Timo Vega

Timo Vega Autor

Lesen bietet die Möglichkeit in andere Leben einzutauchen, der eigenen Realität für kurze Zeit zu entfliehen, und Abenteuer zu durchleben, die ansonsten unerreichbar blieben. 

Und beim Schreiben möchte ich genau diesen Raum erschaffen.


Schreibst du unter Pseudonym? Und wenn ja: Warum?

Ich habe mich direkt bei meiner ersten Kurzgeschichte dazu entschieden, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Meinen Vornamen habe ich dabei beibehalten. Bei >Timo< mag ich den runden Klang darin. Mein Familienname hingegen klingt ein wenig sperrig. Mit dem spanisch anmutenden Pseudonym >Vega< habe ich eine einprägsamere Variante gefunden, mit der ich mich obendrein gut identifizieren kann.

Wo kommst du her, wo lebst du heute und/oder wo würdest du gerne leben?

Timo Vega Autor

Ich lebe schon immer in Mannheim. Ich mag die Stadt sehr gerne. Sie ist eine Arbeiterstadt, präsentiert sich authentisch und ungeschminkt, und beheimatet derzeit 168 unterschiedliche Kulturen. Bunter geht wohl kaum. Ich erkenne mich in dieser Stadt wieder, bin voll von ihr geprägt. Darum lebe ich hier. 

Sollte ich doch einmal auswandern, so wäre es wohl sicherlich ans Mittelmeer, wo die Luft warm und der Himmel blau ist.

Wer bist du, wie definierst du dich und/oder wer würdest du gerne sein?

Mir war es lange Zeit nicht möglich, mich selbst zu fühlen. Die Antwort darauf, wer ich bin, hat mich fast mein ganzes Leben lang begleitet. Einen der Prozesse zur Selbstfindung beschreibe ich beispielsweise in meiner Kurzgeschichte >Der Innere Punkt<, die sich mit dem Thema geschlechtliche Identität befasst. 

Heute fühle ich mich sicher in mir, bin mir meiner selbst bewusst. Ich bin ein schwuler Mann- das ist schön. Dennoch spüre ich, dass die Reise weitergeht. 

Für wen schreibst du?

Timo Vega Autor

Mit dem Schreiben habe ich zunächst ganz für mich begonnen. Zur Veröffentlichung motiviert hat mich ein Freund, der selbst den Schritt als Selbstpublisher gewagt hatte, und dann ging es auch bald schon los. Ich schreibe tatsächlich noch immer in erster Linie für mich. Andersherum würde das bei mir auch gar nicht funktionieren. Für die Entfaltung von Fantasie und Kreativität muss ich mich unbeobachtet fühlen.

Dennoch ist eine positive Resonanz der Lesenden ein unbeschreiblich berauschendes Gefühl. Ich kann das kaum in Worte fassen. Ich spüre dann eine tiefe Wertschätzung für meine Arbeit und eine ebenso tiefe Dankbarkeit. Danke euch, für jede einzelne Rückmeldung!!!

Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten? 

Ich liebe die frühen Vormittage an den Wochenenden zum Schreiben – wenn es im Haus noch ruhig ist und die Nachbarn alle noch schlafen. Dann sitze ich mit meinem Kaffee am Laptop und hauche meinen Geschichten mit der aufgehenden Sonne Leben ein. Das ist für mich der kreativ stärkste Moment des Tages.

Warum queere Geschichten?

Timo Vega Autor


Ein Grundgefühl, das wohl alle queeren Menschen vereint, ist das Erleben von Minderheitszugehörigkeit oder manchmal sogar das, einer Außenseiterexistenz. Ich hatte mir früher oft gewünscht, mich „normal“ oder vereinfacht gesagt zugehörig zu fühlen. Gleichzeitig war mir bewusst, dies niemals zu erreichen, wenn ich mich nicht selbst verleugnen wollte. In meinen Büchern sind queere Menschen keine Randfiguren. Der Fokus liegt ganz klar auf ihnen.

Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?

Wer meine Romane liest, wird vermutlich eine Melancholie spüren, die über allem schwebt. Sehnsucht war und ist für mich ein starker Begleiter, der sich in vielen meiner Figuren spiegelt. Dennoch würde ich keinen meiner Romane als Dark Romance bezeichnen. Es sind Geschichten des sich ineinander Verliebens. Ich baue Brücken, lasse Distanz dahinschmelzen und dennoch bleibt der Herzschlag der Bücher aufwühlend.

Zu der Figurenentwicklung: Ich liebe es, realitätsnahe Figuren zu kreieren, die glaubhaft erscheinen, weil jeder solche Personen in seinem eigenen Umfeld kennt. Vielschichtige Charaktere zu entwickeln, macht mir ungemein Spaß. Persönlichkeit ist ein spannendes Feld. Wir alle fühlen uns frei in unseren Entscheidungen und doch stimmt das nur zum Teil. Unsere eigene Geschichte, unsere persönlichen Muster, reglementieren unseren Handlungsspielraum und machen uns manchmal zu ihrem Spielball. Ich finde es spannend, die inneren Muster freizulegen und den sogenannten Aha-Effekt zu erzeugen, so dass Lesende die Logik verstehen können, warum meine Protagonisten handeln wie sie handeln.

Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?

Timo Vega Autor

>Die Drei Männer Salahs< war mein erster Roman und handelt von einem jungen Spanier, der, fernab seines Elternhauses, seine ersten homoerotischen Erfahrungen sammelt. In einer Rezi hieß es treffend: 3 Männer braucht es, um zu leben, zu sterben und schließlich zu sich selbst zu finden. 

>Sechser-Vergnügen< berichtet von einem skurrilen Ferientrip, der Freundschaften, Beziehungen und den harten Datingalltag unter die Lupe nimmt. Ihr findet hierin schwarzen Humor, viel Herz und eine Prise Sentimentalität. 

>Louis und die Hexe von Nordstrand< ist der erste Band der queeren Krimireihe >Die mysteriösen Kriminalfälle des Louis Pankauke< und läuft ganz klar unter der Rubrik Cozy Crime. Kleiner Spoiler: Jeder Band ist mit einer queeren Liebesgeschichte gespickt.

>Das Ende der La-Ola-Welle< beschreibt den sagenhaft traurigen Untergang des schwulen Profifußballers Adrian Stahl. Eine Geschichte, die ans Herz geht und die ich mit einem Warnhinweis versehen habe. Denn beim Lesen werden wir mit Adrian fallen.

>Der Innere Punkt< war meine erste Veröffentlichung. Eine Kurzgeschichte, die jedoch nicht minder emotional ist. Hier könnt ihr das Innenleben einer Person miterleben, die ihren Platz noch nicht gefunden hat.

Woran arbeitest/schreibst du gerade?

Ich habe noch ein paar offene Projekte, die vor sich hinschlummern, doch als nächstes möchte ich den zweiten Band zu meiner queeren Krimireihe abschließen.

Was ist die schönste Rückmeldung eines/einer Leser:in gewesen, die du bekommen hast?

Offen gesagt ist jede Rückmeldung ein Rausch. Ich liebe sie alle. Besonders glücklich bin ich, wenn ich feststelle, dass die Lesenden emotional berührt waren. Das ist im Prinzip mein Hauptanliegen beim Schreiben: Eine Emotion zu transportieren.

Fotos: privat


Hier kannst du die Bücher von Timo Vega kaufen: