Schwule Kurzgeschichten mit Gefühl.
Schreibst du unter Pseudonym? Und wenn ja: Warum?
Nein
Wo kommst du her, wo lebst du heute und/oder wo würdest du gerne leben?

Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz und bin wegen der Arbeit ins Saarland, nach Saarbrücken gezogen. Das ist nun schon mehr als 25 Jahre her. Ich lebe gerne hier, auch wenn ich mich manchmal nach einer größeren Stadt sehne, die einfach mehr zu bieten hat. Köln finde ich zum Beispiel sehr sympathisch.
Wer bist du, wie definierst du dich und/oder wer würdest du gerne sein?
Ich bin Jan, ein schwuler Mann – das bin ich, so fühle ich mich wohl und ich möchte nichts anderes sein.
Für wen schreibst du?
Ich denke, als Autor verarbeitet man die Dinge, die einen beschäftigen – erst einmal schreibt man für sich. Manchmal schreibt man das Geschehene um, lässt es anders enden. In der Fantasie kann man alternative Entscheidungen treffen.
Und natürlich möchte man seine Erfahrungen und Gefühle mit anderen teilen, Denkanstöße geben und vielleicht den Impuls, eine Veränderung zuzulassen. Das kann zum Beispiel der Mut sein, zu sich selbst zu stehen oder sich auf andere einzulassen.
Meine Texte sind nicht nur für Schwule oder queere Menschen gedacht – sie sind ausdrücklich auch heterosexuellen Menschen ans Herz gelegt, denn sie können helfen, Vorurteile abzubauen, helfen zu erkennen: Die sind gar nicht so anders!
Wer oder was motiviert dich zum Schreiben?

Meistens Dinge, die mich einfach nicht loslassen. Beim Schreiben meines letzten Buchs war das Thema „Demenz“ durch einen Fall in meiner Familie sehr präsent, was dann auch zur Idee für die Geschichte „Der letzte Gast“ führte. Oft inspirieren mich Alltagsgeschichten, eigene Erlebnisse oder die von Freunden, manchmal Fernseh- und Zeitungsberichte oder Reportagen.
Wo oder in welchem Kontext schreibst du am liebsten/besten?
Ich schreibe gerne morgens, direkt nach dem Aufwachen. Dann komme ich gerade aus der Welt der Träume und meine Fantasie und Vorstellungskraft ist besonders stark. Mein Denken ist noch frisch und nicht durch die Eindrücke des Alltags beeinflusst. Auch der Fakt, dass ich ein Zeitlimit habe (weil ich ja irgendwann aufstehen muss) lässt mich besonders kreativ sein.
Ich suche mir auch gerne abgeschieden, ruhige Orte, an denen ich schreibe.

Der spannendste Ort, an dem ich bisher geschrieben habe, war ein Bahnhof in Paris. Ich hab die Nacht durchgemacht und mir durch das Schreiben die Zeit vertrieben, bis mein Zug endlich kam. Außerdem hat es mich wach gehalten. Am Ende sind drei oder vier schöne Geschichten dabei entstanden – zumindest grob. Natürlich muss man beim Schreiben immer und immer wieder überarbeiten. Fertig sind sie noch lange nicht.
Was ist das Besondere an deinen Texten und Figuren?
Ich schreibe ausschließlich Kurzgeschichten. Zudem haben die Kurzgeschichten immer eine schwule Thematik. Meine Charaktere tauchen in verschiedenen Geschichten auf, die Handlungsstränge sind oft mit einander verknüpft und so kommt es, dass meine Charaktere oft eine längere Entwicklung durchmachen und man sie über einige Jahre begleitet. Frank aus Stuttgart oder Martin aus Frankfurt tauchen zum Beispiel in jedem meiner Bücher in unterschiedlichen Storylines auf. Dabei sind meine Charaktere jung und alt, leben heute, gestern oder sogar morgen erst – und so sind ihre Erfahrungen ganz unterschiedlich. Denn mit Homosexualität wurde und wird ganz unterschiedlich umgegangen, je nachdem in welcher Zeit oder auch welchem Kulturkreis wir uns befinden.
Warum sollte ein:e Leser:in deine Bücher in die Hand nehmen?
Weil man die Jungs in meinen Geschichten einfach gern haben muss. Als Leser begleitet man sie über all meine Bücher hinweg lernt sie mit der Zeit kennen und lieben.
Trotzdem kann jede Geschichte gut für sich alleine stehen – man kann also sehr gut einfach mal eine Geschichte zwischendurch lesen, ohne sich immer wieder in eine Handlung hineindenken zu müssen. Den aufmerksameren Lesern wird irgendwann auffallen, dass die Geschichten teilweise miteinander zusammenhängen.
Welche Bücher sind von dir bereits erschienen?

Mein Erstlingswerk „Himbeerjoghurt“ (2012) erschien 2018 in erweiterter Neuauflage unter dem Titel „Himbeerjoghurt mit Sahne“. Die Fortsetzung „Zitronenjoghurt mit Buttermilch“ kam 2020 heraus. Im Frühjahr 2024 erschien mein drittes Buch mit dem Titel „Starkregen“. Anfang 2025 hab ich 52 meiner besten Geschichten in englischer Adaption und Übersetzung unter dem Titel „Yogurt – hard-to-swallow gay short stories“ veröffentlicht.
Woran arbeitest/schreibst du gerade?
Ich sammle aktuell Ideen und schreibe erste Texte für ein viertes Buch. Hier wird aber noch viel Zeit ins Land gehen, ich stehe erst am Anfang. Zudem arbeite ich an einem anderen Projekt. Hier möchte ich dann etwas völlig anderes – dann auch unter Pseudonym – veröffentlichen. Es soll eine Art Bilderbuch werden – zumindest so viel kann ich schon verraten.
Fotos: privat



