Zuletzt habe ich euch von meiner Arbeit als Grafiker im Buchsatz erzählt. Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem ich neben den GayStorys beruflich unterwegs bin. Angefangen hat mein Weg als Kinderbuchautor. Im Laufe der Jahre sind beim Gerstenberg Verlag in Hildesheim mehrere Bücher für Kinder erschienen, die sich auf der Grenze zwischen fiktionalen Erzählungen und Sachthemen befinden.
Das Spannende an diesen Buchprojekten ist, dass ich sie weitgehend mit meinem heutigen Mann zusammen entwickelt habe. Mein Mann ist Illustrator und gemeinsam haben wir die Themen ausgewählt, die Projekte beim Verlag präsentiert und dann umgesetzt. Und jedes Mal waren die selbstgewählten Themen spannend.
Los ging es mit einem Buch über Zeppeline. Bei unseren ersten Recherchen zu Luftschiffen haben wir entdeckt, dass bei der letzten Fahrt der Hindenburg von Frankfurt nach Lakehurst in den USA ein 14jähriger Junge mit an Bord war. Er hat als Kabinenjunge an Bord des Zeppelins gearbeitet und den dramatischen Absturz überlebt. Das hat uns fasziniert. Also haben wir den noch im Absturzjahr 1937 veröffentlichten Bericht des Jungen, Werner Franz hieß er, unter die Lupe genommen. Das war die Grundlage unserer Erzählung.
Und um seine persönliche Geschichte haben wir die gesamte Technik des Zeppelins herum gestrickt, so dass ein faszinierendes Buch für Kinder dabei herausgekommen ist. Damit war ich in den Jahren danach auf vielen Lesungen in Schulen und Bibliotheken. Meine Lesungen waren immer von einer aufwändigen Bildergalerie begleitet, die ich mit einem Beamer auf einer Leinwand gezeigt habe. Spätestens bei der Explosion des Luftschiffs war es immer mucksmäuschenstill im Raum.

Auf den Erfolg haben wir ein Buch über den Orient-Express aufgesattelt, der zwei Jahre später erschien. In diesem Projekt stehen zwei Jungen im Fokus, die sich 1889 auf der Fahrt des Zuges von Konstantinopel nach Paris kennenlernen und einen Diebstahl auflösen. Ganz im Sinne Agatha Christies. Nur ohne Mord. Und ganz nebenbei kommen die Technik der Dampflok, die vielen zu überquerenden Grenzen und die dazugehörigen Währungen, die Zeitverschiebungen und viele andere Themen zur Sprache, die die Kinder in meinen Lesungen oft völlig in den Bann gezogen haben. Vor allem, wenn ich bei den Veranstaltungen eine kleine Dampfmaschine dabei hatte und in Betrieb genommen habe. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schnell die Kinder auf den Beinen waren. Sie wollten genau sehen, wie die Maschine, die ich noch aus meiner Kindheit hatte, funktionierte.
Zum 100. Todestag von Leonardo da Vinci haben mein Mann und ich dann unser Meisterwerk publiziert. Die Geschichte über einen 14jährigen Jungen, der 1539 nach dem Tod seiner Eltern durch die Pest bei seinem Onkel in einem Kapuzinerkloster unterkommt und dort wunderschöne Zeichnungen in einer Kiste findet. Sein Onkel berichtet ihm, dass er die Bilder von Leonardo bekommen habe. Und als Anselmo – der Junge – die ersten technischen Zeichnungen zu Flugmaschinen findet, ist er Feuer und Flamme und will die Maschinen nachbauen. Das bringt ihm allerdings einerseits ziemlich viel Ärger ein, andererseits kapiert er dabei unheimlich viel über Physik, Aerodynamik und Luftströmungen. Also wieder ein Buch, das eine erzählte Geschichte mit technischem Fachwissen verbindet.

Das gleiche geschieht schließlich auch in dem bislang letzten Buch aus dieser Reihe, das ich diesmal mit einem anderen Illustrator geschaffen habe. Darin geht es um eine der ersten großen Autorallyes von Peking nach Paris im Jahre 1907. Was zunächst relativ unspektakulär klingt, ist dann doch eine recht dramatische Geschichte, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in China und der Mongolei keine richtigen Straßen. Zumindest keine, auf denen ohne weiteres Autos fahren konnten. Und natürlich gab es weder Tankstellen noch Autowerkstätten oder maßstabsgetreue Landkarten. Und diesmal ist ein Mädchen die Hauptfigur.
Alle diese Bücher habe ich immer in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten entwickelt. Für das Zeppelin-Buch waren wir zum Beispiel mehrfach im Archiv des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen am Bodensee, dessen Leiterin und intensiv beraten hat. Und für die technischen Details zum Leonardo-Buch haben wir mit Spezialisten von der Fachhochschule Bielefeld zusammengearbeitet.
Wer mehr über diese Kindersachbücher erfahren will, kann sich die Details einfach auf meiner Autorenwebsite ansehen:
Eigentlich wollte ich euch auch noch von den anderen Kinderbüchern berichten, die ich im Laufe der Jahre geschrieben und auf den Markt gebracht habe. Aber das würde heute zu weit führen.



