Schwule Geschichte: Woher kommen die Ideen?

Stephan Martin Meyer

Wie entstehen eigentlich die GayStorys und woher nehme ich die Ideen dazu?

Das werde ich immer wieder gefragt. Und die einfachste – wenn auch die billigste – Antwort dazu ist: Die schwule Geschichte stammt aus dem Leben. Ohne eigene Erfahrungen könnte ich nicht schreiben. Oder zumindest nicht so, wie ich es tue. Denn Einiges von dem, worüber ich schreibe, habe ich selbst erlebt. Aber beileibe nicht alles. Und auch nicht in der Intensität, wie meine Figuren es in den Romanen durchleben. Anderes haben Freund.innen erlebt und mir irgendwann einmal erzählt. Wieder anderes habe ich irgendwo gelesen, gesehen oder ist mir zu Ohren gekommen. Und dann entspringen natürlich auch eine Menge Dinge einfach meiner Fantasie. Eine klare Trennung dieser Aspekte kann ich manchmal selbst nicht ziehen. 

Schon lange wollte ich eine explizit schwule Geschichte schreiben. In den letzten Jahren habe ich immer wieder Ansätze dazu unternommen, habe mir Geschichten ausgedacht, Figuren entwickelt und Romane begonnen. Und ich bin den klassischen Weg gegangen, indem ich die Projekte an Verlage geschickt habe. Doch die Rückmeldungen waren meist ernüchternd. Bis vor Kurzem hieß es bei den Verlagen und auch den literarischen Agenturen, Romane mit schwulen Hauptcharakteren hätten keine Chance auf dem Buchmarkt. Mich hat das unglaublich frustriert. Ich war wütend, weil es kein Interesse an schwulen Figuren gab und ich mich immer wieder darauf zurückgeworfen fand, mit heterosexuellen Charaktere zu agieren. Zum Glück hat sich das in den letzten Jahren allmählich gewandelt. 

schwule Geschichte

GayStorys gesamt

Und dennoch ist bei mir ein leichter Gram zurückgeblieben. Ich habe mich gefragt, wie ich denn den Weg zur Publikation meiner Ideen gehen kann, ohne mich den Wünschen der Verlage anpassen zu müssen. Also habe ich beschlossen, das alles einfach selbst in die Hände zu nehmen. Durch die lange Phase der Corona-Pandemie tat sich dann plötzlich eine Chance für mich auf: Zur Unterstützung selbstständigen Künstler haben das Land Nordrhein-Westfalen und die VG-Wort in den Jahren 2020 und 2021 Stipendien ins Leben gerufen, die die Arbeit an freien Arbeiten ermöglichte. Diese Stipendien haben mir die Möglichkeit eröffnet, die ersten Geschichten zu schreiben und ich konnte eine professionelle Lektorin und eine Korrekturleserin bezahlen.

Und vor allem durch die intensive Arbeit mit der Lektorin habe ich wahnsinnig viel gelernt. Während ich vor ein paar Jahren noch bei der Formulierung des „lebenslangen Lernens“ zurückgeschreckt bin, weil ich mit Lernen immer an die Schule und die Zeit an der Uni gedacht habe, hat mir dieses Lernen überraschenderweise wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und ich durfte mich mit meinen eigenen Texten und Figuren endlich hemmungslos austoben.

Ein wichtiger Lerneffekt war das Schreiben über Sex. Das hatte ich vorher noch nie getan, weil ich nicht wusste, wie das geht. Wie beschreibt man eine erotische Situation? Welche Worte passen dafür? Wo sind meine eigenen Grenzen dessen, worüber ich schreiben will? All das konnte ich ausprobieren und kann euch in der Folge die Ergebnisse präsentieren.

Alle Kinderbücher auf einen Blick

schwule Geschichte