir einfach selbst schillernde Geschichten erzählt, und mich damit beruhigt.
Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten?
Ich schreibe am liebsten in belebten Cafés. Es ist ein schönes Gefühl, zwischen Geschirrgeklapper und Alltagsgesprächen zu sitzen, manchmal vielleicht einen Satzfetzen aufzuschnappen, und dann trotzdem gleich wieder in seiner eigenen Welt zu versinken. Im Bett zu fläzen und einfach draufloszuschreiben ist aber auch nicht zu verachten, hat seinen Reiz.
Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?
Ich hoffe, dass es mir gelingt, den kleinen und großen Seltsamkeiten des Lebens eine Bühne zu geben. „Es steckt vielleicht ja nämlich doch so viel Neues und Liebes und Wildfremdes und irgendwie sogar Schönes in jedem einzelnen von uns kleinen Idioten“ – so formuliert es Flori, der Protagonist meines Debütromans.
Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?
Mein letztes Buch sollte man allein schon in die Hand nehmen, weil der Umschlag sehr hübsch gestaltet ist, wie ich finde. Man sieht einen jungen, femininen Mann auf dem Cover, der verträumt die Augen geschlossen hat. Darüber prangt der kontrastierende, derbe Titel Sauhund. Wie das schließlich zusammenpasst, darauf kann man beim Aufklappen des Buchs dann ja selbst die Antwort finden, wenn man mag.
Erzähl doch bitte ein wenig über deinen letzten Roman

Mein schon erwähnter Debütroman Sauhund spielt im München des Jahres 1983. Flori kommt vom Land und sucht das pralle Leben, Glanz und Gloria, einen Mann, der ihn mindestens ewig liebt. Er ist ein unverbesserlicher Glückssucher und Taugenichts, ein Sauhund und Optimist. Und das alles zu einer Zeit, da in Bayern die Aids-Krise seinen Anfang nahm, es alles andere als einfach war, seine queere Identität zu entdecken.
Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?
Die schönste Rückmeldung ist, wenn Leser:innen berichten, dass sie an bestimmten Stellen meiner Geschichten Gänsehaut hatten oder vielleicht sogar ganz kurz mal feuchte Augen. Es gibt kein besseres Gefühl, als jemanden mit einer Textstelle berührt zu haben.
Fotos: Hanser Verlag / Mascha Unterlehberg
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