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Glitzerroman und Sauhund

Lion Christ: Sauhund

Eine Reise in die 80er

Lion Christ reist mit uns in die Mitte der 1980er-Jahre nach Bayern. Er nimmt uns zu Beginn mit in die Welt des Zivildienstes in einem Seniorenheim, wo sich der Protagonist Flori mit der eleganten Lady Frau Eichinger angefreundet hat und seinen letzten Tag des Dienstes feiert. Er ist auf der Suche nach der Liebe, nach einem Mann, der sein Leben mit ihm teilt. Doch auf dem Dorf ist das nicht so leicht. Daher zieht es ihn schnell in die nahe Metropole: Er geht nach München. Und hier taucht er in das pralle schwule Leben ein.

Im ersten Moment habe ich mich mit dem Text ein wenig schwer getan. Aber das hat ganz individuelle Gründe: Ich bin im Ursprung Norddeutscher. Das niedersächsische Platt liebe ich, denn es erinnert mich immer an die Haushälterin meiner Oma, die ich zwar nie richtig verstanden habe, deren Kittel aber immer so herrlich nach Putzmittel roch. Und nach dem bodenständigen Essen, das jeden Tag im Haus meiner Oma gekocht wurde. Auch das Ostfriesische haut mich immer wieder um, denn ich sitze dann sofort vor dem schwarz-weiß Fernseher meiner Eltern und folge dem Klamauk von Otto Waalkes. Und Hamburg mit seiner spröden Art und dem liebevollen Dialekt war seit je her die einzig denkbare Alternative zu Köln. All das liegt mir quasi im Blut. Doch das Süddeutsche, das Bayerische – damit konnte ich mich nie so recht anfreunden. Und Christ lässt seine Figuren durchaus Dialekt sprechen. Das war eine Herausforderung für mich!

Was hätte ich darum gegeben

Je tiefer ich mich auf dies Sprache und den Roman eingelassen habe, desto faszinierender fand ich ihn. Während des Lesens ist vieles aus meiner Jugend in mir wieder hochgekommen. Der Protagonist ist zwar etwa zehn Jahre älter als ich, aber die Erlebnisse sind ähnlich. Dann wiederum sind sie ganz anders als meine. Vielleicht wäre ich einfach gerne ein bisschen wie Flori gewesen. Vielleicht hätte ich gerne den Mut gehabt, seine Erfahrungen zu machen. Denn er hat immerhin seine ersten Schritte in die Selbstbestimmung in München getan. Für mich gab es damals nur Osnabrück und Münster, später dann Göttingen. Als ich nach Köln kam, hatte ich schon einen Teil meiner Naivität und Unbefangenheit verloren.

Die GayStorys

Der Protagonist laviert durch die Münchner Welt, er probiert sich aus und er ist dabei ständig mit der Angst vor der großen Schwulenseuche konfrontiert. AIDS schwappt gerade aus den USA nach Europa und versetzt die Szene in helle Panik. Es ist die zeit, in der niemand genau weißt, wie die Übertragungswege genau sind und wie eine Behandlung aussehen kann. Flori versucht alles, um sich nicht von der ständigen Unruhe und Angst anstecken zu lassen. Doch letztendlich geht die Krankheit in dieser Zeit an keinem in der schwulen Szene unbemerkt vorbei.

Wärmste Empfehlung für Sauhund

Mich haben die Sprache und die Geschichte letztlich magisch angezogen und ich habe jede Seite mit Genuss gelesen. Wir brauchen unbedingt mehr von diesen jungen Autor:innen, die sich unbefangen und offen den queeren Themen stellen und sie in Worte fassen. Ich bin sehr gespannt, was uns von Lion Christ zukünftig noch erwarten wird.

Aus dem Klappentext

München, 1983. Flori kommt vom Land und sucht das pralle Leben, Glanz und Gloria, einen Mann, der ihn mindestens ewig liebt. Er ist ein unverbesserlicher Glückssucher und Taugenichts, ein Sauhund und Optimist. Im München von Franz Josef Strauß und Freddie Mercury, von erstickendem Biedersinn und wildem Hedonismus, ist jeder eigene Schritt eine kleine Befreiung. Flori rennt vor seinen Eltern davon, vor seiner ersten großen Liebe, vor jedem mit Erwartungen an ihn. Er wirft sich in die Clubs und Klappen, die heimlich zweckentfremdeten Ehebetten und Berührungen in aller Öffentlichkeit. Mit „Sauhund“ setzt Lion Christ Flori und allen vergessenen Liebenden des ersten AIDS-Jahrzehnts ein rauschhaftes Denkmal.

Der Autor

Lion Christ, in Bad Tölz geboren, studierte Film und Literarisches Schreiben und lebt in Leipzig. Für seinen Debütroman Sauhund (Hanser, 2023) erhielt er das Münchner Literaturstipendium 2021.

368 Seiten
Hanser Verlag
Hardcover
ISBN 978-3-446-27747-2
Preis: 24 €


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Der Kampf ums Überleben

Bryan Washington: An einem Tisch

Ja, in diesem Roman geht es um schwulen Sex. Und das nicht zu knapp!
Dieser wunderbar sentimentale Roman und Cam der schwule Held der Geschichte. Als sein Freund stirbt, kehrt Cam an den Ort seiner Kindheit und seiner Teenagerzeit zurück. Nach Huoston, Texas. Das scheint auf den ersten, den europäischen Blick erst einmal nicht der geeignet Ort für einen schwulen Mann zu sein. Doch alles fügt sich, alles hat einen Sinn.
Er, der seine Eltern schon in der Jugend verlor, hat eigentlich keinen richtigen Ankerpunkt in diesem Ort. Doch da ist dieser eine Freund, TJ, ein ehemaliger Kumpel aus der Schulzeit, dessen Eltern eine Bäckerei betreiben.

Schwuler Sex im Roman

Es ist die warmherzige Aufnahme durch den Freund der Vergangenheit, bedingungslos und aufgeschlossen, die mich in den Bann gezogen hat. Kontrastiert wird diese Welt von dem schier unstillbaren Bedürfnis nach Sex, das sich bei Cam in ständigen Begegnungen manifestiert. Im Grunde fickt er mit jedem. Überall. Wahllos. Und es dauert eine Weile, bis man kapiert, dass genau dieser Sex die Verarbeitungsstrategie ist. Irgendwie muss Cam mit dem dem Tod seines Freundes schließlich klarkommen.

Bryan Washington hat mit An einem Tisc inhaltlich einen tiefgründigen Roman geschaffen, der sprachlich immer wieder irritiert. Die Derbheit wirbelt den Leser und die Leserin stetig durcheinander und lässt keine Ruhe aufkommen. Und das ist vollkommen angemessen, denn wer einen sehr nahen Menschen verliert, kommt nicht zur Ruhe. Zumindest nicht, solange man den Abschied nicht abgeschlossen hat. Und das kann mitunter lange dauern. Nur wer sich den Herausforderungen des Lebens stellt, kann sie irgendwann überwinden. Und das funktioniert nur im Gemeinsamen mit anderen Menschen. Wer allein ist, hat verloren.

Der Klappentext

„Nach dem tragischen Verlust der Liebe seines Lebens hadert Cam mit allem, fühlt sich gestrandet und weiß nicht, wohin mit sich – und schottet sich gegen jegliche Hilfe, jegliche Zuneigung ab. Als er in Houston seinem alten Jugendfreund TJ über den Weg läuft, erfährt er, dass dieser immer noch im kleinen Restaurant seiner Eltern arbeitet, als Koch. Und nach und nach gelingt es dem warmherzigen und hartnäckigen TJ, Cam wieder ins Leben zurückzuholen, indem er ihn ins Familiengeschäft einbindet, ihn wieder zum Kochen bringt und ihm einen Weg zeigt, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen. Wie sagt man so schön: Liebe geht durch den Magen.“

Die GayStorys

Der Autor

Bryan Washingtons Prosatexte und Essays erschienen u. a. in der New York Times, dem New York Magazine, Buzz Feed und One Story. Sein Schreiben wurde mehrfach ausgezeichnet: Für sein Debüt Lot, eine Kurzgeschichtensammlung, erhielt er den Dylan Thomas Prize, er war einer der Gewinner des National Book Award in der Kategorie “5 Under 35” und Preisträger des Ernest J. Gaines Award for Literary Excellence. Sein Romandebüt Dinge, an die wir nicht glauben ist in den USA ein Bestseller und wird als TV-Serie verfilmt. Er lebt in Houston, Texas.

Der Übersetzer

Werner Löcher-Lawrence ist u. a. der Übersetzer von John Boyne und Hilary Mantel und übersetzte für Kein & Aber Gabriel Krauze und Lisa McInerney


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Kampf für Anerkennung

Tom Crewe: Das neue Leben

Dieser historische Roman, der sich nicht streng an die tatsächlichen Ereignisse seinerzeit hält – so betont es der Autor – hat mich ziemlich in den Bann gezogen. Er startet im Jahr 1894. In einer Zeit, in der der damals aufsehenerregende Prozess gegen Oscar Wilde in London abgehalten wurde. Durch diesen Prozess wurde Ende des 19. Jahrhunderts das Thema der queeren Menschen zwar auf die Titelseiten der Presseorgane gehoben, auf der anderen Seite war dieser Prozess aber auch ein Schock für die Menschen im Königreich, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprachen. Genau in dieser Zeit entscheiden sich der Wissenschaftler John Addington und der intellektuelle Henry Ellis, zusammen ein Buch über die Invertierten zu schreiben, also über queere Menschen.

Obwohl die beiden in der gleichen Stadt leben, konzentriert sich ihr Kontakt lange Zeit auf den Austausch von Briefen. Sie einigen sich über die Strukturen und beginnen Fallbeispiele schwuler Menschen zu sammeln und aufzuschreiben. Schon das war ein gefährliches Unterfangen. Und die Männer, die mir ihnen zusammenarbeiteten, legten großen Wert auf Anonymität. Ein offenes Outing wäre dem gesellschaftlichen Tod gleichgekommen. Man muss dazu wissen, dass zu diesem Zeitpunkt in anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Deutschland und Frankreich die Strafen für Homosexuelle Handlungen zwischen Männern bei weitem nicht mehr so hoch waren, wie sie im Vereinigten Königreich waren.

Dass wir heute in einer freien Welt leben, in der alle gleichberechtigt heiraten können, in der wir jeden lieben können, den wir wollen, und nicht mehr von staatlicher Seite Repressalien befürchten müssen, ist die Folge einer sehr langen und für die Beteiligten oft qualvollen Entwicklung. Der Paragraph 175 ist erst seit Mitte der Neunzigerjahre aufgehoben. Heiraten dürfen wir erst seit wenigen Jahren. All das sollten wir nie vergessen. Und leider müssen wir uns auch immer wieder klarmachen, dass gesellschaftliche und intellektuelle Rückschritte zum Weltgeschehen gehören. Das, was wir heute leben dürfen, kann in ein paar Jahren schon ganz anders aussehen. Man denke beispielsweise daran, welche Umfragewerte die AfD aktuell erreicht. Diese unsägliche Partei in der Regierung eines Bundeslandes oder gar in der Bundesregierung zu sehen, erfüllt mich immer wieder mit Grausen. Da ist nicht nur das rückwärtsgewandte Familienbild und die mittlerweile offen ausgesprochene Remigration ein Thema, sondern darüber hinaus und über Allem schwebend der permanent geschürte Hass gegen alle Menschen, die nicht dem Weltbild der AfD entspricht.

Es waren Menschen wie die beiden Hauptfiguren dieses Romans, die im ausgehenden 19. Jahrhundert die Grundsteine für eine zunehmende Offenheit und Toleranz von queeren Menschen legten. Auch in Deutschland gab es solche Personen in der Geschichte, wie beispielsweise Magnus Hirschfeld, der in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft leitete und immer wieder für die Anerkennung und Gleichberechtigung schwuler und lesbischer Menschen gefochten hat. Rosa von Praunheims Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt aus dem Jahr 1971 ist ein weiterer Meilenstein der Emanzipation. Dem Kölner Volker Beck, der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, verdanken wir letztendlich die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. In der Gegenwart ist es der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann, der die queeren Themen an vorderster Front für uns weiter aktuell hält. Ich bin diesen Menschen immer wieder dankbar für Ihren Einsatz und die unermüdliche Arbeit.

Es sind Wissenschaftler:innen und Literat:innen, Politiker:innen und Künstler:innen, unsere Nachbarn:innen und die Freund:innen, die an unserer Seite für Gleichberechtigung und Anerkennung kämpfen. Nicht alle Persönlichkeiten aus der Vergangenheit haben wir immer auf dem Plan. Umso wichtiger ist es, dass es Bücher wie dieses gibt, die uns tief in die Geschichte der schwullesbischen Bewegung führen, die uns immer wieder vor Augen halten, dass das Leben, dass wir heute führen, nicht selbstverständlich ist.

In diesem Sinne sei all denjenigen, die die Sinnhaftigkeit des CSD infrage stellen, weil wir ja doch jetzt alle Rechte haben, vor Augen geführt: Ja, bei uns sieht aktuell ganz gut aus. Aber in vielen unserer Nachbarländer, mit denen wir in politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen verbunden sind, ist die Situation weiterhin eine Katastrophe. Polen und Ungarn sind die Länder in unserer direkten Nähe, in denen Schwule und Lesben nicht das Leben führen können, dass sie leben wollen. Etwas weiter entfernt brüstet sich Russland mit seinem Verbot, LGBTQ-Themen in irgendeiner Weise zu thematisieren. Und mich erreichen immer wieder Unterschriftenlisten und Spendenaufrufe, die sich mit der unsäglichen Situation in der Demokratischen Republik Kongo oder in Uganda beschäftigen. Ich könnte diese Liste ewig weiterführen. Und jedes Mal bin ich froh, dass ich so leben darf, wie ich will. Auch wenn ich selbst dafür viele Federn lassen musste und selbst heute noch Anfeindungen und Spott ertragen muss.

Wie lebst du? Und was fehlt dir noch?


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Jugendbuch: Unerfüllte Erwartungen

Katerina Solwanowa/Elena Malisowa:
Du und ich und der Sommer

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich über dieses Buch gestolpert bin. Irgendwo in den Sozialen Medien. Vermutlich bei Instagram. Angeblich soll der Roman in Russland bei TikTok einen regelrechten Hype ausgelöst haben. So las ich es zumindest. Der Verlag wirbt daher auch auf dem Cover mit einem roten Sticker und dem Wortlaut „Der verbotene Bestseller aus Russland, der TikTok zu Tränen rührt!“ Mich hat das sofort getriggert. Vor allem, weil die beiden Autorinnen aus Russland und der Ukraine stammen und Projekte, die von Menschen dieser beiden im Krieg verwickelten Nationen gemeinsam auf die Welt gebracht werden, einer kleinen Friedensmission gleichkommen. Und dann ist dies auch noch ein russischer Roman mit schwulen Protagonisten. In meinen Augen stimmte da einfach alles und ich musste mir das Jugendbuch kaufen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zwei junge Männer, siebzehn und neunzehn Jahre alt, treffen in den 1980er-Jahren in einem Ferienlager aufeinander und verlieben sich. Die Sowjetunion befindet sich mitten im Kalten Krieg, die Ukraine ist von einer Unabhängigkeit weit entfernt und queere Menschen gibt es in der allgemeinen Wahrnehmung nicht. Wir befinden uns also in einem Pulverfass für Schwule. Zwanzig Jahre später macht sich in der Rahmenhandlung der Protagonist auf die Suche nach seiner vergangenen Liebe und reist an den Ort des Geschehens, wo er auf die Trümmer des Ferienkomplexes trifft.

Damit ist die Grundlage für ein herrliches Jugenddrama gelegt. Und nichts spricht dagegen, das auch in allen Details durchzuspielen. Mit entsprechenden Erwartungen bin ich also in die Lektüre eingestiegen. Dass ich dabei mit mir weitgehend fremden Kontexten konfrontiert werde, habe ich dabei erwartet. So will ich das ja auch, wenn ich ein Buch lese. Wenn ich alles schon kenne, dann wird es schnell zäh und langweilig. Ich brauche also Neuerungen und Herausforderungen. Und davon gibt es in diesem Roman wirklich genug.

Die beklemmende Enge der sowjetischen Gesellschaft stülpt sich dem Leser sofort entgegen. Die Hierarchien und der Pioniergeist erscheinen mir fremd und erschweren mir den Zugang. Unweigerlich stelle ich mir immer wieder die Frage, ob ich diesen Roman anders lesen würde, wenn ich im Osten Deutschland aufgewachsen wäre. Dann hätte ich zumindest einen persönlichen Bezug zu den beschriebenen Strukturen. Da ich jedoch die ersten zwanzig Jahre meines Lebens in Niedersachsen verbracht habe, muss ich mich auf ungewohnte Wege einlassen. Und das fällt mir in diesem Kontext durchaus schwer. Alles in mir sperrt sich gegen diese Welt der Befehle und des Gehorsams, gegen die psychische Gewalt, die den Kindern in dem beschriebenen Lager angetan wurde, gegen die vielen Einschränkungen und Entbehrungen. Aber das war nicht der Grund für meine Resignation gegenüber dem Text. Diese Welt hat meine Entscheidung, den Roman nicht zu Ende zu lesen, lediglich unterstützt.

Andere Gründe waren gewichtiger. Da ist zum Beispiel die immer wieder sperrige Sprache. Natürlich befinden wir uns in den 80er-Jahren und damals sprachen die Menschen anders als heute. Aber sollte sich das nicht letztendlich auf die Dialoge beschränken? Sind die darüber hinausgehenden Abschnitte nicht der Gegenwart und ihrer Sprache entsprungen? Interessant wäre es geworden, wenn zwischen den Dialogen und den Erzählsequenzen eine sprachliche Spannung und Diversität bestehen würde. Das Jugendbuch verharrt aber durchgehend in der Vergangenheit und schafft an keiner Stelle den Sprung durch die Zeit.

Darüber hinaus ist die Handlung voller erfüllter Erwartungen. Selbst die großen Wendungen des Plots werden so beschrieben, als hätte der Leser sie nicht im Vorfeld absehen können. Aber zumindest diejenigen, die schon ein paar Bücher gelesen haben, bringen ja auch ihre Leseerfahrungen mit. Und wenn ich immer schon ein paar Seiten vor der Auflösung eines Coups weiß, wie die Figuren reagieren, dann verliere ich schnell die Lust an der Lektüre.

Und dann ist da noch die geringe Tiefe der Figuren, die mich zur Aufgabe bewegt hat. Die beiden Hauptfiguren bleiben ungewöhnlich blass und farblos. Ich konnte und wollte mich mit keinem der beiden identifizieren und habe mich ständig gefragt, warum die so handeln, wie sie handeln.

Alles in allem ist es sehr schade, dass die beiden Autorinnen nicht mehr aus der Geschichte gemacht haben. Wieso ihr Jugendbuch in Russland angeblich so sehr gehyped wurde, erschließt sich mir nicht richtig. Ich kann lediglich vermuten, dass es in der russischen Literatur nur wenig Jugendromane mit queerer Thematik gibt und daher jeder publizierte Text dieser Art gefeiert wird. Aber der russische Buchmarkt ist ein anderer als der deutschsprachige. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass deutsche Jugendliche auf diesen Roman abfahren.

Möglicherweise liege ich mit meiner Eischätzung aber auch vollkommen falsch. Eventuell habe ich nicht den richtigen Zugang gefunden, vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch gesteckt. Oder ich bin tatsächlich zu alt und zu leseerfahren für dieses Buch.

Daher würde ich mich wahnsinnig freuen, wenn sich hier der eine oder die andere findet, die mir ihre und seine anderslautenden Erfahrungen mitteilt.

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Verstörende Welt in Glasgow

Douglas Stuart: Young Mungo

Nun bin ich schon eine Weile um Douglas Stuarts Buch Young Mungo herumgeschlichen, bevor ich mir es gekauft habe. Jetzt ist es also geschehen und ich habe es nicht bereut.

Die Geschichte ist in den 1990er-Jahren im schottischen Glasgow angesiedelt,. Und je länger ich das Buch auf mich wirken lasse, umso glücklicher bin ich, dass ich in jener Zeit am Stadtrand von Osnabrück aufgewachsen bin. Auch wenn meine Welt nicht frei war von Homphobie – welch ein verrücktes Wort, das eigentlich Schwulenhass heißen müsste, denn eine Phobie lässt sich ja heilen – so war sie doch deutlich harmloser und friedvoller als das, was Douglas Stuart in seinem beeindruckenden Roman YOUNG MONGO erzählt.

In meiner Blase unvorstellbar

Heute ist die darstestellte Aversion gegen Schwule fast gar nicht mehr vorstellbar. Allerdings schrieb ich schon in einem anderen Blogartikel, dass ich in einer heilen Blase aus linksgrünversiffter Toleranz lebe und mich damit sehr wohl fühle. Denn wer hat schon Lust, sich permanent für sein Leben und seine Liebe verteidigen zu müssen?

Doch das, was der fünfzehnjährige Protagonist Mungo in diesem Roman erdulden muss, ist nicht nur der Hass und die angedrohte Gewalt. Er ist tatsächlich auch mit körperlichen Übergriffen konfrontiert. An dieser Stelle sei auch eine Triggerwarnung für all diejenigen vorgebracht, die nichts über sexuelle Gewalt lesen möchten. Denn das Dramatische an Mongos Erlebnissen ist die mehrfache Vergewaltigung durch zwei Männer, denen er von seiner Mutter vollkommen unbedarft mitgegeben wird. Gleichzeitig legt die Beschreibung seines Umfeldes auch die unmenschliche Gesellschaft offen, in der er aufwächst. Im Grunde sind um ihn herum alle Erwachsenen Alkoholiker, zumeist arbeitslos und ausgesprochen gewalttätig.

Realität oder Fiktion?

Natürlich hat sich mir beim Lesen des Romans die Frage gestellt, ob Stuart diese Gesellschaft realistisch beschreibt. Ich bin noch nie in Glasgow gewesen und ich kenne auch nicht allzuviele Berichte aus der britischen Gesellschaft jener Zeit. Allerdings gibt es zwei Filme, die mich nachhaltig beeindruckt haben und die in das Setting ungefähr hineinpassen: BILLY ELLIOT – I WILL DANCE und BEAUTIFUL THING. Beide Filme sind zwar nicht in Schottland angesiedelt, aber das Melieu und die Zeitumstände sind vergleichbar. Und was ich aus diesen Filmen kenne, ist nicht gerade das Paradies für junge Schwule, die aus dem Schrank raus wollen. Und genauso stellt sich die Situation von Mungo dar: Er wächst in einer Zeit und einer Umgebung auf, die ich keinem Menschen in seiner Situation wünsche.

Stuart beschreibt aber nicht nur die abgründigen Umstände aus Mungos Leben. Vielmehr widmet er sich sehr liebevoll der Annäherung an den etwas älteren James, der die Demütigungen des Coming-outs schon hinter sich hat und bei dem Mungo so sein kann, wie er ist. Dies sind die Szenen, in denen Hoffnung selbst in der aussichtslos scheinenden Wirklichkeit aufblitzt.

Zurück in die 90er

YOUNG MUNGO ist ein wunderbarer Roman über das Coming-out in einer wahrlich abstoßenden Umgebung. Und selbst wenn ich es in meinem Leben deutlich leichter gehabt habe, so fühle ich mich doch über weite Strecken in meine eigene Jugend zurückgeworfen. Manches scheint einfach unfassbar, und wer Erniedrigungen ähnlicher Art nicht am eigenen Leib erfahren hat, wird vermutlich die daraus resultierende Wut nie nachvollziehen können.

Auf Deutsch erschienen bei Hanser Berlin.
Aus dem Englischen übersetzt von Sophie Zeitz.


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Die Emanzipation einer ganzen Familie

Gulraiz Sharif: Ey hör mal!

Mit Norwegen verbindet mich ein großer Haufen Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend. Mit Schweden noch mehr. Aber das steht jetzt nicht zur Diskussion. Aus Skandinavien kommen nicht nur fantastische Krimis und Thriller, sondern auch immer wieder hervorragende Kinder- und Jugendbücher. Astrid Lindgren ist uns allen ein Begriff und kaum einer von uns hat keines ihren Bücher bei sich im Regal stehen. Sofies Welt von Jostein Gaarder haben auch viele gelesen oder es zumindest versucht. Und immer wieder stehen skandinavische Kinderbücher auf den Shortlists der Literaturpreise. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass die Schweden, Dänen und Norweger (für die Isländer und Finnen kann ich das nicht so genau sagen) Bücher für Kinder und Jugendliche als ebenbürtige Literatur begreifen. Die Titel werden in den üblichen Medien genauso besprochen wie die Belletristik für Erwachsene. Anders als in Deutschland, wo nicht nur zwischen ernster Literatur und Unterhaltungsliteratur unterschieden wird, sondern natürlich auch für Kinder- und Jugendbücher nur in Ausnahmefällen eine Sonderseite in einer überregionalen Zeitung erscheint. Fakt ist, dass Bücher für Kinder und Jugendliche in Deutschland vom Feuilleton so gut wie nicht wahrgenommen und nur selten besprochen werden.

Die Skandinavier sind anders
Die Skandinavier begreifen Kinderbücher und Jugendbücher also gleichwertige Literatur. Die Verlage sind mutiger und nehmen auch Titel in ihre Programme auf, die nicht den Standards entsprechen. In Deutschland beschränkt man sich diesbezüglich meistens auf ausländische Lizenzen und Übersetzungen, denn dann weiß man ja als Verlag, dass das Buch (im Ausland) schon einmal funktioniert hat.

Eines der Werke, das auf diese Weise den Weg in den deutschen Buchhandel gefunden hat, ist der Roman Ey hör mal! von Gulraiz Sharif, den ich gerade gelesen habe. Im Fokus der Geschichte steht der fünfzehnjährige Ich-Erzähler Mahmoud, der mit seiner Familie im Osten Oslos lebt. Der Vater ist Taxifahrer und die Mutter putzt in der Universität die Klos. Bis hierher ist es die Geschichte einer ganz normalen ausländischen Familie, die sich in Norwegen damit abgefunden hat, zur Unterschicht zu gehören.

Aber dann ist da noch Mahmouds kleiner Bruder Ali, zehn Jahre alt, der den Schmuck seiner Mutter, Schminkvideos bei YouTube und Barbies liebt. Und der seinem großen Bruder mitten in den Sommerferien, gerade als ein Onkel aus Islamabad zu Besuch ist, erzählt, dass er im falschen Körper gefangen ist und lieber ein Mädchen wäre. Bämm!

Mahmoud versucht nun, das Outing seines Bruders beziehungsweise seiner neuen Schwester zu organisieren. Und das bringt ihn ganz schön ins Schwitzen. Die ganze Familie – einschließlich des Onkels – muss sich mit den Veränderungen auseinandersetzen und den Weg der Emanzipation gehen. Anders geht es nicht.

Oslo, die wunderbare Stadt – zumindest im Sommer
Dieser Roman löst bei mir eine Menge Erinnerungen und Gedanken aus. Da ist natürlich zum Einen die Stadt, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Oslo ist mit immerhin 700.000 Einwohnern die größte Stadt Norwegens, in der sich ein wichtiger Teil der Kultur des Landes abspielt. Und ich bin oft in Oslo gewesen, wenn ich in Schweden meinen Urlaub verbracht habe. Ich erkenne die Orte des Buches wieder und schwelge in Erinnerungen an die schönen Zeiten, die ich im Frognerpark, auf Aker Brygge und in Grønland verbracht habe. Ich erinnere mich an die kleinen Cafés mit dem fantastischen Möhrenkuchen, an die Bilder von Edvard Munch und das Museum mit dem Forschungsschiff FRAM. Wobei man ganz klar sagen muss: Im Sommer ist es deutlich schöner in Oslo als im Winter. Denn sobald die Touristen weg sind, stirbt diese Stadt einen elenden Tod in die depressive Dunkelheit und wacht erst wieder auf, wenn im nächsten Frühjahr die Segler aus dem Süden erneut in den Häfen anlegen.

Norwegen ist vollkommen anders als Deutschland
Gedanken löst der Roman aber auch hinsichtlich des Outings des kleinen Ali aus. Die Skandinavier sind uns gesellschaftlich immer viele Jahre voraus. Die Rechte von queeren Menschen werden dort schon viel länger unter den Schutz des Staates gestellt. Die Aufklärung ist deutlich weiter fortgeschritten. So wird in dem Roman mehrfach darauf hingewiesen, dass queere Menschen in der durchschnittlichen Familie der „norwegischen Norweger“ im Grunde zum Alltag gehören. Hier treten also drei Unterschiede zutage. Erstens die Unterscheidung zwischen den norwegischen Norwegern einerseits und den pakistanischen Norwegern andererseits. Zweitere leben in einer Parallelgesellschaft, in der das Outing eben noch nicht zur Tagesordnung gehört. Zweitens die Unterscheidung zwischen einem schwulen/lesbischen Outing hier und dem Trans-Outing dort. Es scheint fast so, als sei das „normale“ Outing in Norwegen längst kein Problem mehr (mal abgesehen von den Parallelgesellschaften) und man gehe jetzt zur nächsten Stufe über. Was gut ist. Und drittens ist da der Unterschied zwischen Norwegen und Deutschland. Während die Queerness in einem skandinavischen Land offenbar keiner Erwähnung mehr bedarf, sieht es bei uns immer noch ganz anders aus. Die Statistiken berichten von einer steigenden Anzahl an Übergriffen auf queere Menschen. Und das ist alles andere als gut.

Ich habe Ey hör mal! mit Begeisterung gelesen und lege es euch wärmstens ans Herz!

Auf Deutsch erschienen im Arktis Verlag
Aus dem Norwegischen von Meike Blatzheim und Sarah Onkels


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Dad. Ich. Zu Hause.

Benjamin Alire Sáenz: Die unerklärliche Logik meines Lebens

Diese Geschichte über den fünfzehnjährigen Sal hat mich gepackt. So wie auch der bereits besprochene Roman Aristoteles und Dante entdecken das Universum des gleichen Autors. Und das nicht nur, weil der Autor eine sagenhaft einfühlsame Sprache hat, sondern auch, weil er mit dem Thema seines Romans tief in meine Seele trifft.

Sals Mutter ist gestorben, als er drei Jahre alt war. Seitdem wird er vom damals besten Freund seiner Mutter aufgezogen. Seinen biologischen Vater kennt er nicht, er denkt aber immer wieder darüber nach, wie es wäre, ihn zu treffen. Doch Vincente, sein Adoptivvater ist derjenige, den er Dad nennt. Um die beiden schwirrt Sals beste Freundin Sam herum, die im Grunde ebenfalls zur Familie gehört und von Sal mehr als Schwester denn als Freundin angesehen wird. Die beiden kleben zusammen und verbringen jeden Tag miteinander.

Ein Buch greift tief in meine Träume ein
Zwei Aspekte haben mich von Anfang an in diesem Roman getriggert: Zum Einen hatte ich in meiner Kindheit und Jugend ebenfalls eine Freundin, die ich seit dem Kindergarten bis zum Abitur fast jeden Tag gesehen habe, die manchmal ebenfalls wie eine Schwester für mich war und zu der ich bis heute einen engen Kontakt habe. Dies ist die Art Freundschaft, der ich immer wieder mit Ehrfurcht begegne, denn sie hat so viele Untiefen durchschifft, dass an ihr heute nicht mehr zu rütteln ist.

Zum Anderen fasziniert mich schon seit Jahren die Vorstellung, eigene Kinder zu haben. Leider war mir der Weg dahin lange rechtlich verbaut und auch heute ist es immer noch ein schwieriges Unterfangen, als schwuler Mann ein Kind zu adoptieren. Darüber hinaus hat es sich in meinen Beziehungen nie ergeben, diese mit einem Kind zu bereichern. Und heute ist es dafür zu spät.

Ich habe immer Leihkinder gehabt und geliebt. Die Söhne eines meiner Cousins waren lange Zeit sehr nah an mir dran, als die Familie in der gleichen Straße lebte, in der ich auch gewohnt habe, und ich nach der Arbeit einfach nur auf dem Spielplatz um die Ecke vorbeigehen brauchte, um die Jungs zu sehen. Einer von ihnen ist mein Patenkind, mit dem ich versuche, trotz der räumlichen Entfernung, die heute zwischen uns liegt, Kontakt zu halten. Als die Familie die Stadt wechselte, war ich darüber unendlich traurig, denn dadurch war der regelmäßige Kontakt schlagartig unterbunden.

Die Kinder von Freund.innen sind zeitweise auch eng mit meinem Leben verknüpft gewesen, doch als die eine oder andere Freundschaft in die Brüche ging, verschwanden auch meist diese Kinder wieder aus meinem Dunstkreis. Und meine Nichten gibt es natürlich auch noch. Allerdings haben sie immer in Berlin und eine kurze Zeit in Kalifornien gelebt, sind mittlerweile erwachsen und leben ihre eigenen Leben.

Ein Traum, der sich nicht verwirklicht hat
Die Vorstellung, einen Menschen von klein auf zu begleiten und zu prägen, diesen Menschen bedingungslos zu lieben und nie allein zu lassen, hat mich lange im positiven Sinne verfolgt und war ein großer Traum von mir. Und doch konnte ich mich nie dazu durchringen, den ersten Schritt zu tun und mich mit einer Adoption zu beschäftigen. Mir war das zu groß, die Verantwortung zu schwer. Und so bleibt es letztendlich ein vager Traum von einem Leben, das ich nie gelebt habe.

Die Figuren in Sáenz´ Roman haben auch nicht aus freien Stücken den Weg zueinander gefunden. Vincente hat seiner besten Freundin, als sie im Sterben lag, versprochen, sich um ihren Sohn Sal zu kümmern. Und der Junge selbst hatte im Alter von drei Jahren keine Entscheidungsgewalt. Aber die beiden führen ein Leben, das harmonischer kaum sein könnte. Auch wenn rund um sie herum vieles zusammenbricht, wenn Menschen sterben und sie immer wieder von Trauer überrollt werden – an der Beziehung zwischen (Adoptiv-)Vater und (Adoptiv-)Sohn kann nichts rütteln.

Dabei erzählt Sáenz nicht nur von den schönen Dingen, sondern nimmt im Grunde alle ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge in die Hand, um das harmonische Gleichgewicht ins Wanken zu bringen. Aber seine Figuren sind stark. Manchmal wissen sie das zwar nicht, aber sie gehen durch die Unbilden des Lebens und kommen sich dabei nur noch näher. Die Bemühungen des Autors werden also immer wieder erfolgreich zurückgeschlagen.

Mich lässt dieser Roman mit dem wunderbar schönen Vertrauen zurück, dass auch in dieser ungewissen und Turbulenten Zeit etwas bleibt: die Liebe. Sie ist der Kitt zwischen den Menschen. Sie hält uns am Leben. Sie gibt uns die Kraft, nach vorne zu sehen und jeden Tag mit der Hoffnung auf Besserung aufzustehen.


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„Ich bin Kim, ich bin queer und ich bin hier.“

Kim de l´Horizon: Blutbuch.

In diesen Tagen wird Kim de l´Horizon mit Preisen überhäuft. Mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung, dem Deutschen Buchpreis 2022 und zuletzt dem Schweizer Buchpreis 2022. Natürlich wollte ich mir ein eigenes Bild davon machen, was die schreibende Person auf die Welt gebracht hat, denn Preise sind nicht immer eine Garantie dafür, dass die Presigekrönten auch mir gefallen.

Konfrontation mit Sprache
Der Text von Kim de l´Horizon hat mich irritiert, aufgewühlt und immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen. Schon die Art, wie ich hier über dieses Buch schreibe, bringt mich an die Grenzen dessen, was ich bisher zu Papier gebracht habe, denn Kim ist nonbinär, bezeichnet sich weder als Mann noch als Frau. Das trifft zumindest dann zu, wenn ich Blutbuch als eine Biografie auffasse, in der Kim versucht, einige Geschichten seiner Familie aufzuschreiben und sich dabei selbst beim Namen nennt. Auch Wikipedia beschreibt Kim als eine „genderfluide nichtbinäre Person“ und daran orientiere ich mich zunächst.

Ich weiß nicht, wie ich über eine nonbinäre Person schreiben soll. Bezeichne ich sie als „er“ oder als „sie“? Gibt es eine dritte Form der Ansprache? Eine der Empfehlungen, die ich dazu gefunden habe, lautet „sier“. Aber ich habe keine Erfahrung damit, diese Form in meiner Sprache anzuwenden. Im englischsprachigen Raum hat sich die Formulierung „they“ eingebürgert, die sich allerdings nicht ohne Weiteres ins Deutsche übertragen lässt. Das macht es ungewohnt, über die Person hinter dem Roman zu schreiben. Ich bin aufgeschmissen und ich bin gezwungen, meine bisherige Sprache zu überdenken. Ich muss mich neu orientieren. Ob mir das angemessen gelingt, weiß ich nicht. Und vor allem kann ich es vermutlich nicht objektiv beurteilen. Aber ich will es zumindest versuchen.

Alte Strukturen über den Haufen werfen
Kim bezeichnet seine Form des Schreibens als „ecriture fluide“, eine flüssige Schrift, die eine „flüchtige Hexerei“ sein möchte. So beschreibt sier in einem Audiofile auf der Website des DuMont Verlages seine Arbeit. Und während ich den Roman lese, verstehe ich immer mehr, was sier damit meinen könnte.

Die Sprache dieses Romans verschwimmt und löst sich immer wieder in ihre Bestandteile auf. Jedes Mal, wenn ich geglaubt habe, den ungewohnten Sprachduktus zu verstehen, werde ich ein paar Seiten später mit neuen Kategorien konfrontiert, die alles über den Haufen werfen, was ich bis gerade noch gedacht habe. Auf der einfachsten Ebene bedient sich die erzählende Person des Berner Dialekts, der eine Menge mir unbekannter Formulierungen mit sich bringt. Die Mutter wird als Meer bezeichnet, der Vater als Peer, die Großmutter als Großmeer. Mit vielen dialektalen Bezeichnungen setzt sich Kim im Text direkt auseinander, andere werden einfach eingestreut und lassen mich als Leser stolpern. Eine weitere sprachliche Ungewohntheit ist das schweizerische Doppel-S, das in vielen Fällen dem hochdeutschen „ß“ entspricht. Aus meiner Schulzeit erinnere ich mich noch an viele Worte, die damals mit Doppel-S geschrieben wurden, habe mich aber in den letzten Jahren so an die Neuregelungen der deutschen Sprache gewöhnt, dass die schweizerische Schreibweise sich im ersten Moment falsch anfühlt.

Die Reise durch die Sprache setzt sich fort, wenn Kim sich darauf konzentriert in einem Kapitel jeden Satz aus acht Worten zu erfinden. Ich lese Texte aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Ganze Absätze sind auf Berndeutsch geschrieben. Und der Roman kulminiert schließlich im letzten Kapitel in Briefen, die auf Englisch geschrieben sind. So wird aus einem Roman eine Sprachgeschichte von lange zurückliegenden Vergangenheit, über die Gegenwart zu einer Zukunftsvision. Und gegen all diese Sprachformen rebelliere ich innerlich, muss mir jedoch eingestehen, dass ich viel zu enge Grenzen dessen habe, was Sprache alles sein kann.

Eine Geschichte der Frauen
Aber sollte ich nicht einfach mal etwas zum Inhalt des Romans schreiben, als mich ständig an der Sprache festzuhalten? Ich möchte dazu nur das zitieren, was der Verlag auf seiner Website dazu formuliert, denn das trifft es sehr gut:

„Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, lebt sie mittlerweile in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie.“

Kim selbst bringt den Inhalt ihres Buches so auf den Punkt: „Ich habe versucht, einige Geschichten meiner Familie zu erschreiben.“

In die Sprache eintauchen
Für mich lebt dieses Buch nicht in erster Linie durch den Inhalt und die erzählte Familiengeschichte. Für mich steht das experimentelle Spiel mit der Sprache im Vordergrund. Es gibt Autor.innen, in deren Sprache ich tief eintauchen kann, die wie eine Meditation wirkt und bei denen es fast egal ist, welcher Plot erzählt wird. Bei den Alten ist das zum Beispiel Thomas Mann, bei den aktuellen Autoren Benjamin Alire Sáenz, dessen Bücher ich gerade nach und nach verschlinge. Doch Kim macht etwas ganz anderes. Kim lässt mich nicht in seine Sprache eintauchen. Sier rüttelt mich auf jeder Seite wieder neu auf und gibt mir keine Ruhe. Ich kann mich nicht zurücklehnen und die Worte an mir vorbei plätschern lassen. Ich muss aufmerksam sein und mich ständig neu sortieren. Und genau das macht es so reizvoll, diesen Text zu lesen.


Wie geht ihr mit der Sprache um?
Welche Formen der genderfluiden Sprache kennt ihr und welche nutzt ihr?

Ich bin gespannt auf eure Beiträge in den Kommentaren.


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Mein Highlight der letzten Jahre

Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums.

Mittlerweile habe ich dieses Buch schon dreimal gelesen und ich kriege nicht genug davon. Eine Kollegin, der ich das Buch zum Geburtstag schenkte, sagte zwar, ihr sei das Ende ein bisschen zu kitschig gewesen, aber das liegt vielleicht daran, dass dieser Roman ein Jugendbuch ist und ein Happy End braucht. Wobei das schon in dem Moment, in dem ich das so schreibe, schräg klingt. Mich hat das Ende auf jeden Fall überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil. Ich mag es ja, wenn die Geschichten, die ich lese, letztendlich auch gut ausgehen. Aber vermutlich greife ich damit jetzt schon viel zu weit vor und erzähle euch zu viel vom Buch. Wobei ihr selbst ein paar Seiten vor dem Ende des Buches keine Ahnung haben werdet, was genau ein „gutes Ende“ in diesem Fall bedeuten könnte. Denn in diesem Roman läuft vieles anders, als man es als Leser erwartet.

Inhaltlich möchte ich gar nicht allzu viel erzählen. Nur so viel: Es geht um eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen und um die Gefühle zueinander. Das muss reichen.

Viel relevanter finde ich die Sprache des Schriftstellers Benjamin Alire Sáenz. Sie ist auf angenehme Weise spröde und fast ein wenig unnahbar. Der Autor verliert sich nicht in Beschreibungen von Kleidung und Landschaften, sondern bleibt ganz nah an den Figuren und ihren relativ einfachen Bedürfnissen. Über lange Strecken erschließt sich die Handlung in erster Linie durch Dialoge. Und diese sind dem Alter der beiden Hauptfiguren angemessen: Sie verlieren nicht viele unnötige Worte, sondern sind einfach füreinander da. Ganz egal, was passiert.

Gleichzeitig nähert man sich als Leser den beiden Figuren Ari und Dante beinahe zart und vorsichtig an, bekommt nach und nach einen tiefen Einblick in ihre Seelen und ihre Befindlichkeiten. Genau das hat mich von Anfang an gefesselt.

Die Hauptfigur Ari ist so weich, wie ich es selten in einem Jugendbuch erlebt habe. Oft treten die Figuren schon stark und gefestigt auf, damit sie ein gutes Vorbild abgeben. Aber genau das passiert in diesem Roman nicht. Ari wird vielmehr von seinen Emotionen getragen und eckt damit immer wieder an. Doch das stört nicht, es macht den Weg zu ihm und seinen Gefühlen sehr elegant auf und hat mich immer wieder in den Bann gezogen.

Denn in Vielem, was er fühlt und erlebt, entdecke ich mich selbst wieder. Ich sehe mich in dem Alter mit all meinen Widersprüchen und komischen Denkweisen. Ich erlebt meine eigenen Zweifel am Leben noch einmal neu und kann sie mit meinem heutigen Wissen abgleichen. Immer wieder möchte ich Ari zurufen, dass er doch noch so jung ist und sich auf dem Weg seines Lebens Zeit lassen kann. Aber vermutlich würde er nicht auf mich hören und sowieso seinen ganz eigenen Weg gehen.

Wie gerne hätte ich mit vierzehn einen solchen Roman gelesen. Um wieviel einfacher wäre mir der lange Weg zu mir selbst und speziell zu meinem Outing gefallen, wenn ich einen Schriftsteller wie Benjamin Alire Sáenz an meiner Seite gewusst hätte. Stattdessen musste ich mich allein durch all die Dinge schlagen, die sich mir damals in den Weg geworfen haben. Natürlich bin auch ich meinen Weg gegangen, aber auf viele Umwege und Unsicherheiten hätte ich verdammt gut verzichten können. Umso glücklicher bin ich dann heute darüber, Bücher wie dieses in die Hände zu kriegen und zumindest im Nachhinein einen Weg aufgezeigt zu bekommen, wie es auch hätte sein können, wenn nicht alles so gewesen wäre, wie es war.

Dreimal habe ich diesen Roman gelesen und ich könnte sofort wieder von vorne anfangen.


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Ihr seid nicht allein!

Becky Albertalli & Adam Silvera: Was ist mit uns?

Immer wieder suche ich nach wirklich gut geschriebenen queeren Büchern und vor allem nach schwulen Hauptfiguren, die mich mitreißen. Der Buchmarkt wird zwar zur Zeit mit schwulen Charakteren überschwemmt, doch nur wenige von ihnen überzeugen mich wirklich. Bei diesem Buch des Autorenduos Albertalli und Silvera, die jede.r für sich schon packende Geschichten schreiben, ist das anders.

Nach dem Coming-out ist mitten im Leben
Die Selbstverständlichkeit, mit der die beiden Hauptfiguren Artur und Ben mit ihrer Homosexualität umgehen, hat mich vom ersten Moment an überzeugt. Auch wenn ich selbst häufig über die spannende Phase des Coming-outs schreibe, sind gerade Geschichten, in denen die Protagonisten diese Hürde schon genommen haben, immer wieder wichtig. Denn in der Beschreibung des Coming-outs treten ja die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, in der Regel in den Vordergrund und bieten in erster Linie Blaupausen für diejenigen, die diesen Schritt gerade erst noch vollziehen. Aber wir brauchen auch viele Romane, die die Zeit danach beschreiben, um Mut zu machen, um zu zeigen, dass nach den großen individuellen Herausforderungen auch eine Beruhigung eintritt, in der man sich wieder auf das normale Leben konzentrieren kann.

Mit ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es auch in einer liberaler gewordenen Welt und einer fortschreitenden Öffnung der Gesellschaft für queere Menschen weiterhin für jeden Menschen ein großer Schritt ist, sich als queer zu outen. Noch immer wird es als die Regel angesehen, heterosexuell zu leben und sich den Normen unserer Welt zu unterwerfen. Für jeden Einzelnen steht also an erster Stelle des Coming-outs eine Konfrontation mit sich selbst und dem eigenen Rollenverständnis auf dem Plan, wenn man bemerkt, anders als die Eltern zu fühlen, anders als die meisten Freund.innen zu sein. Auch wenn das Umfeld mittlerweile (zum Glück) meist relativ gelassen auf ein Outing reagiert und viele Eltern nicht mehr den Weltuntergang wittern, wenn sich die Tochter oder der Sohn zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, spürt man doch schnell die (vermeintlichen) Blicke auf sich gerichtet, wenn man diesen Schritt geht.

Mein Leben ist nicht das “Normale”
Darüber hinaus lebe ich selbst natürlich in einer heilen Welt, in einer Blase, die durch mein eigenes Handeln stark gefiltert ist. Meine Freund.innen haben kein Problem mit Schwulen und Lesben. Meine Kolleg.innen wissen, dass ich mit einem Mann verheiratet bin. Auch meine Auftraggeber.innen und Kund.innen können sich mit wenigen Klicks im Internet über mein offen schwulen Leben informieren. Negative Reaktionen darauf kenne ich aus meiner direkten Umgebung gar nicht mehr. Und darüber bin ich sehr froh. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich in Köln lebe, einer Stadt, in der es eine große und sehr präsente queere Community gibt. Und natürlich habe ich mir meine Freund.innen und Kolleg.innen so ausgesucht, dass ich mich mit ihnen wohl fühle. Alles andere wäre auch bescheuert.

Aber meine Blase entspricht leider nicht dem, was Menschen in Kleinstädten, in anderen Kölner Stadtteilen oder gar in der deutschen Provinz erleben. Hier gehören Anfeindungen, verbale und körperliche Übergriffe immer wieder zum Alltag. Gesellschaftliche Veränderung, die in der Tiefe wirkt und sich auf alle Bevölkerungsteile überträgt, vollziehen sich langsam. Und ein Teil unserer Mitmenschen tut sich nun mal schwer mit Veränderungen. Sie verbinden damit einen Eingriff in ihre gewohnte Welt und fühlen sich (eigenartigerweise) angegriffen. In der Folge reagieren einige von ihnen mit massiver Abwehr. Die Folgen kennen alle Menschen, die nicht der Norm entsprechen: Rollstuhlfahrer genauso wie Migranten, Schwule ebenso wie Juden und Muslime. Wer nicht in die gängigen Schemata passt, wird schnell ausgegrenzt.

Wir können die strärken, die uns brauchen
Rosa von Praunheim hat 1971 den Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ gedreht und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dabei ist das von ihm beschriebene Gesellschaftsbild immer noch an den oben erwähnten Orten unserer Republik so präsent wie damals. Und ganz im Sinne Praunsheims müssen wir diejenigen stärken, die ihren eigenen Weg gehen und sich damit der Mehrheitsgesellschaft widersetzen. Denn der Ausbruch aus den immer noch als „normal“ wahrgenommenen Narrativen kostet Kraft und diese Menschen brauchen unsere Unterstützung.

Genau diese Unterstützung leisten Albertalli und Silvera in diesem wunderbaren Jugendroman. Indem sie unaufgeregt über das normale Kennenlernen zweiter Jungs in New York schreiben, zeigen sie auf, dass es ein Leben nach dem Outing gibt, in dem es nicht mehr um eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst geht, sondern (ganz banal) darum, ob der Mensch, in den man sich verliebt hat, diese Gefühle erwidert.

Gute Literatur für alle
Holt dieses Buch also in die Schulen! Verschenkt es an die Jugend. Flutet die Bibliotheken mit wirklich guten Romanen voll queerer Charaktere. Nicht nur in den Metropolen wie Berlin, Hamburg, München und Köln. Gerade die kleinen Orte brauchen diese Bücher, damit queere Jugendliche ein für alle mal verstehen, dass sie nicht allein sind!


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Wunderbare Fantastik

Bridget Collins: Die verborgenen Stimmen der Bücher.


Achtung Triggerwarnung!
In diesem Artikel geht es unter anderem um psychische Erkrankungen und Suizid. Wenn du damit nicht konfrontiert werden möchstes, dann lies nicht weiter! Unten findest du darüber hinaus Hilfsangebote!


Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin. Vermutlich haben es einige Menschen in meinem Instagram-Dunstkreis gelesen und ich habe mich anfixen lassen. Bereut habe ich es auf jeden Fall nicht. Ganz im Gegenteil: Ich habe diesen Roman bereits zweimal gelesen und ich bin sicher, dass ich ihn noch mehrfach lesen werde. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Geschichte ist wunderbar erzählt, die Sprache hat mich wirklich überzeugt und die Hintergründe, die ich in den Text hineinlese, haben mich in ihren Bann gezogen.

Eine fantastische Welt
Aber vielleicht sollte ich vorne anfangen. Bridget Collins erzählt die Geschichte des jungen Emmett in einer erst auf den zweiten Blick fantastischen Welt, die sich zeitlich nicht richtig einordnen lässt. Vermutlich befinden wir uns in einer Zeit, die dem Ende des 19. Jahrhunderts wohl am nächsten kommt. Emmett lebt auf dem Land, fern ab jeder größeren Stadt. Es sind vermtulich die Britischen Inseln, aber letztlich könnte die Handlung auch irgendwo in Süddeutschland oder in Frankreich voranschreiten. All das spielt keine große Rolle. Wichtiger ist, dass Emmett an einer ominösen Krankheit litt, von der er sich gerade erst langsam erholt. Er hat keine Ahnung, welcher Art die Krankheit war, doch im Laufe der Handlung findet er immer mehr über sich und seine Vergangenheit heraus. Und das ist zugleich der Kern der Geschichte: Die Selbstfindung und Emanzipation aus den einfachen und konservativen Verhältnissen.

Der fantastische Aspekt in Collins´ Roman ist die Fähigkeit einiger Menschen, andere „in Bücher zu binden“. Bücher spielen also eine zentrale Rolle, wenngleich sie eine völlig andere Funktion übernehmen, als wir sie von Büchern kennen. Die Binder – so heißen die Menschen in dem Roman mit den besonderen Fähigkeiten – haben gelernt, den Lebensgeschichten anderer Menschen zu lauschen und sie ihnen aus dem Bewusstsein zu ziehen, indem sie sie zwischen zwei Buchdeckel sperren. Sobald ein Kunde seine Geschichte erzählt und der Binder sie aufgeschrieben hat, erinnert sich der Kunde nicht mehr daran, was er einmal erlebt und berichtet hat. Das kann auf der einen Seite natürlich ganz praktisch sein, wenn man schlechte Erfahrungen hinter sich lassen will. Der Prozess löscht aber auch die Erinnerung an Schönes, wenn man einem Binder davon erzählt.

ACHTUNG SPOILER!
Für mich war dieser Roman deshalb so außerordentlich spannend, weil der Protagonist erst im Laufe der Handlung entdeckt, dass er schwul ist. Denn seine Erfahrungen sind in ein Buch gebunden worden. Diese Erkenntnis zieht Emmett den Boden unter den Füßen weg. Und er erkennt noch mehr: Er hatte sich in der Vergangenheit schon einmal richtig verliebt. Doch auch dem anderen Jungen ist ein Binder in den Weg gekommen und hat seine Erinnerung gelöscht. Dadurch entspinnt sich eine spannende Handlung, der ich fieberhaft von Seite zu Seite gefolgt bin.

Hat die Metapher des Bindens eine tiefere Bedeutung?
Mit ist nach der Lektüre ein interessanter Gedanke gekommen, von dem ich nicht weiß, ob er auch im Kopf der Autorin war, als sie sich diese Geschichte ausgedacht hat: Der Prozess der Bindens hat etwas von einer Gehirnwäsche. Und im schwulen bzw. homosexuellen Kontext gibt es das tagtäglich. Man nennt das Konversionstherapie. Da versuchen selbsternannte Heiler.innen, fehlgeleitete Psycholog.innen manchmal sogar Mediziner.innen, Schwule und Lesben von ihrem „Leiden“ zu befreien. Ich weiß tatsächlich nicht genau, was in diesen „Therapien“ genau passiert, aber die Effekte davon sind hinlänglich bekannt. In vielen Fällen führen sie zu schweren psychischen Erkrankungen und leider immer auch wieder zu Suiziden. Und obwohl man darum weiß, wird diese Praxis bis heute in vielen Ländern der Welt durchgeführt.

Seit 2020 sind Konversionstherapien in Deutschland verboten. Aber nur bei Minderjährigen. Erwachsene dürfen sich weiterhin dieser Behandlung unterziehen. In meinen Augen ist das absurd. Denn die psychischen Schäden, die diese Behandlung nach zieht, die medizinischen Folgekosten und nicht zuletzt die wissenschaftliche Forschung, die Homosexualität nicht als Krankheit ansieht, die „behandelt“ werden kann, sprechen eine eigene Sprache. Vielleicht schafft es die aktuelle Bundesregierung ja, dieses Vorgehen endgültig zu stoppen. Das würde ihr gut zu Gesicht stehen.

Da ich nicht weiß, ob Collins die Konversionstherapien in ihrem Roman mitgedacht hat, kann ich hier nur mutmaßen. Letztendlich spielt das aber auch keine Rolle, denn ich als Leser habe das Thema aus dem Text gelesen. Doch das soll euch nicht davon abhalten, diesen Roman zu lesen, denn es lohnt sich, in in die Hände zu nehmen und tief in die grandios erzählte Geschichte einzutauchen.


WICHTIG! Hier gibt es Hilfe!

Wenn du dich in einer akuten Krise befindest und vielleicht sogar über Suizid nachdenkst, wende dich bitte an deinen behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112. Du erreichst die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.


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Das »normale« Leben

Matthias Lehmann: Parallel

Wer wie ich in den 1970er-Jahren geboren und in der Zeit danach aufgewachsen ist, hatte in gewisser Hinsicht Glück. Denn die Zeit der sexuellen Befreiung in den 60er-Jahren, die immer liberaler werdende Gesellschaft und auch die nach und nach an die Realität angepasste Rechtslage machte uns das Outing immer leichter. Selbst in den Medien traten nach und nach Promis aus dem Schatten – Hape Kerkeling und Alfred Biolek gingen diesen Schritt zwar nicht freiwillig, sondern wurden von Rosa von Praunheim öffentlich geoutet, aber das tat ihren Karrieren nach der ersten Aufregung keinen Abbruch. Die Menschen in Deutschland waren bereit, sich damit abzufinden, dass unter ihnen Schwule lebten. Und auch wenn heute bei Weitem noch nicht alles rosig ist in unserer Republik – zumindest in den Großstädten ist es kein großes Problem mehr, sich zu outen.

Vom politischen Irrsinn in den Konservativismus
Das war nicht immer so. In der Weimarer Republik gab es in den Metropolen eine zarte Öffnung, doch die wurde in den dunklen Jahren zwischen 1933 und 1945 brutal beendet. Aber wer nun denkt, mit dem Ende des Nationalsozialismus sei schlagartig alles besser geworden, der irrt gewaltig. Bis tief in die 60er-Jahre hinein wurden Schwule von staatlicher Seite verfolgt und waren gesellschaftlich geächtet. Und die dann allmählich einsetzende Veränderung war zäh. Sie zieht sich letztendlich bis in die Gegenwart. Abwertende Kommentare unter meinen Posts gehören quasi zum Tagesgeschäft. Je nach Region und sozialem Kontext ist ein Outing weiterhin manchmal mit drastischen Konsequenzen für das private und berufliche Leben verbunden. Man denke beispielsweise an die Dörfer in der tiefsten Provinz unseres Landes oder an die Fußballer in der Bundesliga. Wer sich hier outet, ist nicht ganz bei Trost oder sehr mutig.

Matthias Lehmann zeichnet in seiner graphic novel Parallel den Lebensweg eines schwulen Mannes nach, der in der Nachkriegszeit versucht, den Spagat zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Ausleben seiner Gefühle nachzukommen. Und der daran scheitert, weil es für ihn keinen Platz in der Gesellschaft gibt.

Der Blick in die Vergangenheit erklärt die Gegenwart
Trotz des schweren Themas gelingt es dem Autor und Illustrator, mich von der ersten bis zu letzten Seite in den Bann zu ziehen. Das mag daran liegen, dass ich eine historische Beschäftigung mit der Homosexualität durchaus spannend finde und es für wichtig erachte, mich damit zu auseinanderzusetzen. Denn natürlich sind mir in den vergangenen Jahrzehnten auch immer wieder ältere Schwule begegnet, die mir oft eigenartig gehemmt vorkamen. Oder die plötzlich aus allen Mustern herausfielen und nur noch geschminkt herumliefen, was ich dann meist irgendwie unangemessen fand. Erst in einer Auseinandersetzung mit dem Thema und der Beschäftigung mit der Frage, wie schwules Leben denn in den Jahren nach dem Krieg aussah, wurde mir klar, dass diese Männer gar nicht anders konnten, als sich so zu verhalten, wie sie es taten.

Wer in einem Umfeld des Hasses auf alles, was nicht der Norm entspricht, aufwächst, hat kaum die Chance, sich frei zu entwickeln. Wer sein wahres Sein ständig verstecken muss, damit er nicht verachtet, misshandelt oder eingesperrt wird, wird nicht wirklich zufrieden auftreten können. Und wer von frühen Jahren an – vor allem in der Pubertät und der Jugend, in der man sich ja eigentlich ausprobieren könnte – mit massiven Anfeindungen konfrontiert ist, bei dem ist die Hemmung, über seine „andersartige“ Sexualität zu sprechen, sehr nachvollziehbar. Die Brandmarkungen sitzen so tief, da lässt sich in einer sich öffnenden Gesellschaft nicht einfach ein Hebel umlegen. Das wird immer wieder viel Mut verlangen. Und genau davon erzählt die graphic novel von Lehmann sehr eindrücklich.

Meine Oma hat nur ein bisschen geweint
Während ich dieses Buch lese, denke ich wieder einmal, dass ich verdammtes Glück gehabt habe. Denn ich bin in einen sozialen und gesellschaftlichen Kontext hineingeboren worden, in dem ich so sein konnte und sein kann, wie ich bin. Meine Eltern sind mir zwar nicht vor Freude um den Hals gefallen, aber sie kamen aus der Studentenbewegung, sie waren nicht realitätsfern und sie konnten mich auch weiterhin als ihren Sohn lieben. Selbst meine Oma hat die Neuigkeiten damals mit Fassung getragen, ein paar Tränen verdrückt und sich im Laufe der Zeit immer offener gezeigt.

Gleichzeitig habe auch ich noch einen Teil dieser Hemmung in mir. Jedesmal, wenn ich erwähne, schwul zu sein, stolpere ich ein wenig über die Formulierung und frage mich sofort, wie mein Gegenüber denn jetzt wohl reagieren wird. Dabei habe ich selbst nur sehr selten blöde Reaktionen erfahren. Und ich frage mich, wie dieses Thema für nach dem Jahr 2000 geborene Menschen wohl ist. Fällt es ihnen noch leichter, darüber zu sprechen und sich zu outen? Oder haben sie auch Erfahrungen gemacht, die sie umsichtig walten lassen? Ich hoffe, dass das nicht der Fall ist und sich unsere Gesellschaft nachhaltig geöffnet hat.


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Russische Lüge

Mikita Franko: Die Lüge.

Russland und die Schwulen – das ist keine harmonische Beziehung. Ganz im Gegenteil. Und die Situation für queere Menschen in Russland wird stetig schlechter. Zwar sind homosexuelle Handlungen weitgehend legal, aber die Tabuisierung in der Bevölkerung ist erschrecken weit verbreitet. Wladimir Putin hat darüber hinaus 2013 ein Gesetz unterschrieben, das die bisherigen regionalen Verbote homosexueller Propaganda deutlich verschärft hat: Ab sofort war (und ist) es verboten, sich in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu äußern. Die russische Politik tut also so, als hätte es in den vergangenen einhundert Jahren keine Entwicklung gegeben, stempelt queere Menschen als minderwertig ab und schafft damit die Basis für verbale und körperliche Übergriffe. Aus Gedanken werden Worte. Aus Worten werden Taten. Die queeren Medien sind voll mit Berichten über brutal misshandelte Schwule, Lesben und andere Queers.

Vor diesem Hintergrund und mit diesem Wissen habe ich mich an ein Buch gewagt, das mir sofort ein ungutes Gefühl im Bauch bereitete. Mikita Franko, ein in Moskau lebender Transmann, kommt ursprünglich aus Kasachstan und hat einen fulminanten Roman vorgelegt, den ich von der ersten bis zur letzten Seite wie im Rausch gelesen habe.

Schwule Väter
Inhaltlich geht es zunächst um den fünfjährigen Mikita, der nach dem Tod seiner Mutter von deren Bruder adoptiert und aufgezogen wird. Dass Slawa schwul ist, weiß der Junge natürlich in den ersten Jahren nicht, und Lew, der nette „Mitbewohner“ seines Onkels, gehört einfach mit dazu. Aber nach und nach stellt Mikita Fragen, in der Schule wird er komisch angeguckt und er beginnt zu verstehen, dass seine Familie völlig anders ist als die Familien seiner Freunde.

Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an völlig gefesselt. Vielleicht, weil ich auf die große Katastrophe gewartet habe. Vielleicht aber auch, weil ich irgendwie noch auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen gehofft habe. Wider besseres Wissen. Aber auch sprachlich ist dieses Buch des heute 25jährigen Russen wirklich überzeugend.

Russische Realität
Und immer wieder schiebt sich bei der Lektüre die russische Realität vor meine Augen. Die tägliche Verfolgung, die brutale Gewalt durch Polizei, die Willkür, der die Menschen ausgesetzt sind. Bis hin zu den Berichten über Schwule, die sich via Dating-Apps verabreden und dann auf eine Gruppe brutaler Schläger treffen. All diese Bilder drängen sich mir auf und lassen mich den Mut erkennen, den ein junger Schriftsteller aufbringen muss, mit diesem Roman an die Öffentlichkeit zu treten und sich damit verbalen und im Zweifelsfall auch körperlichen Übergriffen auszusetzen.

Und ich kann nicht verhindern, auch an die Menschen in der Ukraine zu denken. Die Ukraine ist gesellschaftlich beileibe noch nicht mit den meisten Staaten der EU vergleichbar. Die Korruption ist bis heute eine große Herausforderung. Aber das Land war auf einem guten Weg. Bis zum 24. Februar 2022. Queere Menschen in der Ukraine müssen das einmarschierende russische Militär in doppelter Hinsicht fürchten. Weil sie Ukrainer sind. Und weil sie queer sind. Immerhin hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor ein paar Tagen geäußert, dass er die Einführung gleicher Rechte für Schwule und Lesben befürworte. Allerdings erst nach Beendigung des Krieges. Und das wird vermutlich noch Jahre dauern.

All dies geht mir durch den Kopf, wenn ich mich mit Mikita Frankos Roman beschäftige. Und all dies hat keinen Einfluss darauf, dass dieser Roman eine Wucht ist.


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Die AIDS-Krise

Rebecca Makkai: Die Optimisten.

Um dieses Buch bin ich nun lange herumgeschlichen, weil ich mich mit der Thematik nicht auseinandersetzen wollte. Es geht um die AIDS-Krise in den 1980er-Jahren und ich habe immer befürchtet, dass der Roman mich zu sehr berühren würde. Er hat mich tatsächlich berührt, aber auf eine völlig andere Weise als erwartet.

Rebecca Makkai erzählt die Geschichte einer schwulen Freundesgruppe in Chikago. Im Fokus steht der junge Kunstexperte Yale, der auf der Suche nach herausragenden Neuerwerbungen seiner Galerie sucht. Doch nicht nur die Kunst beschäftigt ihn, viel relevanter ist dieses neue Virus, mit dem sich nach und nach seine Freunde infizieren. Makkai beschreibt dabei sehr einfühlsam, wie das Virus die Menschen in Windeseile überfällt und viele von ihnen tötet. Parallel dazu führt ein Erzählstrang in die Gegenwart, in dem Fiona, die Schwester eines der AIDS-Opfer der 1980er, sich auf die Suche nach ihrer Tochter in Paris macht und dabei mit den Erinnerungen und den Menschen aus der Vergangenheit konfrontiert ist.

Dieses Buch ist keine leichte Kost. Aber die Autorin nimmt ihre Leser.innen sanft an der Hand und begleitet sie einfühlsam.

Lesen heißt immer auch lernen
Ich habe nicht gewusst, wie massiv HIV damals in die schwule Szene eingedrungen ist. Ich habe nichts von dem unendlichen Leid geahnt. Ich habe das alles einfach nicht wissen wollen, weil mir das Thema viel zu nahe geht. Ich bin 1973 geboren, meine Pubertät einschließlich der Auseinandersetzung mit meiner Sexualität hat sich gegen Ende der 80er-Jahre abgespielt. Und genau in die Phase, in der ich mich an meine Homosexualität herangepirscht habe, waren die Medien voll mit den schockierenden Nachrichten über die Seuche, die Tausende Menschen qualvoll in den Tod gerissen hat. Genau erinnere ich mich noch an die Überlegungen der bayerischen Landesregierung, Quarantänelager für die Infizierten einzurichten. Das war ein Schock sondergleichen für den kurz vor dem Outing stehenden Jungen, der viel zu wenig Vorbilder für ein schwules Leben hatte. 1993 schockte die Modemarke Benetton zudem mit Bildern über AIDS-Kranke. Wie sollte ich damit umgehen? Wie konnte ich mich in dieser aufgeheizten Zeit outen? In den folgenden Jahren war ich immer wieder damit konfrontiert, dass ein Outing sofort die Verbindung zu HIV und AIDS nach sich zog. Das hat mein Leben nicht einfacher gemacht.

Das ist also der Hintergrund, das ist meine Erinnerung, die ich an diese Zeit habe. Ich war nicht richtig dabei, ich habe damals keine Freunde durch HIV verloren. Ich habe das Elend in der Community und den Familien nicht erlebt. Aber ich habe die Angst gespürt. Und ich habe mich selbst damit sehr schwer getan, zwischen Schwulsein und dem Virus zu abstrahieren. Ich war allein mit den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten, denn wir hätte ich darüber sprechen sollen?

Gelassenheit durch Erfahrung
Heute kann ich damit anders umgehen. Ich weiß, dass Homosexualität nicht mit dem Virus gleichzusetzen ist. Mittlerweile gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten und Therapien – auch wenn die weiterhin mit Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen. Und vor allem kenne ich die Übertragungswege des Virus. Und nicht zuletzt gehe ich heute mit einem fundierten Rucksack an Lebenserfahrungen durch die Welt, der mit hilft, diese Dinge mit größerer Distanz und Gelassenheit zu betrachten.

Wir dürfen nicht vergessen, dass schwulen Männern in den 1980er- und 90er-Jahren immer noch mit großen Vorbehalten begegnet wurde. Der Paragraf 175 war in Deutschland bis 1994 in Kraft (auch wenn es in dieser Zeit keine Verurteilungen mehr gab) und stellte Schwule weiterhin automatisch an den Pranger. Spätestens mit der Einführung der Ehe für alle 2017 durch den Deutschen Bundestag hat ein Prozess der wirklichen Gleichstellung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Und doch sind wir immer noch nicht am Ende des Kampfes angelangt.

Glück gehabt?
Vielleicht wird aus all dem, was ich euch hier erzähle, klar, welche Ängste ein Roman wie der von Rebecca Makkai bei mir hätte antriggern können. Aber er hat es nicht getan. Vielmehr hat er mich in einen Frieden mit dem Thema gebracht. Ich verstehe jetzt viel besser, was damals mit mir passiert ist und ich bin plötzlich sehr froh, die Hochphase des Infektionsgeschehens nicht hautnah miterlebt zu haben. Wäre ich zehn Jahre früher geboren worden, hätte das ganz anders aussehen können.

Ich bin sehr glücklich, dass ich mich endlich an den Roman herangetraut und bei der Lektüre unfassbar viel gelernt habe. Über die Zeit, über Menschen und nicht zuletzt über mich selbst.

Hier ist ein Link zu dem Buch Die Optimisten:


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Queere Fantasy

T. J. Klune: Mr. Parnassus´ Heim für magisch Begabte

In den vergangenen Wochen habe ich das Buch von T. J. Klune schon oft bei Instagram gesehen, bis ich es mir letzte Woche endlich ausgeliehen habe. (Am Rande: Das ist eine der wunderbaren Vorteile, wenn man einen Tolino hat und damit eBooks liest – ich habe mich an die Kölner Stadtbibliothek angehängt und kann über diesen Weg auf eine Unmenge Bücher zugreifen, die ich jederzeit und an jedem Ort ausleihen kann). Und ich muss sagen: Ich bin begeistert.

Das Schöne an der Geschichte ist unter anderem der leichte Umgang mit diversen Menschen. Und damit meine ich nicht nur queere (im Speziellen: schwule) Menschen.

Gibt es Magie?

Klune erzählt die Geschichte des Sachbearbeiters Linus Baker, der für die Überwachung von Waisenhäusern zuständig ist. Diese Heime sind besonders, als dass dort Kinder untergebracht sind, die magische Fähigkeiten haben. Insofern haben wir es hier mit einem Fantasyroman zu tun, denn meines Wissens gibt es Magie nicht wirklich. Oder sollte ich mich täuschen?

Linus Baker wird ganz elegant als schwuler Mann eingeführt, ohne diese Begrifflichkeit explizit zu benennen. Er hat als Kind schon Jungs nachgeguckt. So ist das eben. Daraus entsteht kein Problemkontext, sondern das ist einfach etwas, das zu ihm gehört. So wie das saubere Hemd und die ordentliche Wohnung. Und schon das freut mich ungemein, denn hier wird ein Umgang mit dem Thema Homosexualität geprägt, den ich mir seit Langem wünsche.

Überraschung bei der Ankunft

Der Sachbearbeiter bekommt im Laufe der Handlung eine Spezialaufgabe: Er soll ein ganz besonderes Heim besuchen und dort überprüfen, ob alles den Gesetzen und Regeln gemäß abläuft. Weitere Informationen erhält er nicht, sondern er wird in einen Zug gesetzt, der ihn in eine weit abgelegene Gegend führt. Erst bei Ankunft am Ziel darf er die Akte, die er ausgehändigt bekommen hat, öffnen. Selbstverständlich hält er sich als treuer Staatsbediensteter an diese Vorgabe. Doch als er schließlich den Aktendeckel hebt und die ersten Worte liest, verliert er erst Mal das Bewusstsein, denn eines der Kinder – ein sechsjähriger Junge mit dem Namen Lucy – ist der Sohn Satans. Er ist Lucifer. Damit nimmt die Handlung ihren Lauf.

Neben vielen sehr schrägen Figuren, die mit ihren Eigenarten angeblich nicht für die Konfrontation mit der Durchschnittsbevölkerung befähigt sein sollen, steht dem Waisenhaus Mr. Parnassus vor. Er leitet das Heim für magisch Begabte seit Jahren und hat eine ganz eigene und wunderliche Vergangenheit. Er steht letztlich auch im Zentrum der Untersuchung, für die Linus auf die Insel geschickt wurde, auf der das Heim steht. Und er wird nach und nach eine immer wichtigere Rolle für Linus übernehmen, auf die ich hier allerdings nicht genauer eingehen möchte, um nicht zu spoilern.

Das Besondere im Absonderlichen

Die Bilder, die Klune in seinem Roman aufmacht, sind offensichtlich: Es gibt in jeder Gesellschaft Menschen, die anscheinend nicht in die gängigen Schemata passen. Sie werden abgesondert und speziell überwacht. Auch in unserer Gesellschaft ist das so – man denke an Menschen mit körperlichen, geistigen, seelischen und psychischen Besonderheiten. Immer noch werden sie in speziellen Schulen untergebracht, in Heimen betreut und können in vielen Fällen nicht selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Aber auch die Parallele zu queeren Menschen ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn Schwule und Lesben mittlerweile heiraten dürfen, werden doch immer noch Schubladen aufgemacht, sobald sich jemand outet.

Ich selbst lebe in einer Blase, in einer heilen Welt, in der meine Sexualität respektiert, akzeptiert und als normal angesehen wird. Aber sobald ich meinen Stadtteil verlasse, in die Provinz fahre oder sogar die Grenze überschreite, befinde ich mich in einem ununterbrochenen Alarmzustand. Ich frage mich sofort, ob ich an diesem Ort mit meinem Mann Hand in Hand durch einen Ort gehen kann, ob ich beobachtet werde und vor allem, wie die Menschen um mich herum reagieren.

Fazit

T. J. Klune schafft es auf wunderbar elegante Weise, eine Welt zu schaffen, in der zwar ein schwuler Mann als weitgehend normal angesehen wird, die zugleich aber auch mit zahlreichen Vorbehalten und Ressentiments gegen alle Andersartigen spielt. Er zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen, indem er völlig schräge Charaktere agieren lässt und sie so einfühlsam beschreibt, dass ich mich sogar in den Sohn Satans verliebe. Ich bin sehr gespannt auf seine anderen Bücher.

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Frühe Erotik

Aristophanes und Ralf König: Lysistrata. Eine queere Kooperation.

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie alt ich war, als ich in einer Inszenierung von Aristophanes´ LYSISTRATA in meiner Schule mitgespielt habe. Vermutlich dreizehn oder vierzehn. Ich wollte halt Theater spielen und es gab nur diese eine Schaupielgruppe an der Schule. Also habe ich eine kleine Nebenrolle bekommen und mich in die Proben geworfen. Ein bisschen komisch war das in dem Alter schon, sich nicht nur mit einem antiken Lustspiel zu beschäftigen, sondern vor allem auch mit der anzüglichen Story. Denn immerhin steht im Zentrum der Handlung die sexuelle Verweigerung aller Frauen aus Sparta und Athen mit dem Ziel, die Männer zum Ende des Krieges zu bewegen.

(Wenn ich mir das jetzt noch mal genau durch den Kopf gehen lasse, frage ich mich, warum die Frauen der Welt diese Taktik nicht einfach mal wieder aufleben lassen. Eine von Frauen dominierten Welt wäre vermutlich weitaus friedlicher als das männerdominierte Weltgeschehen…)

Aber zurück zu meinen eigenen Erfahrungen

Unter der Leitung von Lysistrata verweigern sich die Frauen und rufen natürlich erst den Spott und später die unbefriedigte Lust der Männer auf den Plan. Im Rückblick auf mein pubertierendes Ich muss ich schmunzeln, denn damals wird mich diese Geschichte vermutlich ziemlich durcheinandergebracht haben. Erst viele Jahre später habe ich eine von Aubrey Beardsley (1872 bis 1898) illustrierte Ausgabe des Lustspiels von Aristophanes (ca. 450 bis 380 v. Chr.) entdeckt. Die Bilder sind nicht nur für die damalige Zeit – wir sprechen vom Ende des 19. Jahrhunderts – erstaunlich. Damals haben sie Entsetzensstürme hervorgerufen, denn der Künstler zeigt in aller Deutlichkeit und Detailtreue vollkommen überdimensionierte Erektionen. Und auch heute sind die Abbildungen zumindest anrüchig, wenn nicht gar pornografisch. Aber sie rufen natürlich keine vergleichbare Reaktion mehr hervor.

Meine Mitwirkung in dem Theaterstück hatte allerdings auch noch eine vollkommen andere Folge: Ich kam zum ersten Mal mit einem Comic von Ralf König in Kontakt. Wer diesen Comic damals wem geschenkt hat, weiß ich heute nicht mehr. Auf der erste Seite steht der Name meines älteren Bruders, der ebenfalls in dem Theaterstück mitgespielt hat. Vielleicht habe ich es ihm geschenkt, oder er hat es von meinen Eltern bekommen. Oder ich habe es bekommen und er hat einfach nur seinen Namen reingeschrieben. Bei einer Sache bin ich mir allerdings sicher: Keiner in unserer Familie wird zu dem Zeitpunkt gewusst haben, wer Ralf König ist und womit er sich beschäftigt. Mir hat der Comic ein wenig mehr die Augen geöffnet.

Ralf König überträgt die Handlung in die Gegenwart

Ralf König setzt in seinem Comic LYSISTRATA die antike Geschichte von Aristophanes frei um. Zwar rufen auch hier die Frauen Spartas und Athens zur Verweigerung auf, aber die Schwulen beider Städte greifen im Comic ein und machen sich die phallischen Probleme der attraktiven Soldaten zunutze. Am Ende ist nicht nur der Krieg beendet, sondern das Schlachtfeld auch zusätzlich eine homoerotische Orgie. Die Frauen finden das natürlich ziemlich beschissen.

Dieser Comic war einer der vielen Schritte auf meinem Weg zur Selbstfindung. Auch wenn ich mich erst mit achtzehn geoutet habe, hatte ich durch die Lektüre schon mal einen ersten Kontakt zu dem Thema. Auf diese Weise konnte ich mich damit auseinandersetzen. Und das ist letztendlich einer der wichtigsten Gründe, warum ich heute noch immer jedes Mal auf die Zeichnungen von Ralf König anspringe. Seine Arbeit war ein wesentlicher Aspekt meines Weges zu mir selbst.

Lust auf Comic? Hier gehts zu Ralf Königs Lysistrata.

Antike Lesen? Hier ist die Übersetzung mit den Illustrationen.


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Meine Anfänge

Klaus Mann: Der fromme Tanz. Homosexualität vor hundert Jahren.

Mit diesem Buch verbindet mich emotional sehr viel. Viel zu lange hatte ich im Grunde gar keinen Überblick über schwule Literatur. Ich hatte hier und da mal etwas gelesen, aber das Meiste war eher schlecht oder hatte mich gar nicht angesprochen. Doch dann bin ich während meines Studiums an einem Sonntag über einen der regelmäßigen Flohmärkte in Köln geschlendert und wie immer an den überbordenden Büchertischen stehengeblieben. Und da hat es mich erwischt: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben auf den Namen Klaus Mann gestoßen und mir kam genau dieses Buch zwischen die Finger. Der Klappentext hat mich sofort angesprochen und aus dem Autorenprofil vorne im Buch habe ich entnommen, dass Klaus der älteste Sohn von Thomas Mann war. Damit hielt ich – davon war ich fest überzeugt – Qualität in den Händen. Ich hatte mich nicht getäuscht und eine große Liebe enttdeckt.

Die Anfänge schwuler Literatur in Deutschland

Der fromme Tanz er schien 1926 und gilt als einer der ersten deutschsprachigen Schwulen-Romane. Damit stellt er den Beginn einer langen Reihe von queeren Texten dar, die in den folgenden fast hundert Jahren auf den Markt kamen. Und damit ist er auch ein Muss für alle, die tiefer in dieses Genre einsteigen und sich mit den Ursprüngen schwuler Literatur beschäftigen. Der Autor outete sich seinerzeit mit der Veröffentlichung in einer Gesellschaft, die Homosexualität unter Strafe stellte (und daran sollte sich in der Folge auch lange nichts zu Positiven ändern). Die Reaktionen der Presse waren dementsprechend und da ist zum Beispiel von geschmackloser sexueller Ausschweifung die Rede. Dennoch wurde der Roman zu einem kleinen Erfolg für den erst 19jährigen Schriftsteller. Und zugleich war er schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, nur deshalb erfolgreich zu sein, weil er der Sohn des geachteten Meisters Thomas Mann war. Zeitlebens hat Klaus Mann darunter gelitten, dass seine Literatur immer im Schatten seines Vaters stand und er nie unabhängig betrachtet wurde.

Ich war begeistert, als ich das Buch damals zum ersten Mal las, denn mir hat sich eine ganz neue Welt der Literatur eröffnet. Erst danach habe ich mich gezielter auf die Suche nach schwulen Büchern gemacht, von denen es in den 1990er-Jahren noch deutlich weniger gab, als heute. Und ich habe mich nach und nach durch die anderen Bücher Klaus Manns gewühlt und seine Sprache lieben gelernt. Sie wirkt heute manchmal etwas sperrig. Man spürt, dass der Autor in den 1920er-Jahren noch am Anfang seines Schaffens stand und ihm die Übung fehlte. Dennoch tauche ich jedes Mal wieder tief in das historische Geschehen ein. Denn dieser Roman ist auch ein Abbild der biederen Gesellschaft, in der es – abgesehen von wenigen subkulturellen Orten in den Metropolen wie Berlin und München – keinen Platz für queere Menschen gab.

Flucht aus der Enge der Familie

Im Zentrum der Handlung steht der der 18jährige Andreas aus großbürgerlichem Elternhaus, der aus der Enge seiner Famlie nach Berlin und später nach Paris flieht. Er verliebt sich unsterblich in einen anderen Jungen und zerbricht unter den Folgen dieser Liebe. So viel zur Story, die aus heutiger Sicht nicht viel Neues herzugeben scheint. Aber damals war das eine Sensation. Ein schwuler junger Mann findet seinen eigenen Weg. Das hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben.

Immer wieder tauchen autobiografische Züge zwischen den Zeilen auf und der Autor macht wenig Hehl daraus, dass er sich in die Hauptfigur in Teilen selbst hineingeschrieben hat. Aber bei der literarischen Betrachtung eines Textes tritt der Autor ja meist in den Hintergrund und die Figur, der Plot und die Sprache sollen sich voll entfalten. Sprachlich ist der Roman sehr fein und einfühlsam. Mir macht es nach wie vor unheimlich viel Spaß, den verschlungenen Sätzen von Klaus Mann zu folgen und mich an einem Stil zu ergötzen, der im 21. Jahrhundert irgendwie altertümlich daher kommt.

Klaus Mann in meinem Studium

Wer Lust auf eine authentische Reise in die Weimarer Republik hat und sich nicht vor der Sprache dieser Zeit scheut, sollte sich dieses Buch unbedingt einmal zu Gemüte führen. Ich habe das intensiv getan und sogar einen Teil meiner Magisterprüfungen an der Uni Köln mit Klaus Mann bestritten. So wahnsinnig viel hat er allerdings auch nicht geschrieben.

Kleiner Fun-Fact am Rande: Im Vorwort schreibt Klaus Mann über die Menschen in seinem Alter Folgendes: „Zuweilen will es mir beinahe vorkommen, als sei es an sich und von vorneherein schon ein Zeichen von Rückständigkeit und Melancholie, als junger Menschen heute überhaupt noch Bücher zu schreiben. Das Interesse für Literatur bei der Jugend darf länger nicht überschätzt werden. Ich glaube, dass sich nur bei Vereinzelten noch Enthusiasmus für die Wichtigkeit und die Notwendigkeit des Buches findet. Andere Dinge sind es, die im Vordergrund stehen.“

So viel zu den Unkenrufen, Jugendliche läsen heute keine Bücher mehr. Genau das Gleich hat man offenbar auch schon vor hundert Jahren gesagt.

Erstehen könnt ihr das Buch hier:


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