Erzählende Kinderbücher

Stephan Martin Meyer

Die Figuren in meinen Kinderbüchern sind im Laufe der Zeit immer schräger geworden. Ich mag das und ich vermissen solche Figuren immer wieder auf dem deutschen Buchmarkt. Die deutschen Verlage machen sich seit ein paar Jahren einen Namen damit, extrem vorsichtig zu sein, möglichst keine Risiken einzugehen und am besten Titel von ausländischen Verlagen in Lizenz aufzukaufen und zu übersetzen. Denn wenn ein Buch in Frankreich oder Schweden schon mal gut gelaufen ist, dann soll das auch in Deutschland funktionieren. Grundsätzlich spricht nichts dagegen und der Einfluss anderer Kulturen und Literaturen ist immer befruchtend. Leider bedeutet das für die deutschsprachigen Autor.innen, dass ihre Projekte sehr häufig abgelehnt werden. Verstärkt gilt das für queere und andere, nicht der Norm entsprechende Figuren. 

Ich habe da zum Beispiel die Geschichte von der sechsjährigen Annika, die im Supermarkt – genauer gesagt: in einer Tiefkühltruhe – einen schlafenden Pinguin entdeckt. Als sie ihn in den Bauch piekst stellt sich heraus, dass dieser Pinguin Adelie heißt und sich verlaufen hat. Natürlich muss sich Annika erst einmal die Augen reiben, denn sie ist noch nie einem sprechenden Pinguin begegnet. Doch Adelie fordert sofort, dass Annika sie nach Hause bringt. Und Annika lässt sich darauf ein. Damit beginnt eine turbulente Reise durch die Großstadt. Unterstützung bekommen die beiden auf ihrer Suche nach Adelies Zuhause von Annikas Onkel und seinem Freund.

Adelie - Der Pinguin aus der Tiefkühltruhe
Adelie – Der Pinguin aus der Tiefkühltruhe

Gemeinsam mit meinem Mann habe ich schon vor vielen Jahren die Figuren von Prinzessin Erdbert – einem orangefarbenen kleinen Fellmonster, das sich für die schönste Prinzessin der Welt hält – und ihren Freunden entwickelt. Zu Beginn der Geschichte hat Erdbert ein Problem: Sie hat zu wenig Freunde, die mit ihr die wöchentlichen Geburtstage feiern. Also beschließt sie, neue Mitbewohner für ihre Schloss – eine alte Villa in einem zugewucherten Park – zu suchen.

Nach und nach ziehen dann auch tatsächlich die unterschiedlichsten Wesen ein. Zum Beispiel das Kleine Süße Rosa Pony, das weder klein, noch süß noch rosa ist, sondern ein alter Ackergaul mit allerlei Problemen. Und der Schweißer, eine kleiner Mann, der alles metallische zusammenschweißt, was ihm über den Weg läuft. Und Holla die Waldfee, die aus der Feenschule geflogen ist, weil sie nicht zaubern kann. Zusammen müssen sie sich gegen einen Architekten zur Wehr setzen, der das Schloss abreißen und einen Parkplatz bauen will.

Prinzessin Erdbert und ihre Freunde
Prinzessin Erdbert und ihre Freunde

Und dann ist da noch die Fantasy-Geschichte von der einarmigen Jorna, deren bester Freund entführt wird, und die sich allein auf den weiten Weg in den Norden macht, um den Schwarzen Magier zu besiegen. Auch Jorna wird von vielen eigentümlichen Wesen begleitet. Einem riesigen Waldtroll und einem winzigen Felsenzwerg, von dicht behaarten Wichten, deren Anführerin besonders stolz auf ihren Bart ist, von einem himmelblauen Einhorn, das sich als Seelenforscher herausstellt, und vielen mehr. Aber Jorna wird auch von menschlichen Gestalten begleitet, die sie ständig in den Wahnsinn treiben.

Die Waldlandsaga - Jorna und der schwarze Magier
Die Waldlandsaga – Jorna und der schwarze Magier

All diese Geschichten und vor allem ihre Figuren begleiten mich jetzt schon seit vielen Jahren. Sie sprechen mit mir und bringen mich selbst immer wieder zum Lachen. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich Wege gefunden habe, sie in die Welt hinaus zu tragen und ihnen damit die Gelegenheit gebe, auch den Rest der Welt mit ihrem Irrsinn zu erfreuen. Ich habe mich in meiner Arbeit nie beirren lassen, auch wenn die Verlage die Texte nicht haben wollten. Auf meiner Autorenwebsite findest du viele weitere Details zu meinen Texten und die aktuellen Veröffentlichungen. 

In meiner Sammlung publizierter Romane fehlt jetzt noch der Afrika-Thriller, den ich mit einem Kollegen geschrieben habe, und für den ich eigens nach Uganda gereist bin, um vor Ort zu recherchieren.

Alle Kinderbücher auf einen Blick